In dieser Ecke werde ich in unregelmäßigen Abständen (sobald ich eine Eingebung habe und über die Zeit verfüge dieser zu folgen) markante Erlebnisse meines bescheidenen Lebens niederschreiben.
Die zeitliche Abfolge folgt übrigens
den geologischen Regeln: die ältesten Daten befinden sich im liegenden
(unten) und da die Geschichten teilweise aufeinander aufbauen, sollten
sie von unten nach oben gelesen werden.
Texte von 2006 und 2007 befinden sich hier.
Sonntag
16.11.2008 |
Schritt nach vornReinhard atmete tief durch. Mit jeder Faser seines Körpers spürte er die Last der kommenden Ereignisse. Alles war vorherbestimmt. Selbst wenn er sich umdrehen und davon laufen würde, am Ende würden sie ihn kriegen. Nein, seine Zeit war vorbei. Die Entscheidung war allen Beteiligten seit langem klar, so auch ihm. Dies würde sein letzter Gang als Clanchef werden. Doch er würde ihn mit jener Würde begehen, die er seit Amtsantritt gezeigt hatte. Er würde da rausgehen und der brodelnden Menge noch einmal zeigen, dass sein Clan einig ist uns stark und sich von niemandem die Zukunft diktieren lässt. Er würde ihn allein gehen, diesen letzten Weg, die schwere Bürde der Führerschaft auf dem Rücken, den ewigen Abschied von der Bühne stets im Nacken. Schon konnte er sie hören, wie sie draußen schwatzten und diskutierten, ihre Blumensäbel gegeneinander rieben, dass es weit aufs Feld hinaustrug. Als Reinhard Bütikofer das Erfurter Podium betrat, brauste die Menge noch einmal auf, ihrem dahinscheidenden Clanchef einen letzten tosenden Empfang zu bereiten. Dann verebbten die Publikumsgeräusche und der Parteivorsitzende der Grünen hob zu seiner Rede an, die dem Bündnis und gleichwohl der gesamten Welt den Weg in eine bessere Zukunft weisen sollte. Von Freundschaft, Zusammenhalt und Gleichberechtigung war die Rede. Von Erfolg und Misserfolg war in den anschließenden Kundgebungen seiner Kollegen die Rede. Doch eines war ihnen allen gemein, das Wissen um eine Notwendigkeit der Neuorientierung von Volk und Vaterland. Regentschaftswechsel Der neue Parteivorsitzende Cem Özdemir ging ebenfalls mit großen Schritten auf seine Freunde zu. "Ich trete für eine Gesellschaft ein, in der alle mitgenommen werden. Egal, ob sie aus Anatolien oder Kasachstan kommen, oder ob ihre Vorfahren schon gegen die Römer im Teutoburger Wald gekämpft haben", erklärte der anatolische Schwabe. Unter seiner Führung wird niemand auf dem Schlachtfeld zurück gelassen, denn Zukunft ist für alle da. Dass Özdemir für eine multikulturelle Gesellschaft einsteht wird selbst von der FDP nicht in Frage gestellt. Ein Plan der auf dem Verstand fußt Ziel der Grünen sind nun die Umstellung deutscher Energieerzeugung auf komplett regenerative Quellen bis 2030, die vollständige Deckung des Wärmebedarfs aus erneuerbaren Ressourcen bis 2040. Die Sozialpolitik soll überdies nicht vom Tisch purzeln, weshalb Konzepte für die gerechte Umverteilung der Steuereinnahmen gleich mit eingeplant wurden. Umsetzung und Konkretisierung hängen freilich von möglichen Koalitionspartnern ab, wodurch die Details vorerst nicht geklärt werden können. Aber, wie ich immer sage, lieber eine gute Vision als ein schlechtes Konzept. Allein die Tatsache, dass dieses Thesenpapier zwei Jahrzehnte weiter in die Zukunft plant als jede andere Partei, sollte jedem Skeptiker die Läuterung bringen. Dass Bankmanager und Großindustrielle zu Geldgebern degradiert werden, gibt dem Volke den Rest. Abschied und Auftakt
Claudia und Cem atmen noch einmal tief durch. Mit jedem Muskel, jeder Sehne
ihrer Körper spüren sie die Spannung dieser Welt auf sich lasten.
Ihre Zeit ist gekommen, das ist beiden in aller Konsequenz bewusst. Unter ihrer
Führung wird der Clan der Grünen sich auf die beschwerliche Reise
in eine bessere Zukunft begeben. Den frostigen Atem der energy (r)evolution
im Nacken, schreiten sie sicher voran, um den Ruf der Freiheit weit über
die kargen Felder zu tragen. Und sie wissen eines genau: sie sind nicht allein,
sondern kämpfen gemeinsam mit einer Schar von Anhängern für die
Rechte der Erde auf Fortbestand.
|

