Goemon5: The Celtic Ninja Blog
Goemon
Goemons Gruseliges Tagebuch

In dieser Ecke werde ich in unregelmäßigen Abständen (sobald ich eine Eingebung habe und über die Zeit verfüge dieser zu folgen) markante Erlebnisse meines bescheidenen Lebens niederschreiben.

 Die zeitliche Abfolge folgt übrigens den geologischen Regeln: die ältesten Daten befinden sich im liegenden (unten) und da die Geschichten teilweise aufeinander aufbauen, sollten sie von unten nach oben gelesen werden.
Inzwischen hat dieser Blog die Ausmaße eines Taschenbuchses erreicht und muss daher unterteilt werden. Aus reiner Ideenarmut heraus splitte ich einfach mal in Halbjahre, bzw. Doppelquartale.

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Freitag

5.12.2008

Simbabwe - es reißt nicht ab

Angesichts von Zehntausenden Cholera-Opfern hat Robert Mugabe am Donnerstag den Notstand über Simbabwe verhängt. Zu spät, meinen die Nachbarn, Kommunikationspartner, Bündniskontinente, Geldgeber, ja, eigentlich die ganze Welt. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll es bereits bei einigen Dutzend Cholera-Verseuchten möglich sein, eine beginnende Epidemie zu diagnostizieren. Mugabes Einsicht kommt demnach mindestens einen Monat zu spät.
 

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Donnerstag

4.12.2008

Krankenstation Straßenrand

Der Chef bereichert sich auf Kosten der Arbeiter, die Produktion steht still und die Sicherheitskräfte drohen jedem Gewalt an der nicht vollen Einsatz für seinen Boss Robert Mugabe aufbringt. Nun kündigt auch noch die Haus-interne Krankenversorgung ihren Dienst, denn auf eine so massive Seuche wie sie derzeit in Simbabwe grassiert, ist man einfach nicht vorbereitet. Nein, es geht nicht etwa die Grippe um, wie es in Mitteleuropa derzeit Mode ist. Weil Mugabe mal wieder an seinen Untertanen und ganz besonders an deren Versorgung gespart hat, erleiden jene nun ausufernde Brechreize in Folge einer ausgeprägten Cholera-Epidemie.
 

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Freitag

28.11.2008

Unrat-Beseitigung

Ab heute beziehe ich wieder offiziell Gehaltsersatzleistungen vom Amt für Grundsicherung, bin also offiziell Bodensatz der Gesellschaft, zusammen mit Hartmut Mehdorn, Horst Seehofer, Günther Beckstein und Britney Spears. Nun kann ich mich natürlich nicht einfach im eigenen Dreck wälzen, denn im Gegensatz zu eben bezeichneten Personen habe ich kein Finanzpolster vorzuweisen. Vielmehr muss ich nun wieder nach einem geeigneten Arbeitsplatz suchen, um nicht erneut in den zweifelhaften Genuss eines MAE-Angebots zu geraten.

 

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Donnerstag

27.11.2008

Terror vor der Tür

Als Nicht-Indienkenner kann man sich Mumbai wohl etwa als indisches Bayern vorstellen, nur mit mehr Kühen und dichterer Besiedlung. Eine von Traditionen und Religion geprägte Region sieht sich plötzlich mit Massentourismus und technischer Revolution konfrontiert. Daher stehen zwischen Tempeln, Rikschaparkplätzen, prächtigen Altbauten und einfarbigen Neubauwohnungskomplexen inzwischen auch Bürogebäude und Hotelanlagen, was die Stadt zu einem stilistisch sehr eindrucksvollen Potpourri macht.

 

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Dienstag

25.11.2008

Seehofer lässt die Bombe platzen

Bayerns Ministerpräsident und Parteivorsitzender der CSU zeigt sich besorgt über die wirtschaftlichen Konsequenzen der momentan angestrebten Klimaziele der europäischen Union. Jene sieht vor, bis 2012 eine Obergrenze von 120 g/km CO2-Ausstoß für alle Neuwagen einzuführen. Wer den Grenzwert überschreitet solle zunächst 20 Euro je Gramm Strafezahlung leisten, bis 2015 jedoch 95 Euro pro Gramm. Damit würde eine BMW-Limousine in sechs Jahren gut achttausend Euro mehr kosten und ehrlich gesagt, bezweifle ich, dass der durchschnittliche BMW-Käufer sich dadurch abschrecken ließe.

 

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Montag

24.11.2008

Nicaragua kriegt sich nicht ein

Der letzte nicaraguanische Bürgerkrieg ist schon wieder dreißig Jahre her. Es wird also Zeit, dass sich das Land wieder bewegt. Damals, im Juli 1979, stürzte eine Revolutionsbewegung die Regierung und errichtete eine pseudo-kommunistische Junta, die unter der weisen Aufsicht von Daniel Ortega ein Regime aufbaute, welches sich grob am kubanischen Vorbild orientierte. Und genau wie in Russland und Kuba wurde eine kleine Zahl von Parteigenossen stetig dicker, während das Volk vor sich hin hungerte und fleißig den Wohlstand des Proletariats förderte. Bewohner der "neuen Bundesländer" (Ostdeutschland/Ex-DDR) kenne dieses Phänomen.

 

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Sonntag

23.11.2008

Das Volk geht unter

Bereits zu Beginn der vergangenen Woche hat China seine Verhandlungen mit Abgesandten des Dalai Lama für gescheitert erklärt. Zwar war ein Scheitern der Friedensgespräche vorauszusehen, da noch immer niemand ein chinesisches Schriftzeichen für "Menschenrechte" skizziert hat. Dennoch kann ich meine Enttäuschung nicht verbergen, dass ein Volk aus Friedensverfechtern unter der chinesischen Delegation keine einzige Reaktion des Entgegenkommens erwirken konnte.
 

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Donnerstag

20.11.2008

Segel reffen, Motor anwerfen, Piraten Ahoi !

Es ist finstere Nacht und der überwiegende Teil der Besatzung des Öltankers liegt in den Kojen. Nur einzelne Matrosen wachen über Kurs und Sicherung des stählernen Kolosses. Weit hinter dem Heck schält sich langsam ein blaues Objekt aus der nächtlichen Nebelbank, das im Takt der Wellen auf und ab wippt. Leise und unscheinbar rückt es näher. Das stromlinienförmige Schnellboot, welches dem Tanker folgt, ist knapp acht Meter lang und gleitet scheinbar lautlos über das Wasser. Der Motor erzeugt ein gleichmäßiges stumpfes Brummen, das von dem pfeifenden Wind an Deck jedoch glatt übertönt wird.

 

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Montag

17.11.2008

Die neue Zensur

Dereinst hielten multimedial verträumte Menschen das Internet für einen Quell der Informationen, eine universelle Plattform zur Verbreitung von gefährlichem Halbwissen, ungaren Meinungsäußerungen und unverbrämter Selbstdarstellung die keinem staatlichen Druck weichen wird. Andererseits glaubten auch viele Gamer, sobald sie nur volljährig seien, könnten sie ungehindert alle Computerspiele zocken, ungeachtet ihrer Altersempfehlung. Längst wissen wir, wie fehlerbehaftet diese Einschätzung war, denn führende Medienkontrolleure überprüfen inzwischen sogar die Einfuhr von digitalen Datenträgern und deren Verbreitung unter vermeintlich selbstverantwortlichen Erwachsenen.
Forsch voran

 

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Sonntag

16.11.2008

Schritt nach vorn

Reinhard atmete tief durch. Mit jeder Faser seines Körpers spürte er die Last der kommenden Ereignisse. Alles war vorherbestimmt. Selbst wenn er sich umdrehen und davon laufen würde, am Ende würden sie ihn kriegen. Nein, seine Zeit war vorbei. Die Entscheidung war allen Beteiligten seit langem klar, so auch ihm. Dies würde sein letzter Gang als Clanchef werden. Doch er würde ihn mit jener Würde begehen, die er seit Amtsantritt gezeigt hatte. Er würde da rausgehen und der brodelnden Menge noch einmal zeigen, dass sein Clan einig ist uns stark und sich von niemandem die Zukunft diktieren lässt.

 

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Samstag

15.11.2008

Geld oder Kohle - das ist die Frage

Im sonnigen Oktober startete ein Volksbegehren gegen die Öffnung neuer Tagebaue in der Lausitz (Ostbrandenburg, Ostdeutschland, Mitteleuropa, Erde). Die Initiative begründet sich auf den vielen Braunkohle-Tagebauen die jene Region bereits beherbergt und die außer Sanierungsprojekten eigentlich nichts abwerfen. Der schwedische Energiekonzern Vattenfall räumt bei seinen Plänen allerdings nicht viel Spielraum ein, immerhin geht es ja um Arbeitsplätze und um Aufrechterhaltung der jährlichen Fördermenge von 180 Millionen Tonnen deutscher Braunkohle. Den Anwohnern geht es eher um den Erhalt ihrer Gemeinden, die Verhinderung von erneuten Zwangsumsiedlungen und um ein paar tausend Tonnen CO2 die jedes Jahr durch Lausitzer Verbrennungsprojekte dabei helfen, die Atmosphäre aufzuheizen.

 

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Freitag

14.11.2008

Aufwand und Entschädigung

Kaum ein Thema beschäftigt den Sozialstaat so sehr wie die Arbeitslosenstatistik. Da wird nach allen Regeln der stochastischen Kunst nivelliert, gedreht, normalisiert, subtrahiert und wenn als Resultat irgendeine runde Summe unterboten wird, freut man sich unter dem Staunen der breiten Öffentlichkeit ein Loch in den Bauch. Um die Medien möglichst häufig durch neue Fortschritte unterhalten zu können, basteln Tausende Arbeitskräfte Tag für Tag an Wegen zur günstigeren Modellierung und erstellen Suchabfragen die es erlauben, zusätzliche Personen aus dem Kreis der nominell Arbeitslosen zu entfernen. Die gewichtigste Initiative zu jenen Verfahren stellt der Dunstkreis um das Arbeitslosengeld II (ALG2) dar.

 

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Donnerstag

13.11.2008

Atomare Arktis

1950 errichteten die USA einen militärischen Stützpunkt im Nordwesten Grönlands. An der Hafenstadt Qaanaaq (derlei beknackte Namen können sich nun wirklich nur dänische Inuit ausdenken), im inneren der Baffin-Bucht, liegt seither der Luftwaffenstützpunkt Thule und dient als universelle Eingreifbasis für vereinigte amerikanische Interessen in Europa. Natürlich bekam man es während des kalten Krieges mit der Angst zu tun, schließlich konnten die Sowjets jederzeit über das Eis hüpfen, um die paranoiden US-Truppen ihrer Handlungsbasis zu berauben und im schlimmsten Fall sogar für den Eigenbedarf zu nutzen. Ein stetes Damoklesschwert mit Radarantenne und Raketenhalterung erhob sich über die greisen Häupter der Flughafenbetreiber.

 

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Dienstag

11.11.2008

Noch mal Castor

Der Castor-Transport mit französischen Reaktorbrennstäben hat Gorleben erreicht und seine radioaktive Fracht im Salzstock hinterlegt. Mit etwa achtzig Stunden hat der Transport etwa anderthalb Tage länger gebraucht als geplant und wird somit die ursprünglich geplante Kostengrenze von 20 Millionen Euro locker sprengen. Die Demonstranten, die mit Sitzblockaden auf Straße und Schiene für reichliche Verzögerungen sorgten, gehen zufrieden nach Hause. Durch die aufwendigste Castor-Blockade seit Beginn der Einlagerung in Asse II haben sie ihrem Unmut Luft gemacht, dem Bestreben nach einer Welt ohne staatlich geförderte Radioaktivität Stimme verliehen. Tatsächlich scheint unser Regierungsapparat aus jener Lethargie erwacht zu sein, in die führende Unions-Politiker ihn durch den verschobenen Atomausstieg schickten.
 

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Dienstag

11.11.2008

Vom unrunden Apfel

Woran erkennt man, dass Deutschland Gründungsmitglied der Europäischen Union ist? Richtig, alles ist genormt. Das beginnt beim Toilettenpapier, setzt sich über Nahrungsmittel und deren Vertrieb fort, mit Seitenabstechern zu Autospiegelgrößen, Plakettengewicht, Briefformatierung, Kugelschreiberfüllung, bis hin zu Vorschriften zur Testdurchführung und Kommissariatsurlaubsplanung. So werden beispielsweise Obst und Gemüse in drei Klassen (Extra, I und II) eingeteilt, was sich weniger auf die geschmacklichen und chemischen Qualitäten der Frucht bezieht, als vielmehr auf die optischen Reize. Wenn nun Äpfel nicht sphärisch genug, Birnen zu rund, Melonen zu klein oder Haselnussschalen zu dick sind, werden sie deklassiert und landen schlimmstenfalls in der industriellen Verarbeitung oder auf dem Müll.
 

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Montag

10.11.2008

Castor kommt

Wenn an einem regnerischen Novemberwochenende tausende Menschen auf Bahngleisen herumlümmeln, kleine Hüttendörfer auf Bundesstraßen errichten, mit Bussen und Traktoren ganze Städte blockieren und Signalanlagen der Deutschen Bahn mit Brandbomben bewerfen, dann hat nicht etwa Tokyo Hotel mit einem Vorweihnachtskonzert gedroht oder Mehdorn neue Preissteigerungen angekündigt. Vielmehr geht der jährliche Castor-Transport wieder auf Deutschland-Tournee und wird in allen atomaren Ehren empfangen.
 

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Samstag

08.11.2008

Friede für Virunga - Teil 2

Das afrikanische Gipfeltreffen in Nairobi hat gestern die Beschwörung einer Friedensmission für den Ostkongo beschlossen. Zwar beinhalteten die Gespräche erwartungsgemäß auch die imperialistisch anmutenden wechselseitigen Schuldzuweisungen der Präsidenten der demokratischen Republik Kongo (DRC, Joseph Kibala) und Rwanda (Paul Kagame). Da jedoch weitere Nachbarstaaten, nebst internationalen Vermittlern wie Ban Ki Moon anwesend waren, gelang dennoch die Einigung über mehrere Beschlüsse zur Wiederherstellung des Friedens im Virunga-Gebiet. Ohne weitere Zeit für Vorwurfsreden zu vergeuden, stellte man sogleich aus dem Dunstkreis demokratischer Entwicklungsträger die beiden ehemaligen Regierungschefs Benjamin William Mkapa und Olusegun Obasanjo in den Mittelpunkt der Kongo-Friedensmission.
 

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Freitag

7.11.2008

Mission President - Agent Obama, übernehmen Sie

Guten Morgen Mr. Obama,
ihr Auftrag, falls sie ihn übernehmen sollten, ist es, den geistesgestörten Fundamentalisten George Bush vom Thron zu schubsen, sein Amt zu übernehmen und sämtlichen Schaden der durch seine Aktivitäten angerichtet wurde auf reversible Entwicklungsmöglichkeiten abzuklopfen. Das Ziel dieser Mission, George Walker Bush, wird zwar zeitnah aus dem Amt scheiden, jedoch verfügt er über mächtige internationale Verbindungen und hat weiterhin ein von Selbstsucht durchsetztes Parlament im Rücken, welches der Bush-Familie in ewiger finanzieller Treue ergeben ist. Der texanische Lobbyist wird daher nichts unversucht lassen, den politischen Widerstand zu ihrer Machtübernahme möglichst groß zu halten. Um ihnen dennoch reelle Siegeschancen einzuräumen, haben unsere Spezialisten ein Persönlichkeitsprofil erstellt.
 

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Dienstag

4.11.2008

La-La-La Lasst euch nicht verarschen !

Das Ministerium für Konsumentenbetrug und Wirtschafts-Vergötterung setzt spätestens seit Supernull Horst Seehofer voll auf die freiwillige Selbstkontrolle der Fleischwarenindustrie. Dass das alle paar Monate in die Hose geht stört anscheinend ebenso wenig wie der staatlich gestützte Betrug des Verbrauchers. Da interessiert es den Konsumenten wohl auch nicht weiter, wenn er das Fleisch dreifach bezahlt. Oder etwa doch?
 

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Montag

3.11.2008

Friede für Virunga

Der Virunga Nationalpark im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DRC) ist mit seinen Vulkanen und dichten Regenwäldern eine der beschaulichsten Regionen der Erde, was ihn bereits 1979 zum Weltkulturerbe der UNESCO machte. Leider liegt der Park auch im Grenzdreieck von DRC, Rwanda und Uganda, wodurch er gleichzeitig die meistumkämpfte Region der Erde stellt.
Für alle politisch unterinformierten Mitmenschen liste ich hier mal kurz die beteiligten Parteien auf. Und ja, ihr seid mit dabei!
 

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Samstag

1.11.2008

An der Nahrung gedreht

Es ist Samstag und Allerheiligen, welch glücklicher Umstand. Gedenken wir also aller Heiligen dieses verkorksten Planeten und beginnen mit der heiligen Missionierung menschlichen Gedankenguts. Was auf dem Spiel steht dürfte nach vergangener Berichterstattung über energy (r)evolution und Living Planet Report 2008 relativ klar sein, aber ich wiederhole es gern noch einmal: wir brauchen eine funktionierende Umwelt mehr als sie uns. Doch stirbt sie uns weg, schneller als jedes Klimamodell es berechnen könnte. Selbst bei stagnierender industrieller Entwicklung (was mit Blick gen Asien ziemlich utopisch ist) haben wir spätestens 2040 eine sehr karge und farblose Erde.
 

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Freitag

31.10.2008

Planlos im Steuerland

Zum Glück ist heute Reformationstag, da haben wir alle Zeit und zu entspannen, Taschentücher zu bügeln, die Ereignisse der letzten Tage zu rekapitulieren, Resident Evil 4 erneut durchzuspielen und die Aussagen der vergangenen Woche zu überdenken. Oh, katholisch geprägte Bundesländer erfahren da wohl eine kleine Benachteiligung. Hallo Fürth!
Da ich mit dem zocken immer warten muss bis die Sonne die Ostseite unseres Hauses verlassen hat und meine Taschentücher noch in der Wäsche sind, ist bei mir die Reihenfolge der Aktionen ziemlich determiniert.

 

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Donnerstag

30.10.2008

Raub und Mord - Teil 2

Wie wir am 18. Oktober bereits feststellten, wird die Arktis spätestens 2030 endlich eisfrei sein, wodurch ein komplettes Ökosystem verloren geht. Die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft werden bedeutend größer sein als der Furz von Rezession der momentan den Markt umschleicht. Niemand kann sagen wie schlimm es wirklich wird, aber es werden definitiv einige ökologische Prozesse ausfallen (Nahrungsnetz, Schlüsselart, Strömungssystem) und ohne ein gerichtetes Umdenken der verursachenden Bevölkerung (du und ich) ist keine Besserung zu erwarten. Wenn man nun ein Ökosystem von der Größe des Nordpolarmeeres vorsätzlich vernichtet, hat man schon ein gewaltiges Stück Schaden angerichtet, aber diese destruktive Kraft lässt sich, Industrialisierung sei Dank, noch überbieten.
 

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Mittwoch

29.10.2008

99.000 Luftballons

Korea ist nicht nur die Heimat der besten Starcraft-Spieler, sondern auch Schauplatz der imposantesten Trennungsaffäre seit dem Berliner Mauerbau. Nur wird hier nicht von Mauerschützen auf Republik-Flüchtlinge geschossen, sondern mit Haubitzen auf Dörfer. Seit letztem Jahr gibt es allerdings eine Feuerpause, weil sich die verfeindeten Staatsregime über eine gemeinsame Zukunft zu unterhalten begannen, wobei der ständige Lärm fliegenden Projektile, Raketen und Bomber als sehr lästig empfunden wurde. Wie das aber bei interregionalen Verhandlungen so ist, kam immer mal was dazwischen. Im Februar gebar Südkorea einen neuen Präsidenten, Lee Myung-bak, der sich leider noch nicht perfekt in seine Rolle als Friedensvermittler fügen konnte.
 

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Dienstag

28.10.2008

Vom Verlust dreier Amtsschimmel

Erwin Huber legt mit dem Ministerium für bayrische Finanzen ein weiteres Amt nieder und langsam frage ich mich, wie viele davon er noch in der Aktentasche hat. Wir rekapitulieren: 1978 kam er als Abgeordneter in den Bayrischen Landtag, 1988 auch noch in den Vorstand der CSU. Nach knapp zwanzig Jahren Herumschieberei wurde ihm durch Ministerpräsident Beckstein letztes Jahr der Posten des Staatministers für Finanzen zugetragen, was nach jüngeren Informationen etwas daneben ging. (Die Bayern-LB zieht mit 5,4 Milliarden Euro den vermutlich größten Anteil aus dem Finanzmarktstabilisierungsfond.) Naja, Erwin zog die Konsequenzen aus den pompösen Verlusten der Bayrischen Landesbank und kündigte diese Position unlängst auf.
 

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Dienstag

21.10.2008

Stichprobenstreuung

Zwar stufe ich mich nach völlig objektiver Selbsteinschätzung als mathematisches Genie ein, das Korrelationsparabeln im Kopf berechnet und den Wahrscheinlichkeitsfaktor zum Eisprung diverser nordsiamesischer Breitschwanzflusskrebse auf der Rückseite einer Serviette kalkuliert, jedoch fechte ich mit statistischen Betrachtungen seit jeher massive Konfliktsituationen aus. Zum Beispiel erdulden stochastische 9% aller Männer eine Rot-Grün-Sehschwäche, obwohl sich in meinem Bekanntenkreis kein einziger derart sehgestörter Mann tummelt. Gut, meine Stichprobengröße befragter Personen beträgt nur etwa 31, da kann schon mal jemand durchs Raster fallen.
 

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Samstag

18.10.2008

Hitzefrei

Die US-Klimabehörde (National Oceanic and Atmospheric Administration, NOAA) hat ihren neuen Bericht vorgelegt, nach dem die momentane arktische Temperatur etwa 5°C über ihrem herbstlichen Normalwert liegt. Laut aktuellen Klimamodellen und Expertenmeinungen des WWF führt dies zu einem vollständigen Abschmelzen der arktischen Eisdecke bis 2030, also noch bevor die meisten von uns das Rentenalter erreichen. Eine klimatische Überraschung die weltweit für Erstaunen sorgt.

Da spielen wir jetzt einfach mal Radprofi, stellen uns dumm und tun so als käme die Erkenntnis über schmelzende Polkappen völlig unerwartet. Also wohin damit? Erstmal Tatsachen abklopfen.

 

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Montag

6.10.2008

Richtig zählen zahlt sich aus

Dass zählen kein einfaches Geschäft ist, wissen nicht nur gescheiterte Banker und Broker. Auch der Bochumer Mathematikprofessor Lothar Gerritzen hat einen Missstand im Zahlenwerk festgestellt. Jener strebt seit einiger Zeit gar eine Revolutionierung des deutschen Zahlensystems an, da ihm unser über fünfhundert Jahre altes System etwas überholungsbedürftig erscheint. Das liegt an zweistelligen Zahlen wie sechsundsiebzig oder dreiundzwanzig. Bei einer 328 spricht man die Zahlen in der Reihenfolge 3-8-2, obwohl man sie 3-2-8 notiert. Dieser Zahlendreher plagt mich bereits seit der zweiten Klasse, zwingt er mich doch, die letzte Ziffer als vorletzte niederzuschreiben und umgekehrt.
 

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Mittwoch

1.10.2008

Arbeitssuchend und dennoch voll im Stress

Ab heute bin ich wieder als freie Ware auf dem Arbeitsmarkt verfügbar. Meine Anstellung im Dia-Express endete mit dem gestrigen Tag aus bereits besprochenen Gründen der mentalen Unterfütterung. Einerseits bin ich nun offen für jegliche Aktivitäten der kommerziellen Ideologien Dritter, andererseits stehe ich spontan in finanzieller Bedrängnis, weil ich fortan kein Gehalt mehr beziehe, was in der Situation nur folgerichtig ist. Zum Behufe der Einkommenssicherung sprach ich daher erneut bei der Agentur für Arbeit vor, schon um einen qualitativen Abgleich zur Ausbildung der dortigen Angestellten zu treffen.
 

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Dienstag

30.9.2008

Britischer Ungeheimdienst

Der britische Geheimdienst MI6, der jahrzehntelang seine eigene Identität leugnete, ist in den letzten zwölf Monaten mehrmals sehr öffentlich aufgetreten. Da wurden streng vertrauliche Aktenmappen in der Bahn vergessen, Daten-CDs an zivile Personen versand, ganze Festplatten gestohlen und geheime Informationen ins öffentliche Internet gestellt. Diese Slapstick-artige Serie komödiantischer Öffentlichkeitsarbeit setzt sich nun fort, denn ein 28-jähriger Mann hat neulich für etwa 21 Euro die Digitalkamera eines netten MI6-Mitarbeiters ersteigert. Bei Sichtung der selbigen fand er mehrere unter Verschluss stehende Fotos, darunter Portraits von Terrorverdächtigen und deren Fingerabdrücke. Für eine Behörde die noch vor drei Jahren ausschließlich auf der Kinoleinwand existieren durfte ist das ein sehr weiter Schritt in Richtung Publikum. Vielleicht möchte man das Bürgertum stärker in die Geschehnisse des königlichen Untergrunds einbinden?

Superagent 007 dürfte sich über derlei Gefälligkeiten sicher freuen, schließlich entfernt sich sein neues Image ebenfalls stark vom perfektionistischen Alleskönner der alten Schule. Wie viel Unterhaltungswert eine Verschwiegenheitsbehörde mit solchem Klamauk leisten kann, zeigt sich frühestens am 6. November, wenn James "Ein Quantum Trost" unter die königliche Bevölkerung streut. Bisherige Vorschauen stellen das Werk allerdings in den Bereich "Action", für Komödien ist wohl doch die Regierung zuständig.

 

=> 01.10.2008

Sonntag

28.9.2008

Todesstoss für CSU-Alleingang

Es ist vollbracht. Die CSU fährt bei der bayrischen Landtagswahl das schlechteste Ergebnis der letzten fünfzig Jahre ein. Vorläufiger Zwischenstand (vor Auslese der Briefstimmen) sind 43,5%. Die momentane Sitzverteilung äußert sich wie folgt: 87 CSU, 21 Freie Wähler, 16 FDP, 38 SPD und 18 für die Grünen. Die CSU hat damit sechs Sitze weniger als ihre gesamte Gegnerschaft, was bei entsprechender Gesprächsbereitschaft der Opposition zu einem Sturz der Christen führen könnte. Allerdings sind Grüne und Freie Wähler dermaßen unbeugsam, dass diese Idee im Wahlchaos versinkt. Nach einem halben Jahrhundert Alleinherrschaft wird die Christliche Sozialunion nun also eine Koalition erfinden müssen, um die politische Stabilität des Freistaates zu wahren. Die Verhandlungen diesbezüglich haben bereits begonnen und neigen sich sehr stark in Richtung der FDP, da die anderen Parteien zu viel Ehre und Stolz angestaut haben, als dass sie sich mit der ehemaligen Regentschaft anfreunden würden.

Ministerpräsident Beckstein und Parteivorsitzender Huber gaben sogleich jene historische Niederlage als Willen des Volkes bekannt und sicherten gleichwohl ihrem Land die volle Unterstützung für bevorstehende Unruhen zu. Die ist nämlich bitter nötig, nachdem vielerorts CSU-Fans und -Funktionäre weinend in ihren Kissen liegen. Wahlpartys versinken in Tränen, während in Berlin die Spitzen von SPD, FDP und Linke nacheinander auf ans Podium treten, lauthals Schadenfreude, Häme und Selbstherrlichkeit über die zerbrochene Macht Gottes im Landesparlament ergießend. Ungewohnt volksnah präsentieren sich Frank-Walter und Guido Westerwelle, aber heute ist eben Sonntag, da kann man auch mal Freude verbreiten. Feiern wir also noch ein wenig mit den deutschen Machern und Denkern, bevor morgen die große Koalition auf uns herniederfällt!

 

=> 30.9.2008

Samstag

20.9.2008

CSU zittert

Das ZDF-"Politbarometer" kam gestern nach Auswertung ihrer Umfrage unter willigen Zuschauern zu einem erschütternden Schluss: die CSU, die seit über vierzig Jahren (!) im Alleingang den bayrischen Freistatt regiert, fällt erstmalig wieder unter die 50%-Linie. Die christliche Sozialunion ist es gewohnt, ihre absolute Mehrheit ungeschützt zur Schau zu tragen und eigene Reformen kompromisslos durchzusetzen. Dieser Luxus könnte nun vorbei sein, denn in einer Woche, am 28 September, wählt das Bierzelt-Volk einen neuen Landtag. In sieben Tagen kann viel passieren, aber momentan liegt der Vorteil klar bei den Gegnern der CSU. So kommen SPD, Grüne, FDP und Freie Wähler zusammen bereits auf 45%, mit einer Tendenz zu steigenden Zahlen, während die CSU in letzter Zeit nur Verluste macht.
Einer der maßgeblichen Gründe ist wohl der hohe Kapitalverlust an das amerikanische Finanzwesen, zum Beispiel ist die bayrische Landesbank momentan mit gut 650 Millionen Euro bei den Lehman Brothers engagiert. Letztere ist eine Bank mit Absturzgarantie, hat sie doch am vergangenen Wochenende Konkurs angemeldet. Das Geld ist also futsch, genauso wie bereits zuvor im Frühling einige Millionen durch die ahnungslosen Weißwurst-Vernichter an das amerikanische System verfüttert wurden. Damals versprach CSU-Chef Huber, dass die Banken nun unter strengerer Kontrolle stünden und so ein zweites Etat-Debakel verhindert würde. War wohl gelogen.

Ein anderer Kritikpunkt an den bayrischen Patriarchen ist die nicht enden wollende Hasstirade gegen Computerspiele, die der ehemalige Innenminister und momentane Ministerpräsident Günther Beckstein aus Angst vor Versäumnisgeständnissen gegenüber der zu Gewalt und Desorientierung tendierenden Jugend begann, und die jetzt von seinem Nachfolger Joachim Hermann mit neuer Kraft und altem Ton fortgeführt wird. Jener spricht weiterhin von Medien die ihm kaum bekannt sind, Genres die er nie gespielt hat, Gewaltvorwürfen die er durch keinerlei Statistik belegen kann (und das will schon was heißen, schließlich kann man mit der richtigen Statistik so ziemlich alles beweisen) und stemmt sich mit aller ihm zugetragener Macht gegen die Veröffentlichung solcher Medien in seinem ruhigen kleinen Bundesland. Kurzum, Hermann tut alles, um seinem jämmerlichen Dasein einen politischen Sinn zu geben, ohne Rücksicht auf sein sozialpolitisches Umfeld.

In jedem Fall wird die CSU nun für ihren ignoranten Hochmut abgestraft, denn am kommenden Urnengang droht die Abstimmung des Volkes über ihre zukünftige Führerschaft zu Ungunsten der bisherigen Herrscher auszufallen. Es könnte der von Gamern lang ersehnte Sieg über das erkenntnisresistente Präkariat werden. Spieler aus ganz Deutschland blicken mit Spannung auf Bayern und sehnen ein Ende der haltlosen, durch Prestige motivierten Verfolgung ihres liebsten Hobbys entgegen.

 

=> 28.9.2008

Donnerstag

18.9.2008

Die Melamin-Methode

Chinesische Kapitalisten, die nach offizieller Berichterstattung eigentlich gar nicht existieren, haben in jüngerer Vergangenheit Melamin unter ihre Milchprodukte gemischt, um dem Verbraucher bei der Zubereitung einen höheren Fett- bzw. Proteingehalt vorzugaukeln. Das ist für sich genommen nicht so schlimm wie es auf den ersten Blick erscheinen mag, da Melamin ein Gift ist das bei der monatlichen Lebensmittelkontrolle auffällt wie ein Kanzler in der S-Bahn, folgerichtig Großalarm auslöst und demnach niemals den Handel erreichen sollte. Wie wir jedoch wissen, mahlen die Rädchen der Bürokratie im fernen Osten gänzlich anders als hier, sodass die toxische Milch unverändert an die Konsumenten abgegeben wurde. Die normalerweise in Harzen und anderen Kunststoffen verwendete Substanz führt zur Kristallbildung in der Niere, eine langfristige Einnahme zu Nierenversagen, teils auch zu Tumoren.

Aber jetzt kommt der Clou: die Welle der Lebensmittelvergiftungen startete nicht etwa letzte Woche sondern letztes Jahr und zog auch nicht ungesehen an den entsprechenden Behörden vorüber. Diese wussten seit mindestens zwei Monaten von der Panscherei ohne Gegenmaßnahmen überhaupt in Betracht zu ziehen. Erst mit dem ersten Säuglingstod begannen Informationen zu fließen. Nun stehen die Supermarktregale voll mit der Lebensverkürzenden Nahrung und über 53.000 Kleinkinder befinden sich Vergiftungs-bedingt in intensiver ärztlicher Behandlung, denn der Skandal betrifft hauptsächlich Babynahrung. Die entsprechenden Konsortien (etwa 21 Firmen) stehen unter verstärkter Beobachtung und wurden gebeten, ihre Produktpalette aus dem Handel zu nehmen.

Befremdlich ist indes die Reaktionskette die man derzeit von der Europäischen Union empfängt. Ungeachtet der bereits bröckelnden wirtschaftlichen Beziehungen zum Land der Leugner verbot die EU-Kommission die Einfuhr aller chinesischen Milchprodukte. Solange nur Tibeter umgebracht und radikale Birmesen militärisch unterstütz wurden, war alles ganz ordentlich, aber der direkte Angriff auf internationale Gesundheit scheint dann doch ein Kummerthema zu sein. Da könnte ja jeder kommen! Vergiften können wir uns immer noch selbst!
Als ganz besonders außerordentliche Konsequenz ist der Chef der staatlichen Qualitätskontrolle Li Changjing zurückgetreten. Ein cleverer Zug, schließlich hat sich der Personalaustausch bei bisherigen Skandalen stets bewährt. Das Signal unser chinesischen Freunde ist deutlich: Lasset uns die letale Vergangenheit vergessen und wieder mal von vorne beginnen!

 

=> 20.9.2008

Mittwoch

17.9.2008

Maßvolle Innenpolitik

Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein hat inzwischen sämtliche Oktoberfeste Deutschlands eröffnet, was Mitte September auch dringend notwendig ist. Das hat, glaube ich, mit der Sonnenwende und der schwankenden Exzentrizität der Erdachse zu tun. Schließlich dreht sich der Globus zunehmend langsamer, es wird früher dunkel und im August werden Weihnachtsmänner verkauft. Da muss das Oktoberfest eben nachziehen, will man die internationalen Gerstensaft-Fans nicht an den Weihnachtsmarkt verlieren.

Jedenfalls hat Beckstein nun wieder offene Freizeit, die er in den Wahlkampf investieren kann. Zum Thema Blutalkohol erklärte er unlängst bei einem gemütlich verkosteten Humpen in Erding: "Es ist nicht das Problem, wenn einer eine Maß trinkt oder, wenn er ein paar Stunden da ist, auch zwei... Eine anständige Maß werden wir nicht auf den Index stellen." Bei der Konsumgeschwindigkeit eines durchschnittlichen Wiesn-Besuchers sind das immerhin zwei Liter in zwei Stunden, was in 0,5 bis 1,2 Promille resultiert. Selbst wenn man berücksichtigt, dass in vielen Bierzelten mittlerweile kräftig betrogen wird und die Maß kaum noch 0,8 Liter umfasst, liefe das auf mindestens 0,4 Promille hinaus. Leider vergaß Beckstein die Polizei von seiner Neuregelung zu unterrichten, die zieht Verkehrsteilnehmer noch immer bei Promille-Werten oberhalb 0,3 von der Straße. Vielleicht bezieht sich der Bier-Präsident aber ausschließlich auf seine Landsleute, die sind ja etwas trinkfester als zum Beispiel Kanadier oder Deutsche.

Inwieweit dieses verkehrspolitische Konzept in Becksteins Gesamtbild passt, möchte ich gar nicht beurteilen. Ein wenig seltsam mutet es ja schon an. Ein Blutalkoholwert für den unser Gesetzbuch den Begriff "fahruntüchtig" benutzt, geht im Rahmen der Bierzelt-Gemütlichkeit als Abendvergnügen durch, während für Computerspiele mit Gewalt-Inhalten gefordert wird, sie "[...] sollten bei der Strafbewährung in der Größenordnung von Kinderpornografie eingeordnet werden, damit es spürbare Strafen gibt." Soso, Zocker gehören eingesperrt, Alkoholiker nicht! Andererseits fühle ich mich hinter Gittern wesentlich sicherer, wenn draußen betrunkene Autofahrer durch die Straßen geistern. Und wenn die Alkis sämtliche Alleebäume mit finalem Fahrzeugeinsatz begrüßt haben, lässt man uns, die Gewaltapostel, eh wieder raus. Wenn auch nur zum Zeltbesuch. Prosit!

 

=> 18.9.2008

Dienstag

16.9.2008

Gewaltenteilung

Nachdem der radikal-luxuriöse Anarchogreis Robert Mugabe nun über fünfundzwanzig Jahre lang ganz allein über Korruption und Sklaverei in Simbabwe geherrscht hat, kam es heute zu einer Einigung zwischen ihm und seinem parlamentarischen Herausforderer Morgan Tsvangirai. Mugabe hatte die demokratisch orientierten Anhänger seines Gegenspielers seit Jahresbeginn verfolgen, foltern und töten lassen und dennoch die ungeheimen Parlamentswahlen verloren. Nachdem die Partei Tsvangirais zwar insgesamt die Mehrheit errang, jedoch im Kampf um den Präsidentschafts-Posten knapp die absolute Mehrheit verfehlte und an den Folgewahlen aufgrund von enorm verstärkter Verfolgung durch den Polizeistaat nicht teilnehmen konnte, errang der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki nun einen finalen Durchbruch in der legislativen Frage des Jahres für den kleinen kontinentalen Staat Afrikas. Er hatte beide Kontrahenten unter den Augen der westlichen Welt zusammengeführt und beide zu Unterregungen gezwungen. Die rücksichtslose Verfolgung demokratischer Jünger ging natürlich weiter, sodass die Inflation zuletzt Spitzenwerte von 11,9 Millionen Prozent ergab. Auch dies kein Rekord über den sich die Einwohner Simbabwes freuen können.

Grund zur Glückseeligkeit gibt es jedoch durch den nun erzwungenen Kompromiss der Gewaltenteilung. Mugabe bleibt weiterhin Präsident von Simbabwe, Tsvangirai bekleidet unter seinem Regime hernach den Posten des Vizepräsidenten. Das allein ist freilich nicht viel wert, schließlich kann der runzlige Tyrann weiterhin seine Truppen befehligen und seinen Stellvertreter hin und wieder inhaftieren lassen. Im Kabinett zeigt sich jedoch ein weit positiveres Bild, darf die MDC doch exakt einen Ministerposten mehr besetzen als Mugabes ZANU-PF.
Der Schritt ist klein für ein Land das über dem Abgrund hängt, ohne Wirtschaft, Tourismus oder irgendwelche Strukturen die nach Stabilität aussehen. Es bleibt sehr viel zu tun und die ZANU-PF ist zu fixiert auf ihren eigenen Reichtum, als dass das simbabwische Volk zeitnah einen merklichen Aufschwung erfahren könnte. Die Umstellung ist von nahem betrachtet allerdings sehr groß, stellt man doch von einer faktischen Monarchie endlich auf basale Demokratie um. Was nun aus Simbabwe wird, lässt sich nicht vorhersagen, hoffen wir einfach mal auf das beste. Ohne Beobachtung geht es jedenfalls nicht, denn selbst zum abschließenden Händedruck musste Mbeki seinen griesgrämigen Kollegen mittels körperlicher Unterstützung zwingen. Die Hand Mugabes wollte sich partout nicht freiwillig in Richtung des Tsvangirai'schen Gegenstückes bewegen.

 

=> 17.9.2008

Sonntag

14.9.2008

Die Küchenprofis

In der kommenden Woche wird in unserem Haushalt eine neue Küche installiert. Zu jenem Anlass muss die momentane Einrichtung von ihrem angestammten Platz entfernt werden und die daraus resultierenden Schubladenfunde amüsieren mich wie es schon lange kein Haushaltsgegenstand mehr tat. Schließlich kommen zu diesem Anlass nicht nur die geschätzten sechzig Teller und Tassen ans Tageslicht, sondern auch echte Klassiker, wie die Zig-Zagge (ein altertümliches Gerät zur manuellen Zwiebelzerkleinerung), Essigfläschchen deren schwach hygroskopischer Inhalt fast schon wieder pH-neutral ist, Götterspeise mit Rezeptgutscheinen und Fertiggerichte aus dem letzten Jahrtausend. Wenn man so durch die Haltbarkeitsdaten blättert, liegen sie fast alle in der Vergangenheit. Was hierbei überrascht, ist jedoch nicht die Zeitlosigkeit jener Sägemehl-Zucker-Kombinationen, sondern vielmehr die unvergängliche Eleganz jener Verpackungen.
Ich habe eine ganze Weile gesucht, um vielleicht Tüten zu finden, deren Hersteller heute nicht mehr existent sind, wurde aber nicht durch Erfolg entlohnt. Statt dessen kann ich bestätigen, dass der Markt für Tütensuppen und Instant-Saucen heute von den gleichen Produzenten beherrscht wird, die bereits vor zwanzig Jahren an der Macht waren. Auch haben Knorr, Maggie oder Unox ihre Logos und Zutatenlisten nur marginal verändert. Die Fabriken sind also quasi Selbstläufer. Kurz nach dem Mauerbau gebaut, mischen sie noch im kommenden Jahrhundert geraspeltes Gammelfleisch und Gemüsehäcksel zu leicht verdaulichen und geschmacksneutralen Pulvern zusammen, die dann durch eine nicht enden wollende Liste von Emulgatoren den letzten Schliff, will sagen: ihr Aroma erhalten.

Einige dieser kulinarischen Gehässigkeiten begleiten unseren Haushalt nun schon seit der Wende und wurden demnach bereits zweimal im Zuge einer Kücheninventur gesichtet. Diesen Tüten wurde durch ihr Überdauern großes Glück zuteil und ich weiß nicht, ob ihnen das bewusst ist. Die meisten davon sind sogar so unansehnlich, dass sie unzweifelhaft unter der momentanen Regie dieser Küche keine Verwendung als Lebensmittel finden werden. Was mich wiederum fragen lässt, warum jene Mehlmischungen überhaupt erworben wurden. Welchem Zweck sollten sie dienen?
Vielleicht wird irgendein Historiker im kommenden Jahrhundert unsere lang verlassene Kochstelle finden und sich die gleiche Frage stellen. Er wird dann mittels einer fortgeschrittenen Radiokarbon-Datierung feststellen, dass das Alter der Einrichtung jenes der bunten Tütchen bei weitem übersteigt. Die Frage nach den gesellschaftlichen Zusammenhängen wird um die Welt gehen wie der Staub der Wüste Hessen und letztendlich wird man den Schluss fassen, dass die mit kryptischer alten Runen bedruckten Behältnisse Statussymbole der unteren Bevölkerungsschichten waren und so wird unsere Familie zu spätem, aber wohlverdientem Ruhm gelangen.
Ich freue mich jedenfalls auf die Zukunft. Schon wegen der neuen, verbesserten Emulgatoren.

 

=> 16.9.2008

Sonntag

7.9.2008

Der Kurt geht, Müntefering kommt

An diesem Wochenende tagte ein Sonderparteitag der SPD, mit dem bewegenden Thema Führungskraft im Sinne von Bundesregierung und Partei. Das Ergebnis ist für Kenner des Systems nicht gar so überraschend wie für unsere politische Elite. Unsere Sozialpartei zeigt hier tatsächlich einen Hang zum Selbsterhalt. Im selben Moment da Franz Müntefering den Saal zur Pressekonferenz betrat, verließ Parteichef Kurt Beck selbigen durch den Hinterausgang. Denn Kurti ist offiziell von seiner umstrittenen Prestige-Rolle zurückgetreten. Machtkampf und Dauerbeschuldigungen kreisen nun schon seit zwei Jahren um den hessischen Asympaten, die bundespolitische Niederlage ist demnach nur der letzte konsequente Schritt einer langen Kette von Diffamierungen. Kurti zählt in seinen zentralen Begründungen jedoch nicht die massiven Beleidigungen seiner sozialen Brüder auf, wohl auch um seinen besten Freund Frank-Walter nicht zu belasten, sondern schiebt heute mal alles auf innerparteiliche Spionage. Man habe gezielt streng geheime Informationen an die Presse weitergeleitet, um seine Position zu schwächen und seine unbestreitbaren Führungsqualitäten zu unterminieren. Kurt Beck verlässt daher die bundespolitische Bühne, ein großer Verlust für alle SPD-Gegner!

An seine Stelle tritt Franz Müntefering, der somit endlich von seiner Nebenrolle als trauernder Witwer erlöst ist. Nach eigener Aussage hat mit diesem Machtwechsel die Aufholjagd auf den Kanzlerthron begonnen. Was Franzl an Sympathie fehlt, macht er wohl durch Strategie und Volksnähe wieder wett, anders lässt sich seine offene Zuversicht nicht erklären, eine Partei zu retten die unlängst in freiem Fall auf 20% Umfragenwert absackte.
Apropos Kanzler, der charismatische Kandidat für den wichtigsten Posten dieser Bundesrepublik auf Seiten der SPD ist der internationale Würdenträger Frank-Walter Steinmeier. Als Außenminister gewachsen, stellt er sich nun wieder einer innerpolitischen Angelegenheit, die seine Prioritätenliste bis zum Wahlgang gehörig erschüttern dürfte. Aber wenn Frank-Walter nicht mehr über die Weltordnung wacht, wer rettet dann den Kaukasus? Wer befriedet Afghanistan? Wer schleimt sich durch das chinesische Propaganda-Proletariat? Und wer rettet uns vor dem gemeingefährlichen Dalai Lama? Vielleicht kann Altkanzler Gerhard Schröder eine jener Pflichten übernehmen, der war ja auch schon längere Zeit nicht mehr am Tagesgeschehen beteiligt. Eigentlich hätte ich vermutet, dass Gerd beim planlosen Herumwühlen nach Kanzlerkandidaten noch vor Müntefering aus der Grabbelkiste stürzt. Man kann eben nicht alles haben!

Zusammenfassend lässt sich verkünden, dass die Bundestagswahlen 2009 heute ein ganzes Stück interessanter geworden sind, denn inzwischen ist wieder völlig offen, von wem sich das Volk lieber betrügen lässt. Ein Toast auf Kurti, den dahinscheidenden Oberclown. Willkommen Franzl, in einer Welt ohne Gnade, aber mit ganz ganz viel Ignoranz!

 

=> 14.9.2008

Dienstag

3.9.2008

Datenverramschung

Nachdem bereits mehrmals offen gelegt wurde, wie Scheckkartenbetrüger unsere privaten Kontodaten rauben, um dann aus dem sozialistischen Ausland heraus jene Konten zu erleichtern, ist die Bundesstaatsanwaltschaft nun auch dahinter gekommen, dass ebenso mit allen anderen personenbezogenen Angaben ein blühender Handel ganz Europa durchzieht. Ganze DVDs mit Adressen, Telefon- und Kontonummern, Körpermaßen, Lebenslauf, Freundesliste, Schlafenszeiten, Lieblingssocken und sonstigen Fakten lassen sich aus dubiosen Quellen des kriminellen Untergrunds problemlos beziehen. So wundert es auch nicht, dass mich wöchentlich Anrufe der Firma WinTip 24 ereilen, die mit meiner bereits vorinstallierten Kontonummer winkend meine opulente Gewinnbeteiligung der kommenden Monate absichern wollen; innerhalb von Aktionen derer Existenz ich am Telefon zwar erstmalig gewahr werde, an denen ich jedoch laut Anruferaussage bereits seit Jahren teilnehme.

Zum Schutzbehufe des einfachen Volkes plant der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar nun ein Gesetz zu erlassen, das die Datenweitergabe nur dann gestattet, wenn der Verbraucher dem ausdrücklich, zum Beispiel durch Leistung einer separaten Unterschrift, zustimmt. Missbrauch unserer gutgläubig ausgefüllten Bestellscheine, Gewinnspielpostkarten oder Online-Registrierungen soll somit weitgehend verhindert werden. Nun bin ich ja als naiver Ossi aus dem Tal der Ahnungslosen bislang davon ausgegangen, dass der Wiederverkauf persönlicher Datensätze ohnehin verboten wäre. Welch dumme Idee! Datenhandel ist offenbar ein ganz legales Geschäft und der Verbraucher hat vorerst keinerlei Schutz vor unbekannten Dritten, die ihm an die Geldbörse wollen.
Doch fürchtet nicht tapfere Bürger! Schaar schreitet zur Rettung und will noch in dieser Wahlperiode einen entsprechenden Gesetzentwurf vorlegen, der dann die Persönlichkeit des Einzelnen beschützt.

 

=> 7.9.2008

Dienstag

2.9.2008

Willkommen bei Wissenschaft und Technik

O weh! Kaum mischen Wissenschaftler sich in politische Themen ein, gibt es schon Krach. Zwei Wirtschaftswissenschaftler aus Chemnitz sind in ihrer Studie zu dem verhängnisvollen Schluss gekommen, dass zum Überleben eines gewöhnlichen Menschen in der BRD ein Monatssatz von 132 Euro bereits ausreichen würde. Was mich persönlich nicht weiter schockiert, da der Staat ohnehin sämtliche Wohnkosten seiner Sozialhilfe-Empfänger und anderer sozialer Schmarotzer übernimmt. Im Tagesmittel wären das also 4,40 Euro. Kein kleiner Reichtum, aber laut Expertenmeinung für eine gesunde Ernährung ausreichend. Durchschnittliche Hartz-IV- oder Sozialhilfe-Empfänger häten sich hier durchaus in ihrer Freiheit beschnitten fühlen können, deckt jener Ertrag doch nicht einmal die täglichen Kosten für Tabak und Alkohol, ein Muss für degenerierte Abstauber! Zum Glück sind jene Probanten des Lesens zumeist nicht mächtig und haben daher bislang keine Kenntnis vom sächsischen Forschungsbericht.

Irgendwie sind dann leider führende Sozialpolitiker in Besitz dieses erschütternden Erkenntnisreports gelangt, haben sich ungefragt Gedanken gemacht und zeigen nun trotz frisch gesteigerter Diäten einen stark erhöhten Blutdruck. Selbst Merkel wurde spontan aus ihrem Dienstkämmerlein gerissen, vor die Kamera gezerrt und verkündete alsdann ein öffentliches Dementi an Steuerzahler und Steuervernichter. Die Koalition hätte nicht die Absicht soziale Leistungen zu kürzen, jedenfalls nicht heute; so lauteten die großen Worte der kleinen Frau. Was sie wert sind, erfahren wir sowieso erst im nächsten Jahr.
Die umstrittenen Autoren legten zwangsläufig ein eigenes Statement hinterher, in dem sie ihre politische Neutralität beteuern. Sie seinen schließlich Forscher und hätten daher keine Ambitionen den deutschen Sozialhaushalt mitbestimmen zu wollen. So sind wir Wissenschaftler: neutral, wissbegierig, hilfsbereit und stets vollkommen missverstanden. Auf Lebenszeit.

 

=> 3.9.2008

Donnerstag

21.8.2008

GC 2008

3:05 Uhr
Papi weckt mich aus traumlosem Schlummer. Ich habe kaum fünf Stunden geschlafen, ein Defizit, das sich jetzt schon über mehrere Tage so hinzieht. Allerdings kann ich heute nicht tagsüber schlafen, wie ich es sonst am Arbeitsplatz immer mache. Denn heute fahre ich zur Games Convention in Leipzig. Ich bin sehr aufgeregt, gerade da dies meine erste GC ist. Gut, dass ich bei meinen Eltern wohne, da macht Papi für mich Frühstück, während ich mich auf einen letzten Check meiner Ausrüstung konzentriere. Spiegelreflexkamera, Digitalkamera für Schnappschüsse, 2 Liter Getränk gegen den Durst, ein Nintendo DS, mehrere Gamer-Zeitschriften und natürlich einige Kilo Nahrungsmittel sollen mich des Tages beschäftigen.

4:15 Uhr
Ankunft am Bahnhof. Ich fahre mit dem Zug und habe dafür im Voraus genau 58 Euro bezahlt, ein "Dauerspezial"-Angeot der deutschen Bahn. Dagegen erscheint der Eintrittspreis zur GC mit 8,50 € geradezu lachhaft. Ohne Spezial hätte ich übrigens etwa 80 € bezahlt.
Auf dem Bahnhofsgelände sammeln sich indes die ersten Gruppen lautstarker türkischstämmiger Kids, werfen ihre BeatBox an und motzen sich gegenseitig mit unverständlichen Flüchen an. Mein Regionalexpress ist glücklicherweise pünktlich, sodass ich dieser Gruppenaktivität nicht lange beiwohnen muss.

5:11 Uhr
Ankunft Berlin Hauptbahnhof. Bis zur Abfahrt meines ICEs bleibt mir eine Dreiviertelstunde, was viel Zeit zum Wandern bietet. Außer mir befinden sich noch gut 30 weitere Personen im Gebäude, wobei ein Drittel aus Pennern und Obdachlosen besteht. Welch nettes Refugium!

5:49 Uhr
Der ICE 1605 über Bitterfeld fährt heute abweichend auf Gleis 1 ein. Also noch mal Treppen von Gleis 4 hinaufsteigen und zum anderen Bahnsteig hinübertapern. Die letzten zwei Wagons sind indes tot und werden wohl bis München einfach mitgeschliffen werden. Schön, wie bei der Deutschen Bahn mal wieder fast alles nach Plan verläuft!
Ach ja, die Reservierungsanzeiger funktionieren ebenfalls suboptimal. Sie zeigen allesamt "gegebenenfalls Reserviert". Eine auf Deutsch und Englisch jeweils einmal wiederholte Durchsage weist uns Mitfahrer darauf hin, dass der Bordcomputer sich heute morgen nicht befähigt sah, Reservierungsdaten einzulesen. Wir werden daher gebeten, Kunden mit Platzkarten gegebenenfalls zu weichen. Ich freue mich im Stillen, dass ich nie Platzkarten reservieren lasse.

5:55 Uhr
In Berlin Südkreuz steigen weitere Fahrgäste zu und die Sprecherin wiederholt noch einmal, was bereits alle zur Genüge wissen: Reservierung stinkt! Langsam ist es aber auch gut mit den bekannten Ansagen. Das Bordpersonal scheint unsere Unmut über die ständige Wiederholung zu spüren und gibt uns jetzt dezente Hinweise zur Bahn-Bistro. "Haben sie heute schon gefrühstückt", wird von einer Angestellten gestenreich unterstrichen, indem sie uns Faltkärtchen mit dem aktuellen Frühstücksangebot auf die Plätze bringt. Eine Kaffee servierende Stewardess gibt es heute aber nicht.

7:16 Uhr
Nach der Ankunft im Bahnhof Messe Leipzig besteige ich den Linienbus in Richtung Messegelände, der mich die verbleibenden 600 m transportiert. Dort herrscht vorerst noch kein großer Andrang, denn die GC eröffnet erst um 9 Uhr. Neben mir hängen nur rund 80 weitere Verrückte vor den Toren herum.
Am Bändchenpoint kann sich jeder Besucher ein Papierbändchen an den Arm kleben lassen. Das dient dem Jugendschutz und wird in drei Farben verteilt. Gelb für USk 12, blau für USK 16 und rot für USK 18. Trotzdem man mich schwerlich für noch nicht erwachsen halten kann, lasse ich mir ein blutrotes Papierchen neben die Armbanduhr kleben. Man kann ja nie wissen… Anschließend lese noch ein wenig und stelle mich dann mit den anderen Gamern artig an.

8:30 Uhr
Die Drehkreuze zum Einlass gen Spielebereich bewegen sich, eine gute halbe Stunde vor Eröffnungszeit. Voll Freude jogge ich in Richtung der Halle 5, vor Spannung und Spielvorfreude bebend. Keine dreißig Sekunden später stehe ich vor dem Einlass zur Halle und erblicke unschönes: Vorerst gibt es noch keine Action, erst mal wird weiter angestanden, denn der Zugang wird prüde durch Aufpasser blockiert.

8:59 Uhr
Endlich geht es los, tausende Gamer stürmen die Flure entlang in die Halle 5, dem offiziellen Mecka für Core Gamer. Nach kurzem Herumstreunen entdecke ich den Blizzardstand und Bethesdas Bunker 101, eine gute Gelegenheit für mich, noch ein paar Messefotos von den Babes und Oxmox-Figuren zu schießen, ohne lästige Besucher im Bild zu haben. Vor Vault 101 stehen derzeit nur Pressefussis und es sieht nicht so aus, als würde man hier zeitnah gewöhnliche Besucher einlassen. Skandalös!

9:19 Uhr
Seit zehn Minuten stehe ich bei Blizzard herum und schaue Trailer zu Starcraft 2 und World of Warcraft. Ein Offizieller teilt mir mit, dass die Wartezeit zum Probespiel wohl etwa eine Stunde beträgt und ich überlege ganz kurz, ob ich mich lieber woanders anstelle. Aber nein, ich will Zerg und Protoss zerbretzeln. Also wird weiterhin Video und Gameplay geschaut. Obwohl einige der Zocker echte Noob-Talente zeigen, ist das Spiel an sich recht ansehnlich. In vier Reihen á acht Rechnern kann man Starcraft 2 Probe spielen, entweder gegen die CPU oder in zufällig ausgelosten 1on1-Duellen. Die meisten wählen letzteres. Auf den WoW-Servern darf man die neuen Spieleinhalte an vorgefertigten Charakteren und vor allem den Dark Knight antesten. Nach 20 Minuten wird dann die Zockermannschaft ausgetauscht. Währendessen laufen die Offiziellen umher und passen panisch auf, dass auch ja niemand irgendwelche Stör- oder Sendegeräte benutzt.

10:01 Uhr
Nach zweimaligem Aufrücken darf ich mitspielen. Das rockt! Ich fühle mich sofort heimisch, nur die Medics kann ich nicht sofort ausbilden, da ich das hierfür erforderliche Gebäude partout nicht finden kann. Daher stürme ich den befeindeten Zerg mit einer Gruppe Space Marines und drei Feuerfressern. Die Drohnen und ein paar Zerglinge vernichte ich ohne großen Widerstand. Doch dann reißt ein unterirdischer Stachel meine Truppen auseinander. Einer der vielen Tentakel auf dem Schleim der Eckelrasse muss eine Tiefenkolonie sein. Verdammt, es sah alles so gut aus!
Nach weiteren acht Minuten habe ich meine ersten Belagerungspanzer und stürze meine Marines mitsamt Feuerfressern und Medic-Unterstützung in die Schlacht. Stirb Zerg, Stirb!
DRAW
Neeeeiinnn!!!! Ich hatte doch fast gewonnen. Leider setzt der Timer ein Reset an, nach einer Viertelstunde ist das Spiel aus. Vielleicht brauchen die Rechner diesen Reset, um nicht abzustürzen. Bei WoW sind indes die Server down. Was zuerst wie ein MMORPG-running-gag aussieht, erweist sich eine Minute später als ernstes Problem. Die WoW-Mannschft muss noch etwas warten, bis sie Dunkler Ritter spielen kann.
Zum Abschied überreicht mir ein Blizzard-Mitarbeiter einen kleinen Stickerbogen und einen Probebooster des WoW-Trading-Card-Games.

10:25 Uhr
Die Warteschlangen für Blizzard-Games reichen fast einmal um den Stand herum, die Wartezeit beträgt nun um die zwei Stunden. Ich schlendere jetzt erst einmal wild durch die Hallen, schieße Fotos, schaue Babes hinterher, erquicke mich an richtig genialen Grafikpräsentationen wie Call of Duty oder Warhammer Online, grabbe etwas Zeug, schaue Messe-Babes und entdecke, dass Halle 5 die mit Abstand aufregendste Erfahrung für echte Zocker bietet.

11:21 Uhr
Irgendwie bin ich in Halle 1, Pressebereich, gelandet. Ich habe zwar überhaupt keinen Zugang zu diesem Bereich, aber vermutlich mache ich einen so dermaßen imposanten Eindruck, dass man mich einfach überall hin durchlassen muss. Viel zu sehen gibt es aber nicht, hier wird tatsächlich noch stärker gemauert als im öffentlichen Präsentationen. Eigentlich gibt es nur lange helle Wände mit großen Logos. Dann und wann erblickt man einen Eingang, der dann durch einen Wächter blockiert wird, der streng nach Termin, Personaldokument und Krankenakte fragt. Also schaue ich einfach noch ein bisschen wichtig drein und klaube unterwegs ein Witcher-Poster auf. Später werde ich mir vermutlich ein Loch in den Schuh ärgern, weil ich nur eines mitnahm.

12:40 Uhr
Ich kaufe ein Handvoll Lose für einen guten Zweck und gewinne ein Kakuro-Buch plus einen Plüschleoparden. Ein wirklich knuffiges Tier, zum Verschenken fast schon zu schade.
Nebenan bestelle ich ein Probeabo der com! mit DVD und darf dafür kurz am Glücksrad drehen. Mein Gewinn besteht aus Steuersparer 2008, bestimmt ein sehr aufregendes Programm.

13:00 Uhr
Die erste Show der PC Action beginnt. Ich bin wieder in Halle 5 und schaue zu, wie Ralle Wollner, Jo Hesse und Michi Grill unter viel Lärm mehrere Preise in die Menge bringen. Die Wettbewerbe der Stunde werden im Headbanging und Stagediving ausgetragen. Ferner gibt es ein erotisches Bananen-Essen der Zockerweibchen.

13:34 Uhr
Ohne große Überraschung oder Enttäuschung verlasse ich den Computec-Stand, denn gerade baut sich die Schlange vor Vault 101 erneut auf. Das Vault-Girl teilte vorhin eigentlich mit, dass die nächste Führung erst gegen zwei Uhr erfolgen würde, aber hier muss man wohl früh aufstehen, um den Wurm überhaupt sehen zu dürfen.

13:59 Uhr
Man lässt uns ein. Den Bunkerbewohnern steht die Panik ins Gesicht geschrieben, als sie meine Kameraausstattung erblicken und sie bitten mich, selbige schnell zu verstauen. Sämtliche Aufnahmen audiovisueller Natur sind strengstens untersagt.
An einer Bunkerwand darf ich mich mit weißer Kreide verewigen. Durch das coole Schwarzlicht, leuchten die weißen Kritzeleien der unzähligen Besucher hell auf. Im angrenzenden Gang sind einige Stücke sehr alter Technik ausgestellt. Geigerzähler, Kamera, Schallplattespieler und weitere Messgeräte geben eine nette Einstimmung auf die retrospektive postapokalyptische Welt, in die wir gleich eintreten werden.

Der Vorführraum ist brechend voll, da sich einige Pressefuzzis hineindrängeln mussten. Die konnten nämlich nicht nur gestern exklusiv alles und jeden bestaunen, sondern erhalten auch heute exklusive Vorrechte. Zumindest bei Bethesda Softworks, Blizzard hat heute alle Vordrängler, und seinen sie noch so wichtig, einfach in die Wareteschlange zurück geschubst.
Präsentiert wird Fallot 3 auf der Xbox 360, die PC-Fassung war wohl zu unfertig oder zu aufwendig oder zu instabil, wer weiß?! Die Grafik ist soweit toll, nur halt etwas Detailarm. Der Charakter ist indes etwas überfüttert. Er steckt irre viel ein und verteilt nur kritische Treffer. Man hat also nicht vor, uns das tatsächliche Spiel zu zeigen. Der PipBoy 3000 ist so kultig wie eh und jeh, stellt für die Konsoleros aber auch die einzige Möglichkeit, die Waffen zu wechseln. Natürlich werden auch alle rollenspieltypischen Statistiken und Fähigkeiten angezeigt. Der Präsentator weist ausdrücklich auf seine Spezialisierung "Bloody Mess" hin, eine Fertigkeit die Fallout-Zocker natürlich nicht missen wollen, sterben Gegner hiermit doch eines besonders gewaltsamen Todes. Fallout 3 lässt sich als Action- oder Rundenbasierter Shooter spielen. Der Vorführer greift zumeist auf den Rundenmodus zurück, denn sein Treffer-Skill ist Konsolen-bedingt sehr gering. Ich vermute ja, dass man auf dem PC fast gänzlich auf die Rollenspielelemente verzichten kann, weil die Maus-Steuerung dann echtes Zielen ermöglicht.
Nebenher übersetzt eine motivierte Sprecherin alle Sätze die der Präsentierende in seinem amerikanischen Englisch so von sich gibt, was gerade während der brutaleren Szenen recht amüsant klingt. Die vielen kritischen Treffer sorgen für zerplatzende Körper, fliegende Köpfe, rot gefärbte Körperteile und Aschehäuflein (Plasmagewehr!). Ein USK16 wird man so vermutlich nicht ganz erreichen.
Zum Abschied und als Dank an alle Bunkerbesucher gibt es für jeden entkontaminiertes Wasser und ein Fallout-3-Shirt. Für mich, trotz Konsolenlast die coolste Präsentation des Tages. Bloody Mess!!!

14:24 Uhr
Der Gothic-Stand von Jowood ist nun endlich eröffnet. Von den 16 Rechnern sind ganze vier fürs Probespielen von Gothic 3 - Götterdämmerung freigegeben. Das Rollenspiel-AddOn läuft trotz aufgemotzten Präsentationsrechnern mit QuadCore-CPU und Highend-Grafikkarten bei mittlerer Sichtweite manchmal recht ruckelig. Hier wurde wieder einmal in die Zukunft investiert. Damit man auch in zwei Jahren mit den neuesten PCs noch neue Spielerlebnisse in Gothic sammeln kann. Von Gothic 4 gibt es indes nur den Trailer zu sehen.
Bei Computec ist inzwischen die N-Zone-Redaktion zu Werke und spielt mit der Fangemeinde Smash Brothers Brawl und Mario Kart Wii. Die Redakteure müssen ganz schön rudern, um sich von den Knirpsen nicht unterbuttern zu lassen, die haben nämlich reichlich trainiert und schenken sich hier nix. Erst unter drohender Gehaltskürzung kann Christoph seinen Baby Mario als knapp erster Fahrer ins Ziel bringen.

15:00 Uhr
Die beiden Könige von PC-Action.de Chris und Lucasz besteigen die Computec-Showbühne und werfen Spiele unters Volk. Als echter PCA-Fan werde ich von Lukacz als lautester Rufer seiner Seite nominiert und darf ich mich live auf der Bühne zum Affen machen. Beim Schnick-Schnack-Schnuck gegen einen Kontrahenten der Chris-Seite gewinne ich souverän und erhalte eine El-Matador-Figur, den Shotgun-Priester. Es werden weiter Spiele und Figuren ins Volk gestreut, die Gamer schreien sich ihre Stimmbänder krank und einer knickt mein einzelnes Witcher-Plakat. Wenn ich den Arsch erwische…

16:04 Uhr
Ich ziehe in die VIP-Longe von Computec ein und da Christoph seit nunmehr einer Stunde mit denselben Typen innig quatscht, wende ich mich meinen Online-Helden Chris und Lukasz zu. Die beiden sind überraschend cool drauf und viel weniger provokant als sie sich in ihren Texten immer darstellen. Ein kurzes Gespräch und zwei Autogramme später ziehen die beiden auch schon wieder dem nächsten Termin entgegen.

16:39 Uhr
Christoph hat endlich kurz Zeit, mein Heft zu signieren, die anderen N-Zone-Redakteure glänzen weiterhin durch Abwesenheit. Florian erscheint für etwa eine halbe Minute und verkrümelt sich wieder, bevor ihm jemand neuerlich Aufträge zuteilen kann. Einzig Katharina kann mehrere Augenblicke erübrigen. Etwa eine Viertelstunde quatscht sie mit mir über ihre neue Liebe, die Xbox 360, die entsetzliche Casual-Welle und wie die Wii kaum noch durch wirklich gute Spiele bedient wird. Und da wird sie auch schon abkommandiert, zum Schiessen von Babes-Bildern. Wer sich solche Scherze ausdenkt, bleibt unklar, jedenfalls verlässt Katharina mich, um Fotos von hübschen jungen Frauen zu machen. Eigentlich kann sie sich dafür auch selbst fotografieren, aber beim Vorstand wird das wohl eher ungern durchgehen.

17:29 Uhr
Ich betrete noch mal den Bunker 101, verewige mich an der Leuchtschriftwand und setze mich in die ganz leicht überfüllte Präsentation, die letzte des Tages. Die Übersetzerin ist inzwischen schon etwas unmotivierter und übersetzt teilweise eher schleppend. Der Vorspieler splattert sich jedoch weiterhin sehr fröhlich durch die postapokalyptische Umgebung.

18:09 Uhr
Nach mehrmaliger Aufforderung beschließe ich, die GC für dieses Jahr zu räumen. Babes, Games, es war schön mit euch! Hoffentlich sehen wir uns nächstes Jahr wieder.

18: 48 Uhr
Mit nur zehnminütiger Verspätung verlasse ich die Messe im völlig überfüllten, stickigen Regionalexpress. (Wie viele Gamer passen in einen Zug?) Aber wir Zocker sind sowohl Anblick als auch Geruch unserer Brüder und Schwestern gewohnt und fügen uns in dieses Schicksal.

18:59 Uhr
Ich stelle mich am Servicepoint der Deutschen Bahn an, um mir die obligatorische Verspätung schriftlich bestätigen zu lassen. Die zwei Schlangen an den drei Schaltern sind verhältnismäßig kurz, wodurch ich bereits nach einer Viertelstunde meinen Stempel bekomme. Ohne diese Formalität wäre mein Fahrschein mit Zugbindung leider ungültig, ein Umstand den Bahnkunden bei der Wahl ihres Verkehrsmittels stets berücksichtigen sollten.

22:56 Uhr
Bin wieder daheim angekommen und ordne vor der Nachtruhe noch schnell meinen Loot. Da hätten wir also ein leicht geknicktes Witcher-Poster, ein Kakuro-Buch, diverse Security-Trial-CDs, der erste WoW-Comic, mehrere Computec-Autogramme, eine Com! mit DVD, ein plüschiger Leopard und der Priester aus "El Matador" als Schreibtisch-Einstaube. Hinzu kommen die Bilder, die Eindrücke, das vergängliche Spielegefühl und die Vorfreude auf nächstes Jahr. Hat sich ja doch gelohnt. Gute Nacht!

 

=> 4.9.2008

Mittwoch

18.8.2008

Glaubenskrise

Ich bin heute nach neuntägigem Urlaub wieder um fünf Uhr geweckt worden. Nach einer Woche der Freuden fällt es schwer, sich so früh aus der Schlafstatt zu erheben, besonders wenn der Tagesablauf so dermaßen wenig Spaß erahnen lässt. Ich lag also noch gut zwei Minuten herum und fragte mich was mich in früheren Tagen dazu motivieren konnte, zeitig aufzustehen und gewissenhaft meine stumpfsinnige Arbeit zu verrichten. Die Antwort, so simpel sie sein mag, ist erschreckend: früher hat die bezahlte Tätigkeit mir Freude bereitet.

Zu Studienzeiten war ohnehin alles besser, denn ich war körperlich und mental ausgelastet. Die Gymnasialzeit war sowieso noch sehr viel besser, denn ich ging viel mehr Aktivitäten innerhalb eines viel größeren Kollegiums nach. Jetzt bin ich achtundzwanzig und erschrecke täglich, wie geschwind das Leben an mir vorüberzieht, ohne auch nur ein freundliches Wort für mich zu erübrigen. Milionen anderer Menschen werden für ihr persönliches Vergnügen bezahlt, meist sogar wesentlich besser als ich. Fürs Zocken (Pro-Gamer), fürs Wippen im Polstersessel (Bahnvorstand), für den körperlich motivierten Orgasmus (Prostituierte), für die Verbreitung von Hass (Prediger), für gehobenen Drogenkonsum (Sozialhilfeempfänger), fürs Töten (Metzger), fürs Herumgammeln und Schlafen (Bundeswehrsoldat), für die Verbreitung von Lügen (Springer-Journalist), für deren Klarstellung (GEO-Journalist), fürs Verreisen (Stewardess), fürs Essen (Koch), fürs sinnfreie Herumscheuchen Untergebener (Bundeswehrausbilder), für die Zerstörung zuvor hochgesteckter Erwartungen (Gigolo), für dumme Beleidigungen (TV-Entertainer) oder für amtliches Schimmeln (Amtsschimmel). Ich hingegen muss täglich niedere Arbeiten verrichten, die meine geistigen Kapazitäten nachhaltig reduzieren und von meiner Person gerade soviel Einsatz erfordern, dass ich nicht während des geschäftlichen Treibens sanft entschlummere. Und manchmal gelingt mir nicht einmal das.

Der einzige Grund diesen lahmen Arbeitsplatz zu erhalten, ist die Bezahlung und auch dieser finanzielle Sockel ist nicht gerade üppig. Deshalb hält mich dieser Platz zwischen den Dias nur noch maximal bis Ende September. Dann läuft mein Bahnticket aus und ich stehe voraussichtlich vor dem großen Monotonie-gestützten Synapsenkollaps. Blöd ist, dass ich dann eine alternative Quelle des Zahlungsmittel-Erwerbs finden muss. Nach bisheriger Erfahrung gestaltet sich dies trotz vehementer Überqualifikation relativ schwierig, aber letztendlich sind es Sorgen für morgen. Bis dahin lässt sich mein Glaube an Kapitalismus und Volksverdummung vielleicht wieder herstellen.
 

=> 21.8.2008

Mittwoch

30.7.2008

Milchmafia im Doppelpack

Die Milchmafia Deutschland hat jetzt mehrere Monate diskutiert und beraten, verhandelt und kalkuliert, und ist nun ob ihrer grenzenlosen Mildtätigkeit zu dem Schluss gekommen, dass von den 10ct, die Lidl, Aldi und Co. je Liter Milch hinzu bezahlen wollen, ganze ein bis zwei Cent an die Bauern weiterzureichen. Für die Milchbauern geht ein ökonomischer Traum Erfüllung, sie fühlen sich bereichert und ernst genommen.
Berechnet auf jeweils einen Liter H-Milch bezahlt der Verbraucher 7ct mehr an den Discounter als früher. Dieser gibt ganze 10ct mehr an die Molkerei ab, reduziert also seinen eigenen Profit um 3ct. Die Molkerei wiederum gibt 2ct an den Erzeuger ab, was nach Abzug der Steuern einen Reingewinn zwischen sechs und sieben Cent zu Gunsten der Molkereien ausmacht. Anstatt jedoch auf die Knie zu fallen und für diese Großzügigkeit zu danken, jammern die Agrarökonomen wieder nur herum. Angeblich bräuchten sie für eine wirtschaftsfähige Milchproduktion mindestens 40 Cent je Liter, momentan sind es eher um die 33 Cent. Da wird wohl noch mal nachverhandelt.

Onkel Seehofer kümmert sich indes um weiter in der Zukunft liegende Problemschwerpunkte. Ihn beschäftigt die im Jahr 2015 fallende Milchquote, eine Regelung der EU, die durch Produktionsbeschränkung unmittelbaren Druck auf die Preisstabilität von Milchprodukten ausübt. Wenn in sieben Jahren der europäische Markt geöffnet wird, kann jeder Agrarbetrieb so viel Milch verschleudern wie er will, was in einem offenen Preiskampf resultieren wird. Vermutlich werden dann Milch, Butter und Käse zu Dumpingpreisen verramscht und wer das billigste Angebot macht, gewinnt. Also ähnlich wie heute, nur eben noch weniger kontrolliert.
Herr Seehofer schreitet bereits heute zur Rettung. Er fordert einen Fond, der mit 300 Millionen Euro aus Mitteln der Europäischen Union einen finanziellen Rückhalt für die Verlierer des Wettbewerbs bringen soll. Sobald also eine freie Marktwirtschaft etabliert wird, hilft unser Verbraucherschutzminister mit einer Bonussubventionierung nach. Wie die Verteilungsmuster für die Summe aussehen soll, wer genau davon profitiert oder wie lange unsere europäische Agrarbetriebe noch vom Staat mitfinanziert werden sollen, bleibt weiterhin im Dunkeln. Eine Idee, die in der vorliegenden Form auch gut von Kurt Beck stammen könnte: "Hier, Geld. Viel Spaß!"

Die EU gehört global gesehen zu den wettbewerbsfähigsten Gemeinschaften, kämpft aber innerlich mit der Angst vor der freien Marktwirtschaft. Verrückt!
 

=> 18.8.2008

Mittwoch

30.7.2008

Atomkraft voraus!

Aus dem Atomkraftwerk Tricastin wurden kürzlich 127 Mitarbeiter evakuiert, da aus einer lecken Leitung überraschenderweise wieder einmal radioaktives Material ausgetreten ist. In den letzten Wochen sind in selbigen Gemäuern diverse mit Uran angereicherte Wässerchen aus Löchern unbekannten Ursprungs in die nahe Umgebung geflossen. Laut Pressebericht waren es stets Mengen unterhalb des Gefährdungslimits. Ich habe mich gleich viel sicherer gefühlt.
Wenn hochgradig radioaktives Material aus einem Behältnis flieht, durch einen Wärmetauschen in einen nahe gelegenen Fluss gelangt, der aufgrund der erhöhten Temperatur ohnehin schon mäßig eutrophiert ist, und in dessen Umgebung die Anzahl von Fehlgeburten und Tumorpatienten ohnehin ungewöhnlich hoch ist; wenn also ein durch unsichtbare Mächte bereits signifikant alteriertes Ökosystem mit einer kleinen Dosis Mutationsbeschleuniger versetzt wird, dann gibt es immer noch Grenzwerte. Und wenn ich mir die Verharmlosung jener Sicherheitsverletzungen in den letzten Wochen so ansehe, frage ich mich, ab welcher Masse das entfliehende Uran überhaupt gemeldet werden muss.

Das ist das vierte Leck innerhalb der letzten Wochen, jedes Mal gerieten unbekannte Mengen unbekannter Substanzen in unbekannte Bereiche und man mag sich fragen, wie viele solcher Löcher unbekannt bleiben, weil man sie aufgrund von unzureichenden Messverfahren oder Grenzwertunterschreitungen nicht publik macht. Gut, ich wohne nicht in der fraglichen Region, aber ich kann mir ja vorsorglich Gedanken um die Sicherheit der Siedler von Tricastin machen. Frankreich hat es mir den Bestimmungen zur Atomkraft noch nie so genau genommen, immerhin hat man mit den Kernwaffen der letzten vierzig Jahre schon reichlich Atolle zerbombt. Ich wette die Froschfresser bezeichnen auch vieräugige Eichhörnchen als grenzwertig.

Immerhin gibt es dadurch kein gesteigertes Interesse an Nachforschungen oder Kontrollen, was erheblich Steuergelder spart. Der Betreiber versichert Unbedenklichkeit seiner geflickten Anlage und schon können sich die staatlichen Kontrolleure wieder zurückziehen. Von vielen Europäern nicht hinreichend anerkannt, leben uns die Franzosen hier ein Musterbeispiel politischer Verantwortung vor. In Deutschland beispielsweise wäre das völligundenkbar. Gleich beim ersten Leck würde der Betreiber sein AKW herunterfahren und Minister Gabriel verständigen, welchen sich dann wiederum täglich über den schlampigen Umgang mit Uran aufregen müsste, während er wochenlang quer durch Deutschland reist. Er würde Berichte, wissenschaftliche Daten und Protokolle vorlegen und erste nach frühestens einer Woche könnte der Betrieb unter strengen Auflagen wider aufgenommen werden.
In Frankreich klebt man einfach ein Pflaster auf das Uran-Loch und weiter geht's. Dieser bewusste, obschon mediensparsame Umgang mit dem Thema Krebsforschung erleichtert mich. Zumindest solange Frankreich Flüsse nicht nach Deutschland kommen!
 

=> 31.7.2008

Dienstag

29.7.2008

Sarrazin befürwortet saisonale Kleidungswahl

Die Energiekrise treibt seltsame Blüten zur Frucht. Neuestes Resultat ist die Öffentlichkeitsarbeit von Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD). Meinte er doch, die deutschen Bürger sollten sich im Zuge der massiven Teuerung von Rohöl zu gegebener Zeit einfach witterungsorientiert kleiden. "Wenn die Energiekosten so hoch sind wie die Mieten, werden sich die Menschen überlegen, ob sie mit einem dicken Pullover nicht auch bei sechzehn Grad Zimmertemperatur vernünftig leben können." Zum Behufe einer finanziell erträglichen Überwinterung sei dies durchaus sinnvoller als Herumjammern oder das derzeit ebenfalls sehr beliebte Erbitten staatlichen Beistands.
Während die Angesprochenen ob dieser obszönen Absage weinend und klagend in der Ecke liegen, nutzt die CDU jene unpopuläre Äußerung, um die SPD erneut verbal zu attackieren. Obschon sich die Parteiführung Sarrazins noch nicht dazu geäußert hat, nutzen ihre politischen Nicht-Verbündeten sogleich die Chance zur Selbstdarstellung. Was ist das auch für eine Partei, die von ihrem Volke Eigeninitiative, ja, Anpassung verlangt? Dabei weiß doch jeder, dass der Staat durch steuerliche Einflüsse, sowie kartellamtliche Gesetze das letzte Wort bei der Preisbildung hat. Warum sollte sich der allmächtige Staat also weigern, dem bequemlichen Bürger zu helfen? Sonst subventioniert man doch auch an allem herum, was sich nicht bis drei in die Einkaufstüte retten kann! Der Deutsche braucht schließlich seine 25°C Innentemperatur. Schon aus Gründen der Gewohnheit. Und nur wegen dieser Profitgierigen Ölkonzerne soll er nun auf seine winterliche Ignoranz bezüglich negativer Umgebungstemperatur verzichten?! So weit kommt's noch! Wenn draußen der Alkohol gefriert, muss man ihn drinnen wenigstens auf dem Heizkörper kochen können. Basta!

Sarrazin hat sich mit diesem Affront an unsere Energieverschwendenden Mitbürger jedenfalls keine Freunde gemacht. Nun gut, außer bei den Grünen natürlich, die ja schon immer eine Spur verrückter waren als ihre Konkurrenzparteien. Die Typen wollten sogar den ungebremsten Fahrspaß oberhalb von 130 km/h zu Gunsten einer besseren Zukunft opfern. Was für Spinner! Deren Image schadet es auch nicht, wenn sie Eigenverantwortung des Volkes befürworten. Nach Angaben von Mitgliedern jener Rebellengruppierung sei es gar zu begrüßen, wenn man im Winter auf einige Grad Raumwärme verzichten würde. Von wegen Schadstoffausstoß und so.

Die CDU nutzt die Gelegenheit indes, um ihren Koalitionspartner weiter zu diffamieren, was im Hinblick auf die anstehende Bundestagswahl im Herbst 2009 nur logisch ist. Zwar sitzt man in der momentanen Realität im selben Politikum fest, sollte sich also möglicherweise untereinander verständigen können. Da die Wählerschaft aber ziemlich enttäuscht von den Früchten ihrer Kreuzsetzung 2005 ist, gibt es zwischen den beiden Streithähnen momentan nur eine relevante Fragestellung: wer schrumpft schneller, SPD oder CDU?
Die Instabilität deutschen Parteiguts ist wohl ein wesentlicher Grund für Sarrazins Offenheit. Er ist somit schon der zweite einflussreiche Politiker unserer bundesrepublikanischen Geschichte, der seine Schützlinge öffentlich zum Konsumverzicht auffordert, um mittels finanziellen Drucks auf die Zulieferer eine langfristige Preissenkung zu erpressen. Nach Verzicht haben schon viele Beamte geschrieen. An deren Leibesumfang ließ sich allerdings nur allzu oft das Endlager unserer Ersparnisse erkennen. Man denke nur an Kanzlertonne Helmut. Nicht gerade ein historisches Beispiel für Verbraucherschutz.

Jedenfalls hat sich die SPD immerhin zwei Mitglieder erhalten, die auch dann noch konsequent ihren Job tun, wenn die Lage angestrengt und der Ausweg unbequem ist. Zwei weitere Spaßbremsen im deutschen Wirtschaftsgetriebe. Zwei gute Gründe fürs gemeine Volk, sich nicht mehr mit der SPD zu versöhnen.

 

=> 30.7.2008

Tuesday

22/07/2008

Honeytomb

In Africa they are called Nzimu, "soul", because they act like thousands of souls combined to one. Bees are therefore considered very wise animals, as the whole swarm works as one communal mind. Besides, some kinds of honey from the tropical rain forests have not only tranquilizing but intoxicating effects on the human mind. However, the biggest importance of honeybees comes not with their honeycombs. They are of immeasurable value for agriculture, since no other species can grow a community to numbers big enough to pollinate whole plantings when fruit blossoms fill the air with their sweet scent. When the solitary bumblebee just started setting her nest, her social relatives already swarm the land by the millions. Our modern agriculture wholly depends on domesticated honey bee populations for pollinating flower plants. Yet beekeepers only get money for the liquid gold they extract from their mobile hives, which is one reason for the decline in commercial beekeeper abundance. Other reasons are diseases, insufficient offspring or infestation by Varroa mites, which feed from bee blood, thus crippling them. Numbers of honeybee swarms have declined by some 30% within the last ten years, but the need for pollination has been on the rise ever since the first colonies where domesticated many hundreds of years ago.

Now our old German hives encounter a new threat, namely the insecticide Clothianidin. As Gerlinde Nachtigall of the Julius-Kühn-Institute explained, the source of the recently high mortality among honey bees pollinating rape fields has been eliminated for this season. Clothianidin is normally glued to the rape seeds during a pickle procedure and then vanishes in the soil during sowing time. In the current case however parts of the insecticide suffered abrasion, built up a certain amount of mortal dust und was spread due to the use of unsuitable sowing machines. Thus Clothianidin, originally thought to preserve plants from the ground, came to poison all insects sapping at the rape’s flowers. With better control over pickling and spreading the seeds this problem should be avoided in the future, says Mss. Nachtigall. Beekeepers meanwhile stay sceptic and may keep their distance from fields of rape. Not an easy plan, when some 14% of all German agricultural areas are covered by the critical grain pant. Yet many farmers already give daily proof of the possibility to raise grain without using chemicals. BIO farms are on the rise and give insects no reason to fear for their lives as they enhance fruit production. It is somehow ironical how the rape’s most diligent pollinators became endangered by the crop they serve so severely. Though it’s not funny, as our troubled bee communities already dwindle by the thousands each year. If bees will be able to continue their unrivalled work on flowering plants is anyone’s guess, but this might be the right time to drastically change our agricultural habits. Fruits, vegetables or honey we can import. This is not possible with pollination.

 

=> 29.7.2008

Sonntag

13.7.2008

China exportiert

Über den Iran wurden in den vergangenen Jahrzehnten diverse Embargos verhängt. Unter anderem hat die UNO beschlossen keine weiteren Waffenlieferungen an den militärischen Staat zu versenden. Da die Gegend um Darfur seit langem Schauplatz blutiger Schlachten zwischen Rebellen und Politikum ist, sieht dies nach einer weisen Entscheidung aus. Nach UNO-Schätzungen wurden in den vergangenen fünf Jahren etwa 250.000 Menschen getötet, während sich weitere 2,5 Millionen auf der Flucht befinden. Wenn also einer der beiden Parteien irgendwann die Munition ausgehen sollte, wäre das vermutlich ein besserer Weg zum temporären Frieden als militärische Beihilfe durch die Länder des Westens. Nur wird es dazu nicht kommen, denn irgendjemand beliefert weiterhin beide Seiten mit Kriegsgerät und der Nachrichtensender BBC hat wohl auch schon einen potenziellen Großkriminellen ausgemacht.
Durch kürzlich gesichtete Waffentransporter der Volksrepublik China steht das Land der Menschenrechtsignoranz unter dringendem Verdacht. Ferner bestätigen Zeugen, dass chinesische Ausbilder sudanesischen Kampfpiloten an chinesischen Kampfjets unterrichteten. Beweisen kann man mal wieder nix und die zuständigen Ministerien streiten freilich alles ab. Die ostasiatische Regierung kauft ja nicht nur zwei Drittel des gesamten sudanesischen Ölexports, sie hält auch bereitwillig ihre schützende Hand über die politischen Vertreter Khartums, wenn sie im Weltsicherheitsrat mal wieder zu innerer Stabilität ermahnt werden müssen.

Zeitgleich verunsichert man die westliche Welt mit einem iranischen Atomprogramm, das natürlich rein zivilen Zwecken dient, unter ganz besonders strenger Aufsicht steht und keinerlei Ambitionen zur Kriegstreibung dienlich sein wird. Der Iran, seit jeher eine Festung der nahöstlichen Stabilität, ein Hort der afrikanischen Friedensbewegung, baut Atomkraftwerke und benutzt seine Uran-Anreicherungsanlagen, die selbstverständlich den aktuellsten Umwelt- und Sicherheitsstandards entsprechen, ausschließlich zur Generierung günstiger Energie für sein Volk, das ihm so sehr am Herzen liegt. Pläne zur Entsorgung des entstehenden Atommülls wurden noch nicht veröffentlicht. Jedoch sei man sich bewusst, dass die verarbeiteten Brennstäbe nur in einem Endlager für hochgradig radioaktive Stoffe landen oder zu waffenfähigem Plutonium weiterverarbeitet werde können. Wenn das nicht beruhigend ist…

 

=> 22/7/2008

Samstag

12.7.2008

Amnesty fackelt nicht lange

Derzeit ist in Deutschland eine Bewegung gegen den olympischen Fackellauf unterwegs. Genauer gesagt richtet sich der hauptsächlich studentisch getragene Fackellauf gegen die Menschenrechtsverletzungen Chinas. Die politischen Träger von Amnesty International machen somit auf die weltpolitische Ignoranz Chinas aufmerksam, die ihre Olympiapläne ohne Rücksicht auf Volk und Umwelt umsetzen.
All die Versprechen, die mit der Vergabe des Austragungsortes der olympischen Spiele 2008 vor über sechs Jahren einhergingen wurden zerbrochen. Das Volk darf weiterhin nicht an seiner Zukunft mitbestimmen, die Arbeitssituationen der Unterschicht sind miserabel bis tödlich (siehe Kohlebergbau), politische Gefangene werden aufgrund freier Meinungsäußerung jahrelang inhaftiert, gefoltert oder getötet. Als Anlass für staatlich organisierte Gräueltaten gegen die Menschlichkeit reicht oft schon eine E-Mail oder ein lauter Ausruf.
Das hat sich auch mit Hinblick auf die bald beginnenden Spiele nicht zum positiven geändert. Statt dessen hat sich die Situation vielerorts verschlechtert. Denken wir nur an die Hinrichtung tibetischer Aufständischer, Überwachung und Kontrolle buddhistischer Mönche oder die öffentliche Denunzierung des Dalai Lama und sämtlicher ausländischer Journalisten.

Am Montag soll das aus 120.000 Unterschriften bestehende Banner des Amnesty-Laufes an den chinesischen Botschafter übergeben werden. Der freut sich bestimmt!

 

=> 13.7.2008

Freitag

11.7.2008

Flugalarm

Für zehn Euro kann man nicht nur zum Arzt gehen oder vier Päckchen Zigaretten kaufen, sondern von Berlin nach Madrid fliegen. Für den gleichen Preis dann weiter nach London oder Paris. Das schlägt alle anderen Verkehrsmittel um Längen, allerdings nur auf dem Papier. Am Buchungsschalter überrascht die Fluggesellschaft dann gerne noch mit kleinen Extraerhebungen, wie etwa Gepäckpauschale, Terminalgebühr, Sicherheitspauschale, Verkaufsgebühr, Mehrwertsteuer, Kerosinkosten, Flugsicherungsaufschlag, Sitzplatzgebühr, Pilotenobolus oder Nahrungsmittelaufpreis. Irgendwann fragt sich der geneigte Passagier, was er eigentlich mit den ursprünglichen zehn Euro bezahlen wollte, der Flug war es offensichtlich nicht. Am Ende zahlt man dann doch wieder 150 Flocken für den Billig-Ausflug. Wenn man Glück hat, wird einem sogar noch am Startflughafen mitgeteilt, dass bei einem Rückflug innerhalb der nächsten fünf Wochen ein Zusatzticket für den doppelten Preis zu erwerben ist.
Doch damit macht die EU nun Schluss. Ab Ende September werden derlei Lockangebote bei Strafe verboten. Obligatorische Leistungen als optional anzubieten und Kunden später auf die universelle Rechnung zu schreiben wird damit im gesamten europäischen Raum unterbunden, was wohl kaum für höhere Preise, jedoch für deutlich erhöhte Transparenz sorgen dürfte.

Ein zweites Maßnahmenpaket richtet sich gegen den Emissionsausstoß des Flugverkehrs und soll ebenfalls noch im laufenden Jahr beschlossen werden. Es beinhaltet den direkten Anschluss sämtlicher über der EU kreisenden Flugzeuge an den Emissionshandel nach Kyto-Protokollbeschluss. Somit würden alle in Europa operierenden Fluggesellschaften dazu gezwungen, sich um ihren Schadstoffausstoß zu kümmern, denn wer sein Kontingent überschreitet, muss zahlen.
Diese Regelung würde den allerersten weltumspannenden Beschluss zum Schutz des irdischen Klimas bedeuten, da kein einziges nach Europa einreisendes Flugzeug davon ausgenommen würde. Während nun die großen internationalen Fluggesellschaften krampfhaft versuchen ein lächelndes Gesicht zu bewahren, schimpfen die Billiganbieter wie die Rohrspatzen auf diesen unerhörten Gesetzentwurf. Gerade RyanAir-Vertreter stellen sich bereitwillig vor jedes Mikrofon und zetern was die Stimmbänder hergeben. Als junge Fluggesellschaft, die immer ganz besonders nachdrücklich auf die Aktualität und Modernisierung ihrer Maschinen geachtet hätte, sei man hier ganz doll böse im Fadenkreuz der unverschämten europäischen Gerichtsdiener gelandet.
Als Zuschauer jener Diskussion fragt man sich doch, warum eine Gesellschaft mit hochmoderner Ausrüstung Angst vor Qualitätsprüfungen haben sollte. Wenn bei RyanAir nur beste Anti-Schadstoffmodelle herumstehen, was hat man dann vom Emissionshandel zu befürchten? Der Leser mag die Antwort auf jene Frage selbst finden, da besagte Flugfuzzis mich sonst verklagen. Fest steht aber, dass BilligAirlines dieses Jahr wohl zweifach finanziell gebeutelt werden. Unverständlicherweise auch noch zu Gunsten des Kunden. Dreist!

 

=> 12.7.2008

Donnerstag

10.7.2008

Im Süden nichts Neues

Die afrikanische Union hat nun lange über die streitbaren Wahlvorgänge in Simbabwe beraten und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass man den greisen Diktator Mugabe vielleicht lieber doch nicht für die Verfolgung und Ermordung politischer Gegner ächten sollte. Eigentlich ist das Wahlgeschehen dem üblichen Demokratieverfahren Afrikas doch gar nicht so unähnlich und so entschied man sich deutlich gegen Ächtung oder gar Sanktionen gegen den Militärstaat.

Auch die UN ist in ihrer Diskussion um Maßnahmen gegen das Menschenunwürdige Netz des simbabwischen Gewaltregimes kein Stück weiter gekommen. Die letzte Sitzung des Sicherheitsrates wurde durch gleich zwei Veto-Entscheidungen vernichtet. China war von Anfang an ganz klar gegen die Denunzierung seiner afrikanischen Freunde, schließlich verdienen sie gut an Instabilität und Gewaltherrschaft (auch im eigenen Land).
Zweiter Spielverderber war Russland. Die Wodkaschlürfer sehen in der Vertreibung hunderttausender Flüchtlinge und der militärisch organisierten Konfliktbewältigung keinerlei Gefahr für die internationale Sicherheit. Ist ja auch ganz schön weit von zu Hause entfernt.

 

=> 11.7.2008

Mittwoch

9.7.2008

8 G gegen den Weltuntergang

Der G8-Gipfel 2008, der im japanischen Toyako ausgetragen wurde, ist nun zu Ende und hinterlässt einen unglaublich positiven Gesamteindruck. Erneut wurden die großen Themen dieser Welt besprochen: Hilfe für Afrika, die Lebensmittelkrise und Umweltverschmutzung bildeten den Kern der internationalen Diskussionsrunden und konnten zur allgemeinen Zufriedenheit beinahe aller Teilnehmer besprochen werden. Aus dem doch sehr schwammigen "Wir sollten vielleicht mal eines Tages zusammen kommen, um uns darüber zu unterhalten" des letzten Jahres wurde nun ein handfestes "Da machen wir mal was!" Beim Thema Umwelt ließ man sich sogar zu einer Vereinbarung überreden, die die Halbierung der Treibhausgasemissionen bis 2050 zum Ziel hat. Ein Vergleichsjahr wurde freilich nicht genannt, genauso wenig wie mögliche Konsequenzen bei Nichteinhaltung oder konkrete Planvorstellungen zur Durchführung.

Was also hat der G8-Gipfel gebracht, welchen Erfolg kann der gemeine Bürger ersehen? Jedes Jahr treffen sich die Führer unserer gewaltigsten Industrienationen und erzählen sich gegenseitig was in der Tagespresse gerade so abgeht. Aber Resultate habe ich bisher nicht erblicken können. Gut, die großen acht sind sich mittlerweile darüber einig, dass es Probleme bei der Nahrungsmittelversorgung und im Umweltsektor gibt. Nach aktuellen Angaben hat man sogar erkannt, dass CO2 und andere so genannte "Treibhausgase" zum Klimawandel beitragen und jener wiederum nicht gut für uns ist. Dieser Erkenntnisreichtum erfreut mich natürlich.
Aber warum jetzt und nicht vor dreißig Jahren? Seit dem Mauerfall gehöre ich zum politisch aufgeklärten Teil der Erdbevölkerung und etwa seit jener Zeit weiß ich, warum wir etwas gegen Energieverschwendung und Umweltverschmutzung tun müssen. Und das als dummer Ossi und Grundschüler! Wenn unsere tollen Politiker die Welt so viel besser verstehen als wir Bürger, warum haben sie dann nicht schon längst positive Gegenmaßnahmen eingeleitet? Warum höre ich in jeder gewichtigen Diskussion auf internationaler Ebene als "Resultat" stets nur: "Da machen wir was." Warum nicht mal verbindliche Ziele und Maßnahmenkataloge? Kyoto ist ein schöner Anfang, nur eben viel zu seicht und vor allem durch die großen Dreckschleudern dieser Erde nicht anerkannt.
Versuchen Sie mal sich vorzustellen, wie Schorsch Bush in Namibia vor eine bäuerlich geprägte (also komplett verarmte) Menschenmenge tritt und den hungernden Menschen die aktuellen Ergebnisse der G8-Gespräche mitteilt: "Mein lieben afrikanischen Freunde. Wir haben euren Schmerz erkannt. Eure Trauer um Korruption, Morde, Massaker, Landraub, Verschmutzung, staatliche Willkür, Kinderarbeit, Kriegtreiberei und Ausbeutung ist uns bekannt. Wir als Vertreter der westlichen Industriestaaten sind als Hauptfinanziers dieser Gräuel mit verantwortlich für all die Ungerechtigkeit die auch angetan wird. Aber wir haben das jetzt erkannt und werden uns ändern. Irgendwie. Irgendwann. Danke!" Ob es da wohl Applaus gibt? Klar, für den ersten der Bush mit einer Landmine am Kopf trifft.

Inzwischen ist die Realsatire vom sich wandelnden Klima auch bei den allerletzten Provinzlern angekommen und alles was die Herren Politiker beschließen, ist die öffentliche Anerkennung des Wortes "Problem" in Zusammenhang mit Wüstenbildung, Tornadovermehrung, Versteppung, Hungersnöten, Wasservergiftung, Waldvernichtung, Überfischung, Meeresspiegelanstieg, Landverlust oder Artensterben. Problem erkannt, benannt, verbannt.
Ich weiß schon: "Halt den Mund Ossi! Unsere Renten sind sicher."
 

=> 10.7.2008

Tagebuch


FolkAlley