Goemon5: The Celtic Ninja Blog
Goemon
Goemons Gruseliges Tagebuch

In dieser Ecke werde ich in unregelmäßigen Abständen (sobald ich eine Eingebung habe und über die Zeit verfüge dieser zu folgen) markante Erlebnisse meines bescheidenen Lebens niederschreiben.

 Die zeitliche Abfolge folgt übrigens den geologischen Regeln: die ältesten Daten befinden sich im liegenden (unten) und da die Geschichten teilweise aufeinander aufbauen, sollten sie von unten nach oben gelesen werden.
Inzwischen hat dieser Blog die Ausmaße eines Taschenbuchses erreicht und muss daher unterteilt werden. Aus reiner Ideenarmut heraus splitte ich einfach mal in Halbjahre, bzw. Doppelquartale.

Q1/2 2006 Q3/4 2006 Q1/2 2007 Q3/4 2007 Q1/2 2008 Q3/4 2008 2009
Sonnabend

28.6.2008

Datenmissbrauch

Ich erhalte alle drei Wochen Anrufe von lustigen Vereinen kapitalistischer Prägung die gern meine finanziellen Vorteile in die ihrigen umwandeln würden. Heute rief wieder einmal die Dingsda-Lotto-Gesellschaft an, die gern meinen laufenden Vertrag mit ihnen verlängern würde. Sie haben sogar schon meine Kontodaten vorrätig, bräuchten also nur noch meine Freigabe. Soweit ganz einfach. Allerdings bin ich bei genannter Vereinigung nationaler Abzocker nicht angemeldet. Ich war es auch nie und frage mich in diesem Zusammenhang, wie die Leute an meine persönlichen Daten kommen. Der Gegenstimme an der anderen Seite der telefonischen Verbindung scheint die Angelegenheit ebenfalls leicht seltsam zu sein, gerade da sie ja meine Kontodaten vorliegen hat und im Auftrag ihrer Firma meine weitergehende Teilnahme absichern soll.
Auf meine Anfrage hin nennt sie mir die Sparkasse Oder-Spree als universellen Träger meiner finanziellen Angelegenheiten. Ab diesem Punkt bin ich definitiv erleichtert und eigentlich könnte mir jetzt alles egal sein. Ich könnte weitere Losvolumen bestellen und mich auf sensationelle Gewinne freuen. Und das alles ohne den Einsatz eigenen Geldes, denn ich habe gar kein Konto mehr bei der Sparkasse. Das hatte ich zum Ende meines Studiums gekündigt, weil es mir erstens zu teuer wurde und zweitens irgendwelche nebulösen Glücksspielunternehmen Zugriff auf jenes Konto hatten (siehe Tagebuch 2006/2007).

Da können sich SKL und "Aktion Deutschland gewinnt" gern gegenseitig gratulieren. Durch gemeinschaftliche Telefonoperationen und Weitergabe meiner Kontaktinformationen haben sie es geschafft, dass ich fortan für immerdar an der Integrität solcher Unternehmen zweifeln werde. Und das, wo ich doch stets so großes Vertrauen in die eigens für mich optimierten Loskombinationen hatte. Herrje, eine Welt bricht zusammen. Oh Schmerz, oh grausamer Datenhandel.
Ich frage mich, ob bei der Sparkasse weiterhin Geldbeträge auf meinen Namen abgebucht werden. Auf Dauer ist das sicher nicht billig für den Bittsteller. Kähähähä!

 

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Freitag

27.6.2008

Mugabe wins!

Wie erwartet hält sich Robert Mugabe an die Vorgaben des Einpartei-Systems und feiert öffentlich die Stichwahlen zur simbabwischen Präsidentschaft, mit ihm selbst als einzigen Kandidaten. Wer in Politischer Bildung gut aufgepasst hat, mag nun fragen: "welchen Sinn macht eine Stichwahl mit nur einem Kandidaten?" Sowjets und Chinesen wissen jetzt nicht sofort was ich meine, aber die Erkenntnis wird bestimmt irgendwann nachgeliefert.

Technische gesehen ist diese Farce nur eine weitere Machtdemonstration des militanten Herrschers und dient der finalen Einschüchterung seiner sklavischen Unterschicht. Die Afrikanische Union und viele nichtafrikanische Staaten wollen das Ergebnis dieses antiliberalen Aktes zwar öffentlich ignorieren, dass dies zum Umdenken beim Kriegsopa führen kann, glaube ich eher nicht. Da müssten schon Sanktionen folgen. Die dann wiederum zu Lasten des gemeinen Bürgers gingen. Welch teuflischer Hexenkessel!

 

=> 28.6.2008

Mittwoch

25.6.2008

Sammeldisuriosaurus

Sammler sind komische Menschen. Ich kann das beurteilen, schließlich siedeln mehrere davon in meinem persönlichen Umfeld. Mein Vater zum Beispiel sammelt Maulschlüssel. Gut einhundert Schlüssel unterschiedlichster Größe und Herkunft tummeln sich an der Werkstatt-Wand, ihrer Verwendung im Dienste des Maschinen- und Gartenbau harrend. Besonders stark vertreten sind die Maulbreiten 10, 13 und 24. Wir könnten also gleichzeitig mit etwa einem Dutzend 13er Maulschlüssel herumschrauben, wozu sich leider selten die Gelegenheit findet. Auf die Frage hin, warum jene Größen so signifikant überrepräsentiert sind, antwortete mir mein Vater einst: "Naja, die braucht man immer mal." Erstaunlich!

Meine Mutter hingegen sammelt Besteck und anderes Küchengerät, hauptsächlich aber Messer und Schneebesen. Zwar hängen nahe dem Herd gut 15 Schneebesen ähnlicher Machart, die für meinen Bedarf (Kochen und so) allesamt zu groß sind. Dennoch wird jedes Mal, wenn ein überdimensionierter Waschkesselrührer in beliebigem Kaufhaus zum Schleuderpreis feilgeboten wird, sofort auch eingekauft. Nun haben wir keinen Platz mehr für Pfannenwender, Suppenkellen oder andere Utensilien des täglichen Gebrauchs, aber die Schönheit jener Rührerkollektion reißt das locker wieder raus. Was bei mir allerdings die Frage aufwirft: Sollte man grundsätzlich immer Küchenhelfer-Super-Sonder-Angebote kaufen oder von Zeit zu Zeit auch mal im Laden liegen lassen? Einige Schubladen ächzen mittlerweile derart unter ihrer metallischen Altlast, dass sie nur noch mit ganzem Körpereinsatz überhaupt in den Schrank hinein und hinaus gewuchtet werden können. Es mag seine Vorteile haben auf eine Auswahl von 80 Messern zurückgreifen zu können, in einem 3-Personen-Haushalt kommen diese aber eher selten zur Geltung. Und die Feiertagsbestecke sind da noch gar nicht mit einberechnet!
Ich könnte mir fünf Freunde zum Kartoffel schälen einladen, die entsprechende Anzahl an Sparschälern wäre vorhanden. Anschließend könnten wir die Kartoffeln in 14 Pfannen rösten, wenn wir entsprechend viele Kochplatten auftreiben, und mit sechzig weiteren Bekannten verzehren. Allerdings müssten wir den Küchentisch erst noch erweitern und den Bekanntenkreis aufstocken. Ich geh dann mal los, Kartoffeln sammeln.

 

=> 27.6.2008

Sonntag

22.6.2008

Mugabe is on Massecre

Unter dem Druck gewalttätiger Übergriffe durch die kriegerischen Handlanger Mugabes gab der Oppositionsführer Morgan Tsvangirai seine Kandidatur zur Präsidentschaftswahl jetzt auf. Mehr als 60 seiner Anhänger wurden bereits von Schlägertruppen der Regierungspartei getötet, über 200.000 sind weiterhin auf der Flucht. Tsvangirai zieht daher die Konsequenzen aus sechs Monaten Hass und Gewalt, er zieht seine Kandidatur zurück. Mugabe steht somit als einziger Name auf dem Wahlzettel der Stichwahlen am 27.Juni, was den Tyrannen sicher nicht davon abhalten wird, den physischen Druck auf das Volk noch etwas zu erhöhen und sich als siegreicher Präsident feiern zu lassen.
Somit wird die hier zu Grunde liegende Ungerechtigkeit aber doch derart deutlich, dass selbst der südafrikanischen Führung eine Veränderung des diplomatischen Tons wünschenswert erscheinen sollte. Tsvangirai hat seine gesamten politischen Erfolge geopfert und sich in die niederländische Botschaft geflüchtet. Wenn das jetzt wieder spurlos an der afrikanischen Union und an den internationalen Demokratieverfechtern vorbeizieht, hat Mugabe endgültig den Krieg gegen die Gerechtigkeit gewonnen und kann sich zeitlebens in Kaviar baden, während seine Untertanen verhungern.
 

=> 25.6.2008

Samstag

21.6.2008

Mugabe is Godlike

Robert Mugabe, der Anführer der radikalen simbabwischen Frontbewegung ZANU-PF, hat einen neuen Verbündeten im Kampf gegen die Demokratie gewonnen.
"Allein Gott, der mich berufen hat, wird mich ablösen, nicht die MDC, nicht die Briten", sprach er gestern vor Unternehmern in Bulawayo. "Der MDC wird es niemals gestattet sein, dieses Land zu regieren - nie und nimmer". An seiner patriarchischen Entschlossenheit, das Land weiterhin mit der eigenen eisernen Faust zu bearbeiten, bestand bislang kein Zweifel. Dass er jedoch derart prominente Unterstützung genießt, ahnte selbst ich nicht.
Als Naturwissenschaftler weiß ich jedoch, dass eine derartige Ablösung zumindest nicht zu Lebzeiten des nationalsozialistischen Despoten statt finden wird. Es sei denn, er ernennt einen nachfolgenden Pharao.

Für die USA, das Land der uneingeschränkten Gottesfurcht ist jene Aussage freilich eine eher zweischneidige. Hat sich Mugabe dadurch als Blasphemiker enttarnt und gehört auf dem Scheiterhaufen verbrannt? Oder ist er vielleicht doch ein moderner Jesus, mit neuen Lehren gesandt, die Menschheit von Demokratie, Weißhäutigkeit, Menschenrechten und Gerechtigkeit zu befreien?

Eine schöne Ballade von Bob Dylan, die beide Länder unter diesem Thema vereint, heißt "With god on our side" und gibt einen kleinen Vorgeschmack auf zukünftige Ereignisse, die unter jener Einstellung Mugabes möglich sind. Fiel mir grad noch ein.
 

=> 22.6.2008

Donnerstag

19.6.2008

Mugabe vs. Bush

Mit der Androhung eines Bürgerkrieges ist Mugabe offenbar selbst vor den Kriegs-Gefestigten Augen der USA zu weit gegangen. Jene rufen nun den UN-Sicherheitsrat zur Handlung auf. Erstaunlich! Haben doch gerade die USA den Ruf, eher für Öl und Land als für Gerechtigkeit einzutreten. Mugabe zeigt sich indes unbeeindruckt von der amerikanischen Regung. Schließlich hat man in Afrika und Asien genügend Verbündete, um vorerst jede politische Attacke abwehren zu können. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wird sich weiterhin durch Mitglieder wie China blocken lassen und der tolle Grundlagenvertrag wird sich erneut als unbrauchbar heraus stellen. Mörder, Folterer, Sklaventreiber, Faschisten; wir sind alle vereint, komme was wolle.

 

=> 21.6.2008

Mittwoch

18.6.2008

Dose an die Freude

Die Wunderwelt der multimedialen Dauerwerbung beglückt meine Mutter besonders über das vielfältige Angebot von QVC mit Angeboten die unser Familienleben und speziell auch den Haushalt revolutionieren. So finden sich in unserem Hausrat neben Tonnen von Besteck, antibakteriellen Schneidebrettchen, selbst bastelnden Bastelsets und dem unglaublichen, selbst reinigenden Zwei-Minuten-Xtra-Schnell-Kochtopf endlich auch eine Sporthallen-Füllende Ansammlung von Frischhaltedosen in beinahe sämtlichen Farben des Regenbogens. Als echtes Markenprodukt des Qualitätshauses QVC wurden jene Behältnisse aus einem Guss in diverse gemein gebräuchliche Formen gepresst und nebst einem exakt passformen Deckel ausgeliefert, sodass wir nun jegliche Nahrungsmittel unter hermetischer Verriegelung lagern können. Meine Mutter stopft nun folgerichtig jegliche Esswaren in jene Tupper-Dosen, sei es Mehl, Zucker, Reis oder Radieschen. Ganz zu schweigen von Salat, ungekochten Fertig-Klößen, Paniermehl oder Käse. Zwar werden die meisten dieser Waren bereits in lagerungsfähiger Verpackung geliefert, aber meine Mutter scheint eine besondere Zufriedenheit zu erwachsen, wenn sie eine Tüte Nudeln aufreißt, in den Plastikbehälter schüttet und die durchsichtige (!) Front anschließend mit einem Aufkleber verziert, der vom Inhalt der Box kündet.
Was die Klebchen auf den völlig transparenten Behältern so obligatorisch macht, weiß ich nicht. Doch setzt sich meine Sammlung ökologischer Backzutaten standhaft zur Wehr gegen Zwangsumsiedlung und Neuetikettierung. Denn ihrer sind derart viele, dass bislang nicht einmal in unserem Haushalt genug Dosen zur Endlagerung bereit stehen. So dürfen nun dutzende von Getreidesorten in körniger und gemahlener Form weiterhin in ihren Originaltüten der Verwendung harren, während sie dem Standart-Weizenmehl in seiner hermetischen Verpackung hämisch zuwinken.

Die Verpackende rechtfertigt ihr Tun derweil mit den Argumenten Haltbarkeit, Übersicht und Ordnung. Es stimmt schon, der braune Zucker ist in seiner Hellblauen Box mit blauem Klebchen leicht zu finden. Blöd nur, dass ich nun den Küchenschrank komplett bis zur Rückwand enträumen muss, um die Box fassen zu können, da eine Heerschar von weiteren Plastikbehältern im Weg steht.
Auch hierfür hat Mami eine Lösung, denn in der neuen Küche wird alles vorne stehen. Das heißt, lästiges Wühlen in der Dosen-Kollektion entfällt, wofür wohl die ganze Wand mit Regalen bepflastert wird. Vielleicht bekommen wir dann auch einen neuen Kühlschrank, in dem alles vorne steht. In unserem jetzigen Modell finden sich nämlich nur jüngere Artikel an der sichtbaren Front. Ältere Lebensmittel sind nur über langwierige Schlittenfahrten in den tieferen Innenbereich des Kühlgeräts zu ergattern, weshalb sie oft in Vergessenheit geraten. Dies generiert echte Überraschungsmomente, wenn nach mehreren Jahren die farbenfrohen Pilzkulturen wieder das Licht der Öffentlichkeit erblicken und einer höheren Verwendung im Gartenbau zugeführt werden. Dafür gibt es nun glücklicherweise die neuen Dosen, in denen auch leicht verderbliche Schimmelkulturen jahrzehntelang frisch bleiben.

 

=> 19.6.2008

Samstag

14.6.2008

Planwirtschaft der Moderne

Bereits in der guten alten DDR hat sich das Konzept der Planwirtschaft bestens bewährt. Seinerzeit erstellte ein technisch unversierter Vorarbeiter einen Regelplan zur Jahresaktivität, nach diesem wurden Materialien und Arbeiter bestellt und am Ende hatte man ein gut strukturiertes Programm für den generellen Wochenablauf. Zum Beispiel waren an fünf Arbeitstagen fünfzig Schubskarren zu fertigen. Wenn diese bereits am Dienstagvormittag fertig waren, verbrachte man seine übrige Zeit eben mit ausgedehnten Kaffeepausen, Heimarbeit, Hausputz, Augenruhe oder Skatturnieren.
Oder es galt an jedem zweiten Dienstag die Grünflächen am Fahrbahnrand zu mähen. Das wurde dann eben durchgeführt, notfalls auch mit Schirm oder Schneeschieber.
Auch beim Winterdienst funktionierte dieses System reibungslos. Zehn Tage vor Weihnachten wurden die Straßen beräumt und gestreut, zur Erhöhung der allgemeinen Sicherheit. Unverschämt war indes die ständige Intervention durch unsere verwöhnten bundesrepublikanischen Nachbarn, die den Winter oftmals im eigenen Land zurückhielten, um unsere kommunistische Vorarbeit wie einen sinnfreien Akt hinzustellen. Der Kapitalismus versuchte alle möglichen Tricks um unsere Pläne zu sabotieren. Wenn der Schneefall dann aber Mitte Februar doch einsetzte, waren unsere Straßen vorbereitet!

Gerade bei der Pflege von Grünflächen trifft man auch heute wieder häufiger auf Verfechter der Planwirtschaft und die historischen Beispiele zeigen, dass dies durchaus gute Gründe hat. Zum Beispiel arbeite ich in einem alten Bürogebäude in der Alle der Kosmonuten und der Hausmeister hat offensichtlich den Auftrag, täglich an den Rasenanlagen vor dem Haus zu arbeiten. Aufgrund der Trockenheit vergangener Wochen ist nun freilich noch nichts nachgewachsen, aber er läuft tapfer jeden Vormittag auf den Parkplatz, um eine halbe Stunde mit dem Rasenmäher herum zu fahren oder freche Grashalme zwischen den Steinen hervorzukratzen oder frische Gänseblümchen zu zerfräsen. Kurzum, der Hausmeister tut alles in seiner Macht stehende, um die unter seiner Obhut stehende Fläche am Ergrünen zu hindern.
Gleichwohl wirkt auch unser Nachbar jeglichem Pflanzenwachstum wirkungsvoll entgegen, indem er nicht nur auf das gartentechnisch gemeinhin völlig überschätzte Wässern verzichtet, sondern auch allwöchentlich die wenigen kümmerlichen Sprosse mit dem Trimmer zu Boden mäht. Auch heute jagt er wieder mit seinem Hochleistungsrasenmäher über die graue Fläche und kämpft sich durch dicke Staubwolken von einer Gartenseite zur anderen. Ich weiß nicht ob ihm bewusst ist, dass er nur Sand und Heu mäht, aber ihm verschafft dieses Spektakel ganz offensichtlich innere Zufriedenheit. Anders als normale Rasenpfleger muss er ja auch nicht alle Nase lang seine geschorenen Grashalme in der Schubkarre abfahren, ein Mähbehälter reicht locker für den Sand der ganzen Freifläche aus.

Ich sollte vielleicht noch hinzufügen, dass wir hier geomorphologisch betrachtet zwischen Sander und Urstromtal liegen. Der Boden ist daher außer für Wald und Supermarktbau zu wenig geeignet, denn jede Beregnung versinkt fast sofort im Untergrund und ist erst gut 12 Meter unter der Oberfläche wieder als Grundwasser zu fassen. Soweit reichen allerdings die Wurzeln der allermeisten Gräser nicht, weshalb grüner Rasen bei uns nur unter mindestens zweitägiger Wässerung gedeiht. Andernfalls bildet sich eine karge Steppenlandschaft, wie die unseres Nachbarn.
Neulich hat er sogar anderthalb Meter hohe Büsche in den Garten verpflanzt. Erst wurden die Gewächse zwei Tage im Wasserbecken gebadet, anschließend setzte er sie in ein großes Erdloch, schüttete selbiges wieder zu und erhoffte natürliches Erblühen. Jetzt, eine Woche später, steht das Gestrüpp grau und regungslos herum. Für das ungeübte Auge sieht es so aus, als sei der graubraune Holzklumpen erst kürzlich aus der libyschen Wüste importiert worden und vielleicht erzählt er ja auch exakt diese Geschichte seinen staunenden Freunden/Bekannten, die ihn alle paar Wochen besuchen und von unserem Nachbarn stolz durch den trockenen Garten geführt werden: "Da schaut her, der Busch sieht aus als wäre er vertrocknet, aber tatsächlich ist das eine seltene indonesische Nachzüchtung des noch selteneren Rub-al-Chali-Grases." Genau weiß ich das natürlich nicht, denn die Leute sprechen immer ganz leise, um nicht zu viel Staub aufzuwirbeln.

Planwirtschaft ist jedenfalls eine tolle Sache. Und bessere Pläne führen zu noch besserer Wirtschaft.

 

=> 18.6.2008

Freitag

13.6.2008

Mugabe is Unstoppable

Robert Mugabe, der uncharismatische, anarchistische, egomane, dilettantische, korrupte, radikale, faltige, weil urig alte Diktator des demokratischen Staates Simbabwe hat jetzt endlich die Diskussion über Demokratie und Machtwechsel in seiner Heimat beendet. Um die Feudalherrschaft aufrecht zu erhalten, die das Volk wie einen trockenen Käse auspresst, hat sich der schwarze Nationalsozialist ein ganz besonders raffiniertes Konzept einfallen lassen. Unter dem Druck schlechter Wahlergebnisse und überwältigender Unterstützung der oppositionellen Partei MDC gebar seinem Krisenstab gemeinschaftlich und unter Zuhilfenahme der Autobiographien von Hitlers Freunden eine Idee, die so nur wahren kriminellen Genies aufgehen kann. Für den Fall einer politischen Niederlage sieht er vor, das Land mit Gewalt wieder an sich zu reißen. Er droht offen mit einem Bürgerkrieg.
"Das Land der Bewegung für demokratischen Wandel zu überlassen wäre das Gleiche, wie den Freiheitskampf zu verraten und das Land den Kolonialherren zurückzugeben", merkte der Kriegsveteran während einer Kundgebung in Murehwa an. "Wir brauchen eine militärische Strategie wie in einem Krieg, um diese Wahl zu gewinnen."
Dies ist nun endlich ein Plan der eines militanten Monarchen würdig ist, Mugabe kann daher als Papier-Demokrat sehr stolz auf sich sein. Die Androhung von Mord uns Feuergefechten (mit sehr einseitiger Bewaffnung) ist nicht nur ein probates Mittel zur Manifestation allgegenwärtiger Macht, sie ist auch eine finanzielle Versicherung, durch die Stärkung wirtschaftlicher Bindungen an Simbabwes primären Waffenlieferanten, das großmütige China.
Die Stichwahlen finden am 27. Juni statt. Mal sehen wie viele MDC-Wähler dann noch mit einem Stift umgehen können.

 

=> 14.6.2008

Mittwoch

11.6.2008

Laaangweilig!!

Ich hab heute mal ein bissel mehr Zeit, mich über aktuelle Tagesgeschehen in der Tageszeitung zu informieren. Doch gerade heute gibt es offensichtlich nix zu berichten.
Die Welt gibt 1,34 Billionen Dollar für Aufrüstung und Bedienung von Kriegsmaschinerie aus.- Terror und Krieg sind einträgliche Geschäfte. Förderung durch kaum bestechliche Politiker ist da vorprogrammiert.
Frauen verdienen durchschnittlich weniger Geld als Männer.- Auch klar, Manager verdienen Millionen. Millionen wiegen in der Durchschnittswertung mehr als Arbeitslosengeld II. Frauen in Managerpositionen sind selten. Punktum.
Sarkozy und Merkel einigen sich bei ihrer Konferenz im bayrischen Straubig auf einen CO2-Grenzwert für PKWs von 120 g/km.- Danke Angie, nimm bloß keine kleineren Zahlen! Das könnte auf die Wirtschaft drücken.
Die Koalition verzankt sich über das Thema Familienpolitik.- Auch klar, unsere Regierung ist sich selten darüber einig, wie wenig Geld man für die Bildung des Bürgers mindestens ausgeben muss, um seinen Wählerkreis nicht zu verlieren. Streit sieht aber immer irgendwie nach Arbeit aus und lenkt gut von der eigentlichen Verdrossenheit ab.
Im sächsischen Reinhardtsdorf-Schöna weiß niemand, "wer, Oh, wer nur" die NPD so übermäßig gewählt haben mag.- Sicherlich. Niemand gibt gern zu, dass er im Inneren doch nur ein Nationalsozialist ist. Na, der Tourismus wird schon nicht abbrechen, schließlich hat Deutschland genug urlaubswillige Nazis.
Bush begeht letzte Europareise.- Lasse den Kelch an uns vorüber gehen! Der Bush kehrt zurück, dieses Mal jedoch, um für immer zu gehen. Verabschieden will er sich und sich mit finalen Worten an seine europäischen Projekte richten. Dafür hätt' er ja eigentlich auch anrufen können.
Brown äußert sich wieder mal positiv zum Einsatz in Afghanistan.- Wer, wenn nicht die NATO soll für partielle Ruhe in der Heimstatt des Terrorismus sorgen?
Gas- und Öl-Preise steigen weiter an.- Obwohl sich kaum noch jemand einen vollen Benzintank leisten kann. Aber wer sollte daran etwas ändern? Angebot stagniert, Nachfrage steigt.
Mittelständische Unternehmen jammern über hohe Rohstoffpreise.- Boah, Heulsusen! Erhöht halt eure Endpreise und entlasst Arbeitnehmer! Das hat der deutschen Wirtschaft schon immer zum Abschwung verholfen.
Schmiergeldaffäre bei Siemens durch Zeugen bestätigt.- Ebenfalls ein altbekanntes Phänomen. Gewichtige Konzerne bestechen gewichtige Politiker und beide werden dicker. Ein ehemaliger Mitarbeiter bestätigt jetzt die seit langem umgehenden "Gerüchte", da er jahrelang für eine Abteilung arbeitete, die ausschließlich Bestechungsgelder verwaltete.

Es passiert auch überhaupt nix neues in der Welt. Krieg bringt Geld, Autos ebenso. Und wenn man Politiker ist, muss man für nichts der genannten drei arbeiten. Hoffentlich passiert morgen mehr, sonst muss ich meine schreiberischen Tätigkeiten bald einstellen.

 

=> 13.6.2008

Dienstag

10.6.2008

Mugabe is Dominating

Morgan Tsvangirai wurde nun innerhalb von acht Tagen zum dritten Mal verhaftet, was einen persönlichen Rekord darstellt. Es ist auch kein Wunder, dass der Staatsfeind Nummer Eins täglich Konflikte mit der Exekutiven ausficht, schließlich ist er die personifizierte Demokratie, die Versinnbildlichung des elementaren Guten, der Mann für das Volk, das grausame Instrumentarium einer durch Unzucht mental marodierten Gesellschaft, Gefangener zwischen Rebellion und Chaos. Nun genießt Mugabe ja weiterhin die beinahe volle Unterstützung seiner afrikanischen und asiatischen Freunde und kann daher mit aller Macht gegen den politischen Sieg der MDC vorgehen. Also Politiker inhaftieren, Parteiangehörige verhören und foltern, Wähler erschießen; alles was einem Südafrikaner so Spaß macht. Tsvangirai wird daher termingerecht vor jeder großen Wahlveranstaltung grundlos festgenommen und nach mehreren Stunden wieder entlassen.

Wenn aber Mugabe uneingeschränkter Machtinhaber ist, warum ist Tsvangirai dann noch nicht tot oder verschollen? Und wer hatte überhaupt die beknackte Idee, freie Wahlen unter einer patriarchischen Diktatur zu veranstalten? Den ganzen dämlichen Zirkus hätte man sich doch zu Gunsten vollerer Staatskassen und höherer Einwohnerzahlen auch sparen können?!
Sprich: wenn Mugabe mit größeren kognitiven Fähigkeiten gesegnet wäre (und es gibt oberhalb der 20-Punkte-Grenze im IQ-Test durchaus noch einiges zu entdecken), dann hätte er schon vor Jahren die Pseudo-Demokratie zu Gunsten eines parlamentarischen Feudalismus abgeschafft. Depp!

 

=> 11.6.2008

Montag

9.6.2008

Sachsen wird braun

Bei den Kommunalwahlen im Freistaat Sachsen schaffte die rechtsextreme NPD den Sprung in sämtliche Kreistage, mit einem Landesdurchschnitt von 5,1%. Das sind ganze 159.015 rechtsradikale Wähler. In dem ländlichen Ort Reinhardtsdorf-Schöna heimste sie satte 25,2% ein und liegt damit nur knapp hinter den Freien Wählern mit 26.8%. Dabei hatte die CDU Ende Mai extra noch schnell Finanzminister Milbrandt gegen Tillich (beide CDU, Ha Ha) austauschen lassen. Ersterer war in unschöne Kritiken verwickelt worden, nachdem man ihm die beinahe geglückte Pleite der sächsischen Landesbank anlastete.
Kann man sich trotzdem noch als Normaldeutscher in das Land der Erze und Bergwiesen wagen? Wie muss man sich Ortschaften vorstellen, in denen ein Viertel der Anwohner mit Nazi-Gesinnung herumlaufen? Wieso kann es sich ein Bundesland das hauptsächlich von Tourismus lebt eigentlich leisten eine Partei zu wählen, deren zwischenmenschliche Einstellung maßgeblich für den letzten Weltkrieg verantwortlich ist? Die Sachsen waren ja immer schon merkwürdig, bislang aber eher auf eine komische Art. Jetzt sind sie mir ungeheuer. Dabei sind alle Sachsen die ich kenne relativ umgänglich. Gut, man muss zweimal hinhören, um sie hinter ihrem seltsamen Akzent verstehen zu können, aber sonst…

Die Kommunen mögen verzweifelt sein, ob der immensen Verseuchung ihrer Regierungssitze durch das Geld-gierige Wessi-Pack, das rechtfertigt aber keine Kreuzchen neben Adolf und Co. Ein Gespräch mit meinem sächselnden Arbeitskollegen gibt tiefe Einblicke in die dortige Mentalität: kurz nach der Wende (für alle Geschichts-Muffel, das war so um 1989) fielen die kapitalistischen Wessi-Deutschen über den Osten her wie Helmut Kohl über das dritte Frühstück.
Man versprach dem Osten so kuriose Dinge wie Arbeit, Technologie und Preisstürze. Gut, die Preise für unsere eigenen Arbeitsleistungen sind gestürzt, aber das war eher nachteilig. Gerade in Sachsen wurden sehr viele einflussreiche Positionen durch Politiker aus den alten Bundesländern besetzt, die dann ihre nahen Verwandten und Freunde in die weniger einflussreichen, obgleich immer noch einträglichen, Positionen hievten. So wurde Sachsen zur Hochburg des Postengeschachers, trotzdem kein Bewohner die Typen dorthin gewählt hatte. Inzwischen sind die Anwohner total sauer und versuchen ihre selbstherrliche Regentschaftsriege auszutauschen. Da sich CDU und SPD nur wenig um die öffentliche Meinung scheren, kann man halt nur mit Abwahlen gegen sie vorgehen. DVU, DSU und NPD muss dennoch nicht sein.

 

=> 10.6.2008

Sonntag

8.6.2008

Verlorener Hintergrund

Da mein Wohnort von meinem derzeitigen Berliner Arbeitsplatz durch eine für Radfahrer schier unüberwindbare Distanz geschieden wird, fahre ich beinahe täglich mit der Deutschen Bahn. Daher kenne ich die Geräuschkulisse jenes Transportmittels inzwischen auswendig. Die überlaut klingelnden Taschentelefone, die mit ihrem schrillen Gejammer wohl den Besitzer aus etwaigem Winterschlaf reißen sollen, das unverständliche Gebrabbel der Osteuropäer, die während der knapp einstündigen Fahrt von Berlin nach Frankfurt (Oder) anscheinend ganze Familienfehden bereinigen, zumindest wenn ich Lautstärke und Stimmaggression richtig deute. Die überreifen Frauen mittleren Alters, die innerhalb von fünf Minuten ihre gesamte Lebensgeschichte erzählen, um dann unmittelbar wieder von vorn zu beginnen. Die lärmenden Jugendlichen, die sich über Lehrkörper und Mitschüler gleichermaßen negativ erregen. Französische Feriengruppen, die sich über den gesamten Wagen verteilen und dennoch verlustfrei miteinander kommunizieren. Discojunkies, die ihre Musik auch unterwegs immer auf Konzertlautstärke hören, wodurch auch Mitfahrer im übernächsten Wagon noch problemlos mitsingen könnten, würde nicht ausschließlich Techno und Pop gespielt, was bekanntlich keinen Text beinhaltet, sondern willkürlich zusammen gemixte, elektronische Geräusche. Leibesfüllige Arbeiter die ihr Ernährungsproblem, ganz gleich zu welcher Tageszeit, durch die zusätzliche Aufnahme von Bier und Bratwurst verkomplizieren.
Nicht zu vergessen das permanente Hintergrundrauschen aus leiser Rockmusik, Handytelefonaten, tratschenden Rentnern und raschelnden Zeitungen.

Als ich mich nun zu einer Sonntagsbahnfahrt aufmachte, glaubte ich, die beschriebene Geräuschkulisse in stark reduzierter Form vorzufinden. Ich wurde jedoch bitter enttäuscht, denn das einzige was heute fehlt, ist das Hintergrundrauschen. Alle übrigen Töne sind dafür umso klarer und heben sich gegen die Grundierung aus Stille noch wesentlich besser ab, sind also noch nerviger als sonst. Ist die halbstündige Bahnfahrt normalerweise eine unermessliche audiovisuelle Zumutung, stellt sie sich mir nun als erschreckende Manifestation der intellektuellen Tristesse moderner Bildungsstandards dar, einem Erlebnis, das die Hölle aus direktem Wunsch nach Zuwachs durch Märtyrertum gebar. Hier wird verständlich, warum geistig weniger gefestigte Personen sich vor rollende Züge werfen. Damit die seelische Qual zumindest auf materieller Ebene endlich ein Ende findet. Die Kirche indes verdammt Suizid. Der Papst fährt ja auch nicht Bahn, sondern VW Golf.

 

=> 9.6.2008

Freitag

6.6.2008

Mugabe is on Rampage

Robert Mugabe hat die Arbeit aller ausländischen Hilfsorganisationen in Simbabwe verbieten lassen. Einundzwanzig Tage vor den Stichwahlen zur Präsidentschaft grault er nun die letzten unabhängigen Beobachter aus dem Land, um freie Hand für politische Säuberungsaktionen zu haben. Bereits gestern wurde ein Konvoi britischer und amerikanischer Diplomaten an einer polizeilichen Straßensperre angehalten. Andere Länder, andere Sitten!
Ebenfalls zur Begrüßung dienten wohl auch das Zerstechen der Autoreifen und der freundliche Hinweis, man würde bei Nicht-Befolgen der kommenden Befehle jene Fahrzeuge in Brand stecken. Schließlich hätte man sie auch einfach erschießen können. Aber nein, man blieb, getreu des neuen Regelkodex zur Pflege internationale Beziehungen, freundlich, fuhr die Diplomaten samt Wachschutz zur nächsten Polizeistation und unterhielt sich dort in gemütlicher Runde in einer heimeligen Gefängniszelle.

Mugabe tut inzwischen wirklich fast alles, um für möglichst hohen Unterhaltungswert bei aller abenteuerlustigen Reisenden zu sorgen. Vielleicht sollten wir froh sein, dass es dieses "fast" noch gibt.

 

=> 8.6.2008

Montag

2.6.2008

Bundestagswahl 2009 - Erste Vorbereitungen

Demokratie ist schon eine äußerst schwierige Staatsform. Das beginnt mit der Aufstellung wirksamer Werbelügen und endet mit dem obligatorischen Militärputsch. Die Herrschaft des Volkes über sich selbst funktioniert nur selten nach Plan, selbst Masterbeispiel Schweiz kann da interessante Geschichten erzählen…
Auch wird der Wahlgang im engeren Sinne von vielen Regierungsapparaten missverstanden. Denken wir nur an die Wählertransparenz in Simbabwe, die Parteivielfalt in den USA, die Stimmennegierung in Birma oder die Straßenwahlkämpfe im nahen Osten. Erst gestern wurden in Makedonien wieder Menschen erschossen, weil sie zum falschen Zeitpunkt wählen waren.

Doch selbst wenn Anonymität und freie Wahlmöglichkeit der Urnengänger gewährleistet wird, neigen demokratische Systeme dazu, über den gleißenden Horizont der Realität zu kippen, um auf den Wogen der Arroganz sanft in die dunkle Unendlichkeit zu entschwinden. Das Volk bleibt am Ufer des Seins zurück und badet sich in den trüben Wässern der falschen Versprechungen. Wie schwer man sich mit der Durchführung fairer Parlamentswahlen haben kann und wie stark diese Vorbereitungen vom eigentlichen Regierungsgeschehen ablenken, seiht man momentan täglich in der Presse. So zanken sich in den USA seit nunmehr einem halben Jahr die zwei Demokraten Barack Obama und Hillary Clinton um die nominelle Regentschaft unter den Demokraten. Man badet sich im eigenen Licht, erzählt unterhaltsame "was-wäre-wenn-Geschichten und bewirft sich gegenseitig mit Schmutz, während Texas Ranger Bush das Land durch die Sehenswürdigkeiten einer politischen Krise führt. Das Volk wünscht sich indes weniger Zank bei erhöhter Integrität, was nicht fruchten kann, weil man Wählerstimmen traditionell nur mit hektischen Gebärden anzieht.

Schwenken wir nun den Blick auf meine momentane Heimat, das mitteleuropäische Krisenzentrum der Demokratie, Deutschland. Die Möglichkeit zwischen noch mehr Parteien noch freier auszuwählen drängt viele Politiker zu verzweifelten Strategien. Sie rudern wild mit den Gliedmaßen, versprechen Steuersenkungen, Vollbeschäftigung, bessere medizinische Versorgung, erhöhte Bildungsstandards, mehr Sicherheit, mehr Kinderbetreuung, höhere Lebensqualität, mehr Volksnähe. Mehr, mehr, mehr. Höher, schneller, weiter. Dabei wetteifert man mit konkurrierenden Parteien um das großartigste Konzept und lässt die Realität weit hinter sich. Dieses ganze Gezänk startet etwa ein Jahr vor den Bundestagswahlen. So diskutieren die Parteispitzen schon jetzt über mögliche Koalitionsprogramme und die Neubesetzung diverser Ämter.
Als nächstes steht die Wahl des Bundespräsidenten ins Haus. Amtsinhaber Horst Köhler hat sich zwar bereit erklärt den Posten erneut zu besetzen, die SPD kam jedoch nicht umhin einen eigenen Kandidaten zu nominieren. Natürlich reicht es nicht aus, Gesine Schwan einfach aufzustellen und auf positive Reaktionen zu warten. Nein, da wird diskutiert und geschachert, Meinungen umverteilt und in Verbindung mit den hinten anstehenden Bundestagswahlen 2009 gleich noch ein paar Zugeständnisse gemacht. Diesen ganzen Rummel sieht auch der politische uninteressierte Bürger und er weiß eines mit absoluter Sicherheit: während das Parlament um einzelne Ämter streitet, bricht der Prozess zur Gesetzbildung komplett ab. Konstruktive Vorschläge zur Umstrukturierung deutscher Rechtsprechung sind frühestens in zwei Jahren wieder zu erwarten, wenn man sich bis dahin auf eine funktionsfähige Regierungskoalition einigen kann.
Wen wundert es noch, dass dabei eine steigende Politikerverdrossenheit einsetzt, die selbst Zustände zu Erichs besten Zeiten übertrifft. Der Bürger hat kaum Einflussmöglichkeiten auf jene Ränkespiele der Mächtigen, er wird zum Zuschauer degradiert; der seine eigene Entmündigung beobachtet.

Unser Politikum verliert sich in Nichtigkeiten und wird damit handlungsunfähig gegenüber jedem noch so simplen bürgerlichen Bedürfnis. Doch es gibt Hoffnung. In der Mitte der Chaos-Manege steht die Direktorin des deutschen Wahlzirkus Angela Merkel und mahnt: Wir haben vom Wähler einen Regierungsauftrag erhalten und haben die Pflicht, diesen auf die bestmögliche Art zu erfüllen. Diese Koalition hat viel zu tun."
Also los! Hinauf die Akrobaten, an die Trapeze der Wirtschaft. Huber erwehrt sich seinen fleischlüsternen Gläubigern, Seehofer balanciert auf dem grauen Schimmel der Vertretbarkeit, Gabriel lässt sich wiederholt aus verschiedenen Kanonen schießen und Kurti Beck verbreitet gute Laune. Das wird sich doch wohl noch vierzehn Monate durchhalten lassen?

 

=> 6.6.2008

Samstag

31.5.2008

Iiih, Sommer!

Es ist Sommer und das ist im ausgehenden Frühling kein positiver Zustand. Dass die Temperaturen seit langem stetig überhöht sind, ist so gut bekannt wie die ministerielle Kurzsichtigkeit, wodurch die immensen Pro-Klimakollaps-Programme unserer Regierung (Kohlekraft, Fahrzeugbau, etc.) umso unverständlicher werden. Unsere mitteldeutsche Kulturlandschaft kämpft nunmehr nicht mehr nur gegen anthropogenen Nießnutz und Alienarten, sondern auch mit Zeitverschobener Knospungs-, Blüte-, Frucht- und Brutperioden. Insekten finden ihre Nahrung nicht, weil sie zum Zeitpunkt der Verpuppung längst verblüht ist. Räuber strukturieren ihr Beutespektrum um. Kuckucke finden Jungvögel anstelle von Eiern in fremden Nestern. Bestäuber verpassen ihre Blüten...

Eigentlich sollte jetzt ein stark erhöhtes Interesse am globalen Umweltschutz einsetzen, stattdessen wird für die entsprechenden Umwelt-Organisationen (NGO) alles schwieriger. Die Europäische Union verliert sich in der Neudefinition von Richtlinien. Während lokale Aktivisten auf ihre bescheidenen Zuwendungen warten, strickt der EU-Rat zusammen mit den Landesregierungen an neuen alten Konzepten zur Verteilung kaum vorhandener Finanzen. Selbst Projekte die seit Jahrzehnten laufen, geraten durch den anstehenden Papierkrieg in Bedrängnis.
Zeitgleich setzt man aktualisierte Agrarprogramme kommentarlos um, obschon sie im Kern nur eines bewirken: Landbesitzer und Pächter werden fürs Umpflügen bezahlt. Die Ausbringung von Saatgut und damit verbundene Ernährung von Menschen ist erst einmal völlig nebensächlich. Unter der momentanen Versorgungssituation ist das vielleicht nicht jedem sofort verständlich.
Nach den neuen Agrarrichtlinien sollen Brachflächen jetzt maschinell umgerührt und dadurch landwirtschaftlich erhalten werden. Sicher bedarf Kulturland der kulturellen Pflege, aber Traktor fahren stellt hier sicher nicht das Optimum dar. Lokale Landschaftskenner behaupten gar, die Neuregelung führe zu einer massiven Verschlechterung der ökologischen Situation. Ihre eigenen Beobachtungen und Projektvorschläge, die seit Jahrzehnten von den zuständigen Ämtern ignoriert werden, postulieren die Vorzüge von Handarbeit im technischen Bereich der Landschaftsgestaltung. Wenn man sich entsprechend vergegenwärtigt, dass diese Menschen nicht nur freiwillig, sondern auch mit großer Schaffensfreude bei gut 30°C im Sonnenlicht stehen und ganze Bergwiesen von Hand sensen, wird die Begeisterung und Geldnot jener Aktivisten umso unverständlicher. Wie kann man derlei körperliche Anstrengungen zu seinem Hobby, ja einer Passion erwählen? Steckt dahinter wirklich nur der Wunsch die natürliche Wunderwelt für uns alle und unsere Kinder zu erhalten, oder hat das alles vielmehr mit der erhöhten Sonneneinstrahlung und daraus resultierenden Gehirnaktivitäten zu tun?

Doch auch für den Alltag des ordinären Unterschichtmenschen hat der verfrühte Sommeranfang schreckliche ästhetische Konsequenzen. Täglich werden die Röcke kürzer, die verkrampfaderten Beine länger. Frauen entblößen ihre molligen Körper, Männer ihre borstigen Stachelbeerbeine, offenbar auf der Suche nach gleichaltrigen Stachelschweinen. In bunten Badeschlappen krümmen sich runzlige Frauenfüße, vom Tragen hochhackigen Schuhwerks grotesk deformiert. Schlaffe Schultern tragen schwartige Ärmchen. Viele entblößen gar ihren Wanst samt Speckrolle.
Selbst in komplett bekleidetem Zustand machen die Weibchen oft eine erbärmliche Figur. Nie würden sie eingestehen, dass sich 20 kg Gewichtszunahme auch optische auswirken und so quellen eben genannte Körpermerkmale aus der Knopfleiste viel zu eng geschnittener Blusen hervor. Fußballgroße Fettpolster wabern nebulös aus halboffenen BHs der Größe D++ hervor. Hautenge Hosen zeichnen detaillierte Komplettprofile der rektalen Erkennungsmuster, den Ballonartigen Sitzkissen, die bei jedem Schritt offener Schauplatz des radikalen Krieges zwischen Anziehungs- und Fliehkraft unserer Erde sind. Jene Bewegungsabläufe, die außer der monumentalen Inszenierung, so gar nichts mit der Lokomotion von Peter Jacksons Ollifanten gemein haben, sind nachweislich für viele sommerliche Suizide männlicher Bahnfahrer verantwortlich und werden dennoch nicht von aktualisierten Ausläufern der Genfer Konvention geächtet.
Vom negativen Einfluss ramschender Modeboutiquen ganz zu schweigen. Aus mir unbekannten Gründen scheinen immer nur Kleidungsstücke der Größen S und XS vorrätig zu sein, denn Frauen die Kleider in ihrer Größe tragen, sind selten. Eher zwängen sie sich in eine enge Pelle, was ihre Mitmenschen stets physisch und mental stark belastet. Ich glaube ja, dass Modediscounter, Deutsche Bahn und Lebensrettung e.V. eine geheime Initiative zur Vernichtung der Männer erweckt hat, ein Komplott gegen das Leben und die Schönheit.

Jedenfalls freue ich mich auf den Herbst, wenn die körperliche Entblößung dank sinkender Temperaturen dem Mantelzwang weicht.

 

=> 2.6.2008

Freitag

30.5.2008

Ode an eine Kanzlerin

Man kann unsere Kanzlerin mögen oder auch nicht, ihre eigene Meinung scheint sich an derjenigen der Öffentlichkeit nicht zu stören. Mir persönlich ist sie lieber als Schwarzkassenführer Kohl oder Überchef Schröder. Immer noch weit entfernt vom optimalen Kanzler, aber immerhin tut sie den Mund auf und sagt was ansteht, wobei sie die Außenhandelspolitik gern mal ignoriert. Unseren Frank-Walter bringt das vermutlich regelmäßig zum Überkochen, in meinen Augen ein weiterer Pluspunkt für Frau Merkel. Diese kompromisslose Öffentlichkeitsarbeit hat leider auch eine Schattenseite: ihre politische Doppelzüngigkeit. Heute noch spricht sie sich für einen massiven Emissionsabbau im Straßenverkehr aus, morgen schon wird sie aber die deutsche Automobilindustrie unterstützen wollen. Ihre Äußerungen sind im Durchschnitt wirklich gut, lassen sich aber in kein stimmiges Gesamtkonzept einfügen.

Wenn sie ihre Reisefreiheit behalten will, sollte sie sich schleunigst für eine Seite der Macht entscheiden, sonst endet sie auf derselben Ersatzbank wie ihre Vorgänger.
Einen guten Anfang hat sie gestern gemacht. Zum Start der UN-Naturschutzkonferenz in Bonn sicherte sie zu, von 2009 bis 2012 weitere 500 Millionen Euro für den Erhalt der Artenvielfalt aufzuwenden, speziell auch für Projekte im Regenwald. Damit setzt sie ein deutliches Zeichen für andere Industriestaaten. Denn egal wie viele Schulden man bereits hat, für unsere Umwelt sollten immer noch ein paar Euro übrig sein.
Inkonsequenz und Parteizugehörigkeit machen Angi weiterhin zu einer zweiten Wahl im Kanzleramt, aber allemal besser als Schröder, Lafontaine oder Beck.

 

=> 31.5.2008

Donnerstag

29.5.2008

Tod der Streubombe!

Krieg ist scheiße. Das wissen nicht nur Marilyn-Mansion-Fans, sondern auch viele Abgeordnete aus diversen Ländern dieser von Krisen geplagten Erde. So wurde nun ein Abkommen unterzeichnet, das Streubomber für ganz besonders scheußlich erklärt und dessen Anwendung im internationalen Zwist ächtet. Das abscheuliche an Streubomben ist die flächendeckende Zerstörungskraft, die schon beim Abwurf weniger Bombenkörper große Gebiete mit dem Schrecken des Krieges belegt. Durch die geringe Zielgenauigkeit zerstört sie oft zivile Gebäude in hoher Anzahl.
Dabei explodieren 10 bis 40% der Sprengköpfe gar nicht, sondern liegen hernach als Blindgänger, also als mehr oder weniger gefährliche Mienen in der Landschaft herum. Daher haben jetzt 105 Staaten den Einsatz dieses Machtinstruments verurteilt und verboten. Dass Staaten wie USA, China, Russland oder Israel auf internationale Ächtung pfeifen, wissen wir, So verwundert es auch nicht, dass diese Kriegstreiber, die zufälligerweise auch die größten Produzenten dieser Waffen sind, nicht an den Diskussionen teilnahmen.

Krieg ist ein einträgliches Geschäft. So lange das groß angelegte Morden Arbeitsplätze und Steuereinnahmen sichert, werden sich jene Großindustriellen schwer tun mit der Verurteilung von Massenvernichtungswaffen. Wer also absichtlich Unschuldige töten will, geht einfach zur US Air Force, die machen das gern.
Ich halte die Ächtung von Streubomben für einen schönen Schritt in Richtung Weltfrieden, obschon einige Länder mit dem Begriff "Frieden" einfach nichts anfangen können. Als nächstes hätte ich gern eine Verurteilung von Nuklearwaffen. Wer macht mit?

 

=> 30.5.2008

Sonntag

25.5.2008

Milchbauern im Streik

Unsere Lebensmittelpreise sind ein Produkt aus EU-Subventionen und kapitalistischer Marktwirtschaft. Letztere bestimmt die Abnehmerpreise für die Erzeuger und steht seit Jahren in harter Kritik, da sie immer weniger Geld für steigende Fördermengen bezahlt, also quasi reziprok zum Rohölmarkt. Der Bauernverband beschloss, dass damit nun Schluss ist und tritt mit seinen Milchbetrieben ab sofort in eine unbefristete Streikphase ein. Für die Bauern heißt das, dass sie nicht mehr um 5 Uhr aufstehen, die Kühe in die Melkanlage treiben, beim Melken zusehen, den Milchtankerfahrer begrüßen und die Kühe anschließend beim Fressen beobachten. Vielmehr stehen sie jetzt um 5 Uhr auf, treiben die Kühe ich die Melkanlage, sehen ihnen beim Melken zu, treiben den Milchtankerfahrer vom Hof und beobachten die Kühe anschließend beim Fressen. Das Leben als Agrarökonom ist also weiterhin anstrengend, wird aber in den kommenden Tagen noch schlechter, also gar nicht, bezahlt.

Angestrebtes Ziel ist eine faire Entlohnung für die unfaire Ausbeutung der Kühe. Dafür sollen rund 90% aller gewerkschaftlich organisierten Milchlieferanten sorgen. Den übrigen ist ihr Sold egal, vermutlich weil EU- und Bundesrichtlinien die Betriebe ohnehin finanziell am Leben erhalten. Wir werden sehen, ob das organisierte Nichtstun einen relevanten Einfluss auf die Preispolitik deutscher Molkereien hat.

 

=> 29.5.2008

Freitag

23.5.2008

Brenne, Stern des Südens!

In Südafrika bricht seit einiger Zeit eine Welle ausländerfeindlicher Gewalt los, die von ferne an die ursprünglichen Stammeskriege vor zweihundert Jahren erinnern. Die durch Regierungskrieger kaum gebremste Rage richtet sich hauptsächlich gegen Einwanderer aus Simbabwe und Mozambique, die nach einheimischer Meinung Arbeitsplätze und Wohnungen besetzen die eigentlich Südafrikanern zustehen. Es handelt sich also eigentlich um Interessenvertretungen wie es sie auch zuhauf in Deutschland gibt, nur eben etwas ausgeprägter. Auch ist dort das verlorene Einkommen weitaus geringer. Denn während man in der Bundesrepublik von 800 Euro im Monat auf 350 Euro Arbeitslosenhilfe hinabsteigt, fällt der gemeine Südafrikaner von einem 100-Euro-Niveau im freien Fall auf den Null-Euro-Boden, was in der Regel mit dauerhafter Armut und/oder Hungertod endet.
Da stehen die nun Armen auf der Straße und streiten sich mit den noch ärmeren um schlecht bezahlte Jobs. Unter Zuhilfenahme von Argumentverstärkern wie Brandbomben, Knüppeln, Stich- und Schusswaffen befreien die Ärmsten ihre ersehnten Arbeitsplätze von der ausländischen Besatzung, Hausverbrennung inklusive.

Inzwischen ist selbst der simbabwische Präsidentschaftskandidat Morgan Tsvangirai so beunruhigt, dass er eine zeitnahe Abreise und Rückkehr in seine Heimat erwägt. Wenn selbst ein Oppositionspolitiker aus Simbabwe, der täglich mehrere Morddrohungen erhält, seine Zweitheimat verlässt, muss die öffentliche Gewaltinszenierung schon erheblich sein. Tsvangirai jedenfalls lässt sich lieber daheim inhaftieren als in Südafrika massakrieren. Wenn das mal kein Zeichen von politischem Weltblick ist.

Mehr als 20.000 Menschen mussten bereits in benachbarte Staaten fliehen, weitere 30.000 hausen in Flüchtlingslagern im Heimatland. Wenn einem nun die historische Situation ein wenig bekannt ist, merkt man schnell, dass die Flüchtlinge nicht viele Möglichkeiten auf bessere Lebenssituationen haben. Im Interesse der Afrikanischen Sicherheit wäre daher ein baldiges Ende der Konfrontationen wünschenswert, was nur durch Sieg über Hunger und Korruption gelingen kann. So aussichtslos dies Unterfangen scheinen mag, die Afrikakrise ist lösbar. Packen wir's an!
 

=> 25.5.2008

Donnerstag

22.5.2008

Hurra, Diploma!

Die relativ monotone Arbeit bei ExpressDia zehrt sehr an meinem akademischen Intellekt. Nie war diese Erkenntnis so deutlich spürbar wie am heutigen Tage, da ich endlich mein Diplomzeugnis vom Prüfungsamt abholen konnte. Weil letzteres freilich nur tagsüber für Besucherverkehr öffnet, baue ich heute mal acht Überstunden ab, d.h. ich nehme mir frei.
Die Übergabezeremonie gestaltet sich gewohnt langatmig, denn es gilt auch heute, diverse Formulare zu unterschreiben und die Akte erneut durchzusehen. Kernstück der Aktion ist ein schmuckloser Papierbogen, ohne Wasserzeichen oder sonstige Originalität, dafür mit zwei Krakeln von Mitgliedern des Prüfungsausschusses versehen.
Nach gut 20 Minuten beendet Frau M. die Prozedur, nicht ohne sich noch einmal über die Unübersichtlichkeit der Bachelor-Studiengänge zu beschweren, und entlässt mich in die weite Welt der freien Wissenschaft. Dies freut besonders die Heerscharen von Studenten die bereits vor dem Büro campieren, um ihre persönlichen Beratungsgespräche zu empfangen. Ich verabschiede mich zum hoffentlich letzten Mal von diesem Szenario und begebe mich zum Seminarraum der Paleontologie, wo Dr. Seibertz gleich seinen Kurs zum Geoökotourismus abhalten wird.

An der Ausstattung des Lehrraums hat sich seit dem letzten Jahr nix geändert, nur die Zuhörerzahl ist um etwa zwei Drittel gesunken. Dem früheren Betreuer meiner Diplomkartierung macht das nichts aus, er scheint sich gar über mein Erscheinen zu freuen, erteilt mir aber auch noch eine persönliche Rüge bezüglich der teilweise mangelhaften Umsetzung seiner Ideen im Endprodukt unseres gemeinsamen Schaffens. Der Kartierbericht enthielt leider bis zum Schluss einige kleine Fehler, die ich auch hätte vermeiden können. Eckbert zitiert hierzu erneut Altmeister Gandalf, der da einst sagte: "Ecki, deine erste Diplomarbeit war immer noch die beste." An dieser Stelle sei "Ecki" noch einmal für seine Hilfe gedankt.
Im Anschluss an die Vorlesung unterhalte ich mich noch ausdauernd mit Kerstin, die so wie ich auf der Suche nach einer akademischen Karriere ist und nur noch für den Geoökotourismus nach Lankwitz kommt. Die Konversation mit ihr verläuft sehr viel erfreulicher als zum Beispiel mit Herrn Nilson, da nun die volle Last unseres gehobenen Bildungsstandes zum Tragen kommt. Es gibt keine freien Halbsätze, bezugslose Wortgruppen oder argumentationsfreie Behauptungen. Stattdessen werden komplette Gedankengänge präsentiert und National Geographic bildet nicht länger das Maximum sondern den Boden des literarischen Anspruchs.
Von zeit zu zeit ist die informationsfreie Verbalmonotonie des Springer-Verlags ganz witzig, auf Dauer jedoch verdrängt sie jeden sprachlichen Stimulus. Daher freue ich mich ganz besonders darüber, heute mal wieder ein Gespräch auf akademischem Niveau zu führen, obwohl keiner von uns derzeit diskussionsbedürftige Projekte behandelt. Je eher ich wieder einem geregelten Studium nachgehe, desto mehr Synapsen werden dem intellektuellen Holocaust entkommen. Das heißt für mich, mehr Bewerbungen zu schreiben, damit die Fakultäten dieser Welt endlich mein überlegenes Genie als ihrer Unterstützung würdig erkennen.

 

=> 23.5.2008

Mittwoch

21.5.2008

Reader's commentary to the National Geographic special issue of May 2008

Let's get straight to the point as I'm no friend of knitting long stories even longer. China's environment is threatened by the country's incredible hunger for economic growth. Rivers get drained or polluted, every month whole settlements are moved, people get displaced, imprisoned, shot, hungered to death by the lies of unity. The people suffer for the growth of Chinese industry, from which only few men gain improvements for their life. The unexpected economic boom threatens China's future as the environmental toll becomes bigger every day; and gets ignored by the officials. Economists warn from political crises and eventual collapse, should industrial growth slow down or even stagnate. They might be as wrong as those specialists who foretold a weak economy for communism some ten years ago. Can China risk to loose half of its rural population to cancer, epidemics and starvation? Shouldn't it cut back industrial waste instead?
The yellow river has grown very colourful in recent years, due to highly poisonous chemicals from unchecked factories. Unfortunately the same reasons are responsible for a slowing of Huang He and its dramatic loss of water volume. Former glory of China's lucky river has been slaughtered by commercial intentions.
Now the consequences drawn by a society oriented for a prosperous community might be to reduce lethal pollutants via industrial revolution and filling up the rivers with clean water instead. China highly contrasts this option with mammoth projects of draining clouds and rivers to refill Huang's dried bed. These projects are both short sighted and harmful for every aquifer in eastern Asia. The water does not come out of nowhere, but drains other regions of China and its neighbours. All the rain forced to drop down in Tibet by injections of silver iodide will be missed somewhere else. The Water Transfer Project will obviously create problems in its drainage region and of course Beijing's thirst for water won't decrease, once a permanent water flow from the South has started. Building up environmental risks and than shifting them while they grow ever larger won't solve the lethal situation but worsen it.

When all of the rural people are starved, backstabbed by your wish for wealth, than who will continue producing your money? Now is the time to change. Stop the shuffling and shifting, the raping of nature! Start to rethink your current missions to offer the Chinese inhabitants the help that has been promised years ago. Redirection of water flow costs billions of dollars a year while creating very bad long-time effects. But put that money into structural modernisation and it will result in ongoing positive effects.
What threatens me most about China is the sheer number of 1.3 billion people manufacturing high tech products with low tech equipment. They rob their land of anything worth selling, be it coal, metal or endangered animals and sell it away, getting merely nothing in return. They copy new techniques and rebuild them Chinese style to make the products for one tenths the cost and twenty times the problems. If the current path of ignorance is continued this will leave China with nothing left but memory of a good living, because when all the riches are sold, only cold ashes remain. Chinese give themselves away freely, without questioning intentions. But if you keep on giving without asking for costs, this will one day make you a slave of your own nebular vision.

 

=> 22.5.2008

Dienstag

20.5.2008

Europa investiert in seine Angler

Ich bin immer wieder erstaunt, wie leicht die Europäische Union Gelder für nicht gemeinnützige Projekte bereitstellt. Vor einigen Jahren haben Deutschlands Fischer bemerkt, dass die Anzahl der gefangenen Aale doch etwas rückläufig ist, sie aber gern wieder mehr Aale angeln würden. Logische Reaktion der Europäischen Union war die Bereitstellung finanzieller Mittel zur Aufzucht und Freisetzung junger Aale. Das mehrere zehntausend Euro teure Projekt wird zu 80% von Bund und Land bezahlt, die Fischereiverbände müssen allerdings die restlichen 20% zuschießen. All das Geld wird ausgegeben, damit die Verbände mehr Aale töten können.
Betrachten wir die Mission mal ganz objektiv: Die EU finanziert die Aufzucht von Tieren, setzt sie aus und ein paar Deutsche töten diese Tiere dann wieder. Es ist doch wohl schlimm genug, dass zehntausende Europäer die Ermordung von Fischen als ihre liebste Freizeitbeschäftigung erachten. Jedem Menschen mit sozialer Kompetenz oberhalb eines Dieter Schwarz sollte davon doch zumindest ein wenig angeekelt sein. Aber die EU duldet diese Typen nicht nur, sie bezahlt auch die künstliche Vermehrung ihrer Beute.

Überhaupt, Angler! Was sind das für Wesen, die sich angeblich an der Schönheit eines Tiers erfreuen und ihm dann dem Bauch aufschlitzen? Wo ist da die Grenze zum Geistesgestörten? "Ich mag diese Frau, die bringe ich um", unterscheidet sich gar nicht so sehr vom allgemeinen Realitätsverständnis gewöhnlicher Angler. Solang die Begabung zur Sprache die einzige Fähigkeit ist die den Menschen aus der einigen Tiermasse heraushebt, sollte das Töten von Tieren meiner Meinung nach nicht durch die Europäische Gemeinschaft gefördert werden.

 

=> 21.5.2008

Montag

19.5.2008

Wem Buddha mit Besuchen droht (4)

Seit Donnerstag ist der Dalai Lama zu Besuch in Berlin und wird heute tatsächlich auch von einem Vertreter unserer Regierung empfangen. Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul ist das einzige Vorstandsmitglied unseres Abgeordnetenhauses welches mit dem geistigen Führer Tibets sprechen will. Und als wenn diese Ignoranz nicht schon beschämend genug wäre, wird Frau Wieczorek-Zeul von allen Seiten unserer Volksvertretung gegängelt.
Anscheinend hatte man hinter Merkels Rücken, die momentan eine Dienstreise in Südamerika verbringt, ein Interaktionsverbot über Buddhas Jünger verhängt und vergaß, die Entwicklungsministerin zu informieren.

Während nun der Dalai Lama vor dem Brandenburger Tor seine Vorstellungen für eine bessere Welt verkündet, starren die Bewohner der chinesischen Botschaft mit einer Mischung aus Furcht und Hass aus dem Fenster, in der Hoffnung ein Meteor möge die Szenerie verschlingen.
Außenminister Frank-Walter Steinmeier verspürt derweil den Drang dezent zu explodieren, mehrmals aus dem Dienstzimmerfenster zu hüpfen, Ministerin nebst Lama in der Luft zu zerreißen und Tibet auf ewig von der Landkarte zu streichen. Da hat er nun nach einem halben Jahr fast wieder freundschaftliche Beziehungen zu Ostasien hergestellt und dieser Robenträger zerstört die neue Freundschaft mitsamt den daran hängenden wirtschaftlichen Verbindungen in wenigen Stunden. Monatelang hat er sich eingesetzt für Kommerz und Völkerverständigung, hat sogar angeboten in der zwischenmenschlichen Krise zu vermitteln. Nun kommt dieser gewaltlose Prediger daher und verbreitet die unbelegbare Meinung, die angestrebte Konfliktlösung erfordere einen chinesisch-tibetischen Dialog. Was bildet der sich ein?

SPD-Freund Kurt Speck ist ähnlicher Ansicht, bezeichnete das Treffen gar als "Scheiß". Aber der liebenswürdige SPD-Vorsitzende genießt eh Narrenfreiheit. Er ist aufgrund permanenter Unzurechnungsfähigkeit an eine politische Abseitsposition gewöhnt.
Ist es nicht unerhört wie sich Tibet in die deutschen Handelsbeziehungen einmischt? Wie das so mühsam errichtete Kartenhaus Steinmeiers durch einen Hauch von Völkerverständigung zerfällt?!

Nachbemerkung/Interpretationshilfe:
Unsere Bundesregierung hat Tibet Hilfe zugesprochen und Chinas Vorgehen öffentlich kritisiert. Wenn aber der Kommunismus direkt zuschaut und mit dem Portemonnaie droht, weicht die anfängliche Solidarität einem leisen Zischeln. Deutschlands Machthaber ziehen Kopf und Schwanz ein wenn es um die Konkretisierung ihrer Vorstellungen geht. So laufen Frank-Walter und Kurti nun im Schildkrötenpanzer durch die Politlandschaft und rempeln jeden Demokraten um.
Angeblich will man die Verständigung zwischen den beiden Konfliktparteien forcieren. Die momentanen Ereignisse lassen jedoch vermuten, dass dies ohne Dialogbeteiligung Tibets geschehen soll. Und Dialog ohne mindestens zwei Parteien klingt mir ziemlich unglaubwürdig. Das Thema Menschenrechte bringen wir auf diese Weise jedenfalls nicht ins Gespräch.

 

=> 20.5.2008

Samstag

10.5.2008

Der zahnlose UNO-Tiger und die Sinnlosigkeit des gezeichneten Vertrages

Vor Anbeginn des Informationszeitalters wurde unter internationaler Aufsicht ein weltumspannendes Agglomerat aus friedliebenden Ländern geschlossen, das fortan für Frieden und Sicherheit allüberall eintreten sollte. Die United Nations Organisation (UNO) sollte sich intern gegenseitig, später auch ihre Nachbarn überwachen, um Gewalteskalationen zu verhindern. In einer späteren Charta der Vereinten Nationen wurden sogar Menschenrechte und ähnliches Gedankengut zu erstrebenswerten Zielen ernannt. "Die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit ist ein zentrales Ziel der Vereinten Nationen", heißt es da auf der deutschen Internetseite [http://www.unric.org/index.php?lang=de].

Allerdings kann man in unserer heutigen Welt niemanden über die Landesgrenzen hinaus seine eigenen Vorstellungen von Menschenrechten, Menschlichkeit, Meinungsfreiheit oder Umweltbewusstsein aufdrängen. Zumeist nicht einmal mit Waffengewalt. Gerade in diesem Punkt hat Deutschland ja einen reichen Erfahrungsschatz anzubieten. So ist es weiterhin unmöglich, abseits von wirtschaftliche Sanktionen und interkontinentalen Diskussionsforen Einfluss auf den Erhalt der Menschlichkeit zu nehmen.
Wenn also China vom Niederschlagen tibetischer Aufständischer zum Niederschießen übergeht, wenn Simbabwe Oppositionswähler foltert und erschießt, wenn Birma Hilfsgüter beschlagnahmt und sein Volk dahinsterben lässt, wenn also das Thema Menschenrechte unter dem breiten Stiefel der Korruption zermalmt wird, dann kann keine internationale, von menschlichen Grundrechten motivierte Gruppe zur Rettung dieser Menschen einschreiten, da technisch gesehen die Sicherheit der politischen Nachbarn nicht unmittelbar bedroht ist.
Handelsembargos wären demnach die einzige Möglichkeit der jeweiligen Regierung zu zeigen, dass die durch Ministerien längst ausformulierten Drohungen wirklich ernst gemeint sind. Allerdings scheinen alle Handelswege in China zusammenzulaufen und wer China mit Sanktionen belegt, nimmt selbst den größeren finanziellen Schaden. Das Milliardenland hat ein jährliches Exportvolumen von beinahe einer Billion Dollar und quasi jeder Industriestaat profitiert von de n unglaublich niedrigen chinesischen Preisen.

Was folgt daraus? Die UNO ist nicht fähig in die birmesische Krise einzugreifen, ihre Mitgliedsstaaten sind nicht willig. Für die hungernde Bevölkerung Birmas bedeutet dies einen qualvollen Tod durch Hunger und Seuchen. Aber kümmert das jemanden? Unsere Renten sind sicher!

PS.: Wenn ein Präsident unverhohlen zum Kampf gegen Oppositionswähler aufruft, warum genießt er dann weiterhin Mitgliedschaft und Mitspracherecht in einer Friedensorganisation?

 

=> 19.5.2008

Freitag

9.5.2008

Die Grenzen der Satire

Ich brüte gerade über der Revision meines ersten Tagebuchskriptes und stelle fest, dass ich zu jedem Familienmitglied ein paar sarkastische Bemerkungen offeriert habe. Nur eine fehlt, meine große Schwester Juliane. (Wir nennen sie große Schwester obwohl ich nachweislich und ohne Eigenlob definitiv in jeder Hinsicht in dieser Familie der Größte bin. Juliane ist nur einfach größer gewachsen als meine zweite Schwester. Geistige Größe zeigt sie jedoch nicht, denn ihr mentaler, weltpolitischer Stand bewegt sich gemeinsam mit der Krabbelgruppe die sie im Kindergarten trainiert.)

Dass ich bisher nix über sie nieder schreiben konnte, hat einen simplen Grund: sie ist einfach nicht lustig. Bei jedem anderen kann ich Fehltritte und Überreaktionen mit Hilfe eines sarkastischen Kommentars auf das Niveau von Satire hieven, bei Juliane aber ist das völlig unmöglich. Sie ist eine bornierte, egozentrische Egomanin ohne Weitblick oder Anteilnahme am Leben Dritter.
Sie hat ihren eigenen internen Regelkatalog bezüglich des maßvollen Verhaltens der Außenwelt gegenüber ihrem mentalen Zentrum aufgestellt und spricht jedem Hass und Hohn der an ihrem Schreberzaun der privaten Gerechtigkeit zu kratzen versucht. In ihrem Geiste ist kein Platz für die Ideen anderer, weshalb es in ihrem Wahrnehmungsbereich nur drei Sichtfelder gibt: Wohlwollen, Antipathie und Ignoranz.

Feld 1 wird durch ihre Tochter belegt. Und durch stoisch geistesabwesende Mitmenschen die auch ohne musikalische Hinterfütterung gern mit dem Kopf nicken. Hier findet Juliane ihre Freunde, geistesabwesende Ja-Sager.
Feld 2 nehmen Menschen ein die ihr widersprechen und an den Grundfesten ihrer Fantasiewelt zu rütteln suchen. Wer Julianes Ansichten nicht teilt, wird Spott ernten, denn sie selbst ist so diskussionsoffen wie Wladimir Putin wenn es um die Abrüstung interkontinentaler Raketen geht. Selbst Schorsch Bush stieß mit seinem durch Erdöl motivierten Irak-Krieg auf mehr Gegenliebe als ich, wenn es mich drängt ihren Umgang mit der Weltpolitik zu kritisieren.

Wer mehr als zweimal pro Tag widerspricht gerät schnell ins Abseits und wird eilig ins Feld der Ignoranz abgeschoben. Dort angekommen wird man zwar von meiner Schwester noch wahrgenommen, gilt aber nicht mehr als Organismus mit der Fähigkeit zur Meinungsbildung, sondern eher als Objekt, ein physisches Hindernis auf dem Weg durchs Märchenland. Ich erreichte diesen Status durch die Erkenntnis, dass physischer Reichtum nur bedingt mentalen Mehrwert erzeugen kann; was bei Juliane freilich nicht auf Gegenliebe stößt, denn ein Mensch ihrer geistigen Kapazität errichtet ihr Reich ausschließlich auf finanziellen Werten.
Man wird hier schon noch als Individuum erkannt, gilt aber eher als leere Hülle, etwa wie Ex-Bundesfinanzminister Hans Eichel bei der Wirtschaftsprüfung. Zum Beispiel bin ich seit über einem Jahr Vegetarier, dennoch bietet mir jene mental geschundene Frau auf einem familiären Grillabend ohne Rücksichtnahme einen Teller mit Fleisch und Wurst an. Weil sie mich nur als am Tisch sitzende Gestalt erfasst.

Das ganze hat glücklicherweise auch einen positiven Aspekt (man soll ja immer auch die Vorteile sehen). Wenn ich einen Repräsentanten für den Durchschnittsbürger der Mittelschicht suche, beispielsweise um Meinungen über Konsum oder Politik einzuholen, werde ich schnell fündig. Meine große Schwester fährt dreimal im Jahr in den Urlaub, darunter mindestens zwei Flugreisen und mindestens eine außerhalb Europas. Sie hat in unserer Familie das mit Abstand höchste Haushaltsnettoeinkommen und gibt am wenigsten für Grundnahrungsmittel aus. Sie kauft alle zwei Wochen neue Schuhe und schmiert sich die billigste fettarme Margarine aufs Brötchen. Für ein jedes Frühstück erwirbt sie ein Stück Kuchen, fährt zum Tanken aber nach Polen.
Billigpreise, Kleidungswahn, Flugreisen und kein einziger Gedanke an die globalen Konsequenzen. Glücklich sein um jeden Preis. Der typische Deutsche!
Und genau darum kann ich sie nicht zynisch darstellen, denn eigentlich ist diese Persönlichkeit viel zu traurig um lustig sein zu können. Kurt Tucholskys schrieb dereinst: "Satire hat auch eine Grenze nach unten." Er hatte Recht. Ich sehe den Beweis wöchentlich daheim.
 

=> 10.5.2008

Mittwoch

7.5.2008

Sprachverluste

Es ist zu beobachten, dass Menschen aufgrund von reduzierter oder umgestellter Gehirnaktivität ihren erlernten Wortschatz um einige wichtige Begriffe wie Generalanzeiger, Harmonie, Rabattpauschale oder Aortenaneurisma erleichtern müssen. Dies kann durch Altersbedingte Demenzen induziert werden oder, bei jüngeren Opfern, auch durch Drogenkonsum, wobei hier nicht nur die Klassiker Alkohol und Haschisch zu erwähnen sind, sondern auch LSD, Speed und Hip Hop.
Wenn dem Menschen das Vokabular schwindet, braucht er/sie natürlich Ersatzwörter oder -laute. "Bleiben sie bitte stehen junger Mann" oder "Hör mal zu, ich habe eine wichtige Mitteilung zu machen" lässt sich beispielsweise ganz wunderbar mit "Ey" abkürzen. Das spart Zeit bei der Aussprache und bietet dem Sprecher die Möglichkeit seinen Wortschatz zu komprimieren, was wiederum Raum für neue Begriffe wie "Hasseröder" oder "Globalisierung" schafft.

Bei unserer älteren Generation schwinden Begriffe oft ohne wieder nachzuwachsen, der Mediziner nennt dies Demenz. So hat eine mir bekannte Mutter zum Beispiel den Sammelbegriff "Viecher" geprägt, der all jene Tiere zusammenfasst, denen gegenüber sie eine negative Grundhaltung hegt. Zwar erleichtert ihr dies die Kommunikation, degeneriert aber leider viele Dialoge zu einer Kontext-sensitiven Stichwort-Reihe. So ist selten auf Anhieb zu erkennen ob sie über Zecken, Stechmücken, Borkenkäfer, Waschbären oder Elchkühe reflektiert, was jeweils konzentrierte Gesprächsaufbereitung durch den Dialog-Partner erforderlich macht. Dafür kann sie aber alle Küchengeräte und Gartenkräuter beim Namen nennen. Kann ja auch mal nützlich sein.

Ferner wird im hohen Alter (so ab 20 Jahren, oft auch schon früher) das Zentrum zur Satzbildung blockiert. Einer meiner Arbeitskollegen malträtiert mich beispielsweise täglich mit Kommunikationsansätzen wie "Guck mal hier! Das ist doch. Hm, das ist doch… Siehst du das? Was machen wir denn jetzt?" Und ich stehe immer ratlos davor, hilflos nach Verständigung suchend. Auf meine Anfragen hin gibt es nur weitere nebulöse Wortgruppen, ohne jeden Hinweis auf ein sich manifestierendes Problem. Manchmal stellt sich nach mehreren Minuten heraus, dass einfach die Nummerierung der Magazine umgestellt werden musste oder ein Dia nicht ordentlich gerahmt war. Ja, derlei Feststellung kann einen schon mal einige Zeit kosten. Andere Menschen würden jetzt vielleicht gewissenlos weiterarbeiten, mein Mitarbeiter jedoch fragt wissbegierig nach dem Warum und Wohin und versucht die komplexen Prozessabläufe unserer Maschinen bis ins Detail zu verstehen, was völlig überflüssig, aber scheinbar unterhaltsam ist. Dummerweise vernachlässigt er während dieser Forschungsreise stets seinen wissenschaftlichen Mitarbeiter (mich), der in der Regel bereits Lösungsansätze in ausreichender Anzahl vorrätig hat. Ohne Frage keine Antwort.

Es wird daher empfohlen, den über die Jahre angesammelten Wortschatz nicht leichtfertig zurück zu bilden, sondern ihn stattdessen nur im Notfall und auch dann nur selektiv zu degenerieren.

 

=> 9.5.2008

Dienstag

6.5.2008

Buschbrand

Gegen 16:50 Uhr gellt ein Raunen, Stöhnen und Jammern durch den Regionalexpress der Linie 1, als die Zugbegleiterin die Hiobsbotschaft des Tages verkündet: "Aufgrund eines Böschungsbrandes endet dieser Zug heute in Erkner. Zur Weiterfahrt sollen Bus bereitgestellt werden." Die Erfahrung lehrt uns, dass zwischen der Erkennung eines solchen Notstands und dessen partieller Behebung durch die Verfügbarmachung von Linienbussen oft eine halbe Stunde vergehen kann. Die Zugbegleiterin scheint diese Erkenntnis zu teilen und und weigert sich uns Bahnkunden durch zuversichtliche Zusprache Mut zu machen. So zeugen ihre Worte von Unglauben gegenüber den Aussagen ihrer Vorgesetzten, wenn nicht gar von einem persönlichen Zerwürfnis. Oder sie hatte einfach nur einen schlechten Tag.

Auf jeden Fall sind um mich herum nun sämtliche Mitfahrer erwacht und aktivieren ihre Mobiltelefone, zumeist um anzumelden, dass sie ein paar Tage später heim kommen werden. Viele kontaktieren auch Fahrzeug besitzende Freunde, um dem Bus-Chaos zu entgehen. Besonders schlimm trifft es natürlich wieder die Radfahrer, den Fahrradmitnahme ist im Schienenersatzverkehr weiterhin nicht vorgesehen.

Als wir auf dem von Holzplanken geprägten Behelfsbahnsteig Erkner aussteigen, keimt in mir die Idee, dass solche Ereignisse nur inszeniert werden um die Popularität solcher Kleinbahnhöfe zu steigern. Erkner ist nicht unbedingt eine kleine Vorstadt von Berlin, aber schon eine sehr kleinbürgerliche und wenn hier mehr als dreißig Leute gleichzeitig den Zug verlassen, hat das meistens mit Havarie seitens der Deutschen Bahn zu tun. Der Bahnhofssprecher weist uns derweil darauf hin, dass auf dem Bahnhofsvorplatz Busse zur weiteren Beförderung bereitgestellt werden. Somit beginnt der Sturm auf die begehrten Stehplätze.
Die Eile mit der die Menschenmasse nun in Richtung der Busstellplätze vorrückt, ist gut begründet. Im Idealfall (so auch heute) werden zwei Busse für die gesamte Passagier-Schar abgestellt. Sind diese voll belegt, müssen die übrigen Bahnfahrer (es sind derer oft über einhundert) auf die nächste Beförderungsmöglichkeit warten. Dies kann jedoch bis zu dreißig Minuten dauern, was bereits die Zuginsassen des Folgezuges auf den Plan ruft. Auch ich stand schon über eine Stunde lang in der schwitzenden rauchenden Menge, weil der Bus nicht nah genug an meinem Standort hielt. In Eingedenk dieser Erlebnisse überlegte ich schon ob ich vielleicht zurück nach Berlin fahren und die Geschichte bei einer gemütlichen S-Bahn-Fahrt aussitzen sollte. Der Zufall will es jedoch, dass ich erstmalig in meinem Bahnfahrer-Dasein (Trommelwirbel, Tusch, Beifall und Neid) den ersten Bus in Richtung Heimat erwische. Ein Stehplatz zwar, aber zumindest muss ich meine Freizeit nicht mit der qualmenden Rauchermenge verbringen.

Während der etwa halbstündigen Fahrt bewundere ich mehrere optische Wunder der modernen Kunst. So hat zum Beispiel in jeder anderen deutschen Ansiedlung ein innerstädtischer Kreisverkehr nur einen schlichten Radius, in Erkner jedoch hat die grün bewachsene Verkehrsinsel einen großen und kleinen Halbmesser, der Mathematiker spricht von einer Ellipse. (Heißt das dann nicht Ellipsen-Verkehr?)
Auf der reziproken Seite der Ästhetik-Skala erblicke ich auf dem Sitzplatz vor mir das, ob der momentan sehr sommerlich gestalteten Temperaturen, unglaublich tief ausgeschnittene Dekolleté einer unsportlichen Frau jüngeren Alters, der die Macht der Erdanziehung offenbar schwer zusetzt.
Insgesamt wurde es aber eine nette Spazierfahrt, die ich nur zum Preis eines durchfahrenden Zuges hätte missen wollen.

 

=> 7.5.2008

Montag

5.5.2008

Nachschlag

Noch mal! Die letzte Diätenerhöhung im November wurde widerstandslos angenommen, die finanziellen Zuschüsse erfreuen das Beamten-Portemonnaie derzeit mit 330 Euro, zum 1. Januar 2009 folgen weitere 330 Euro. Umso erstaunlicher ist, dass jetzt schon wieder eine Anhebung der Abgeordneten Gehälter um 6% ins Haus steht. Aber während die Angestellten um ihre 3% Lohnerhöhung demonstrieren und streiken müssen, beschließt der Bundestag sein Mehreinkommen einfach selbst.
Nun ist es jedoch nicht so, dass die Abgeordneten diese Gelder freiwillig beschließen würden, wie es in der Öffentlichkeit leider oft verbreitet wird. Nein, seit Ende 2007 sollte sich das Einkommen im Bundestag an den Gehältern der Bundesrichter orientieren und da die Einkünfte im öffentlichen Dienst nun steigen, müssen unsere Abgeordneten mitziehen. Sie werden also gegen ihren Willen dazu gezwungen mehr Geld auf ihrem Konto zu dulden. Das führt natürlich zu inneren Zerwürfnissen. Viele der Betroffenen sitzen des Nachts wachend im Bett und denken "Gottogott, wohin nur mit dem ganzen Geld?" Weil Beamte aber bekanntermaßen an ihrem Schlaf hängen, regt sich nun Widerstand im Parlament.

Besonders schwer wiegt vermutlich die mit 7668 Euro (beschlossen zum 1.1.2009) ohnehin bereits großzügige Besoldung, bei der ein Plus von geplanten 6% über 450 Euro ausmachen würde. Vergleicht man dies mit der Einkommensanhebung meiner im Ruhestand befindlichen Eltern um insgesamt etwa 10 Euro (1,1%), so stößt man auf ein gewisses Defizit in der sozialen Gerechtigkeit, das nun auch von führenden Politikern massiv angefeindet wird. Nicht alle Parlamentarier wollen die schrumpfende Mittelschicht zu Gunsten ihrer privaten Altersvorsorge opfern. Die Zeichen stehen jedenfalls gut, dass die nächste Diätenerhöhung erst später im Jahr zustande kommt.

 

=> 6.5.2008

Sonntag

4.5.2008

Mugabe is on a killing spree

Robert Mugabe erringt einen weiteren Teilsieg in seinem persönlichen Kampf gegen Volksbestimmung und Gerechtigkeit. Die Oppositionspartei MDC hat zwar die Parlamentswahlen (mit 109 Sitzen gegenüber 97 Sitzen der ZANU-PF) gewonnen, jedoch erreichte ihr Anführer Morgan Tsvangirai mit 47,9% nicht die absolute Mehrheit bei den Präsidentschaftswahlen, in denen sich Mugabe irgendwie 43,2% ermogeln konnte. Der alte Diktator hat damit ein handfestes Mittel um Stichwahlen einzufordern. Ob und wie viele Stimmzettel verfälscht wurden, weiß nur Mugabe selbst. Dass er nur durch erzwungene Wählerstimmen überhaupt über zehn Prozent erhielt, weiß indes jeder.

Kritisch für einen erneuten Urnengang sind die vielen militärisch besetzten Regionen, aus denen die Bevölkerungen ganzer Dörfer durch radikale Anhänger des Terrorregimes vertrieben wurden. In dichter besiedelten Gebieten stehen mutmaßliche MDC-Wähler unter ständiger Beobachtung und werden bei jeglicher Andeutung politischer Aktivität sofort körperlich ermahnt. Neuwahlen sind somit für sehr viele Menschen unmöglich geworden. Sollten die Sympathisanten von Tsvangirai aus ihrem Exil zurückkehren, um ihrem Bedürfnis nach Demokratie durch ein einfaches Kreuzchen Ausdruck zu verleihen, werden sie nicht mehr mit Inhaftierung, Verhör und Folter davon kommen. Dieses Mal wird gleich geschossen.

 

=> 5.5.2008

Samstag

3.5.2008

Propaganda heute

Hongkong behält als ehemalige britische Kolonie einige Sonderrechte was die Bildung und Verkündung eigener Meinungen betrifft. Beim Fackellauf durch die chinesische Millionenstadt machten die Bewohner auch reichlich Gebrauch davon.

In China sind Großkundgebungen grundsätzlich gesetzlich untersagt, denn ein Kommunismus in dem das Volk seine eigene Sicht der Dinge aufbaut und diese dann verbreitet, ist für gewöhnlich nicht von langer Dauer. Gut, die Sowjetunion hat gezeigt, wie auch ein kommunistisches Imperium ohne Meinungsfreiheit irgendwann auf der steinigen Straße des kapitalistischen Surrealismus zerbricht.
So weit ist China aber noch nicht, noch hat man das Volk unter strenger gerichtbarer Kontrolle. Über die Jahrhunderte konnte ganz China unter dem Deckmantel der Einigkeit zu einer ganzheitlichen unpolitischen Gesellschaft vereint werden. Ganz China? Nein, die Bewohner des tibetischen Hochlands am Rande des Milliardenstaates setzen sich tapfer gegen die Unterwanderung ihrer Gedanken zur Wehr. Dieser Streit zieht sich mittlerweile seit Beginn des Jahres durch die Presse und wird auch heute beim Präsentieren der olympischen Fackel in Hongkong weiter verfolgt.

Einige durch Kolonialzeiten erworbene Sonderregelungen erlauben es den Bewohnern von Hongkong ihre eigenen Vorstellungen von Recht und Gerechtigkeit innerhalb mehrerer Demonstrationen am Rande des Fackellaufs auszurufen. Während jedoch insgesamt etwa einhundert Chinesen und Ausländer die Gelegenheit medialer Aufmerksamkeit wahrnahmen, um für die Durchsetzung von Menschenrechte und die Einführung von mehr Mitspracherechten im Funktionsapparat korrupter regionaler Behörden zu protestieren, stellten sich ihnen zehntausende Parteitreue Bürger in den Weg, beschimpften sie mit nationalistischen Slogans und schubsten die vereinzelten Pro-Tibet-Demonstranten herum wie Juden in einer bayrischen Kirche. Viele von ihnen mussten sich gar in Polizeigewahrsam flüchten.
Führt man diese Bewegung etwas weiter aus, kommt man zu dem Schluss, dass die Chinesen mit ihrer Regierung hoch zufrieden sind, obwohl etwa zwei Drittel in Armut leben und die Umweltverschmutzung jährlich für zehntausende Tote sorgt. Es wird deutlich, wie fest das Regime die nationalen Medien und damit die Gedanken des Volkes in der Hand hat. Sag deinen Untertanen täglich wie glücklich sie sind und sie werden es glauben!

PS.: Im Übrigen wird die deutsche Presse vom chinesischen Propagandaministerium als eine der schlimmsten bezüglich verfälschender Tibet-Berichte bezeichnet. Ein Kompliment das wir hier sicher geehrt und stolz annehmen.

 

=> 4.5.2008

Freitag

2.5.2008

Preisexplosion

In den vergangenen Monaten sind die Preise für Nahrungsmittel Europaweit um rund zehn Prozent gestiegen, viele Gehälter wurden um gut 5 % angehoben. Deutschlands Wirtschaftsinstitute rechnen derzeit mit Inflationsraten von 2 - 3 % für EU-Mitglieder im laufenden Jahr und eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts von über 2,5 %. Deutschland hat derzeit ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) von über 34.000 US-$ pro Kopf. In den nicht gemeinschaftlich organisierten Entwicklungsländern Afrikas erreicht man momentan Inflationsraten von 5 - 30 % (von Simbabwe mal ganz abgesehen) bei einem BIP von durchschnittlich 500 $.
Die Preise für Nahrungsmittel sind hier allerdings stark entstellt, da die unseriösen Subventionierungsmaßnahmen der Europäischen Union für relativ gleich bleibende Preise gesorgt haben. Tatsächlich haben sich die Kosten für Reis in den letzten zwei Jahren fast verdreifacht.

Setzt man diese Zahlen einer praktischen Anwendung aus, so ergibt das ungefähr 500 Millionen Europäer die so viel zu Essen haben, dass sie es sich leisten können einen Teil davon wegzuwerfen, und gut 200 Millionen Afrikaner denen vor Hunger der Magen zerreißt.
Die Bilder von unterernährten Kindern mit aufgedunsenen Bäuchen und entstellten Körpern sind aus der Tagespresse verschwunden. Verständlich, denn dass die Mehrheit der Erdbevölkerung mit Ernährungsproblemen kämpft, ist längst keine Neuigkeit mehr und hat daher keinen Platz zwischen Sportseite und Wirtschaftsbericht. Die Notleidenden Kinder aber existieren noch und werden mit all der finanziellen Hilfe unserer industriellen Welt nicht aus ihrer Lage befreit werden.
Diese Menschen sollten es nicht nötig haben Nahrungsmittel zu kaufen die in ihrem eigenen Land von einer Legion Sklaven angebaut und durch eine korrupten Regierung exportiert werden. Ist es nicht schizophren, wie wir Armut und Diktatur verdammen und gleichzeitig jenen Leuten das Essen wegkaufen, denen wir später durch Almosen zu helfen versuchen?

Aber wenn das Zeug schon mal hier ist, kann man die Waren fragwürdiger Herkunft doch auch einkaufen, sonst wird das Zeug schlecht und ist als Nahrung verloren?! Tja, eine schwierige Zwickmühle aus der wir nicht ohne Opfergabe entkommen können. Ich persönlich tendiere jedenfalls zum Stehen lassen, denn wenn die Nachfrage sinkt, muss das Angebot reguliert werden. Belassen viele Konsumenten das fragliche Produkt im Supermarkt, wird dieser mit Preissenkungen reagieren. Dann bleibt nur die Frage: wie klein ist Ihr Preis? Wie billig muss ein Pfund Bananen sein, damit Sie es aus einer blutverschmierten Hand kaufen?

Eigentlich ist alles ganz einfach. Alles was nicht aus der Europäischen Union kommt oder ein Fair-Trade-Logo trägt, gehört automatisch zu jenen Produkten, die bei der Ausbeutung und Verarmung industriell benachteiligter Länder hilft. Das mag eine arg vereinfachte Sicht der Dinge sein, aber in den allermeisten Fällen passt es so. Verbleiben diese Waren über längere Zeit im Händlerregal, wird der Erzeuger umdenken und seine Produktion umstellen müssen. Damit wäre wieder einmal bewiesen, dass die oft (zu Recht) verteufelten Fabrikbosse und Konzernvorstände nur eine Mitschuld tragen. Die ausführende Macht, die Finanziers werden durch die Masse der Käufer gestellt.
Wir, das einfache Volk treffen täglich fatale Entscheidungen über das Schicksal brasilianischer Regenwälder und angolischer Plantagenarbeiter. Wenn sie wollen, dass sich etwas an dieser korrupten Welt ändert, müssen sie bei sich selbst beginnen!

 

=> 3.5.2008

Donnerstag

1.5.2008

Maivatertag

Der erste Mai fällt in diesem Jahr sehr unglücklich mit Himmelfahrt zusammen. Viele Männer und Väter sind daher unschlüssig ob sie demonstrieren gehen oder sich mit Freunden im Schrebergarten betrinken sollten. Deutschlands Kommunisten treffen sich zweifelsohne am angestammten Platz und marschieren, auch Nationalsozialisten haben ihre Tagesplanung gemacht. Da dürfen natürlich auch Gegendemonstrationen nicht fehlen und letztendlich fragt man sich wie die Männer das alles hin kriegen. Gut, wenn die Brandy-Flasche leer ist lässt sie sich prima als Wurfgeschoss verwenden, was man schon irgendwie als traurige Form des Recyclings betrachten kann, aber dennoch bricht die Konzentration unter den Teilnehmern aktueller Mai-Demonstrationen nicht ab, sondern zollt den ureigenen Zielen jenes Maifeiertages Respekt, die bereits seit Generationen Jung und Alt zu ausgelassenem Reigen mit den Ordnungshütern animieren. Die hohlen Parolen werden weiterhin vollmundig in die von Polizisten gesäumten Gassen gebrüllt, es gibt gewalttätige Übergriffe, Verhaftungen, Krankenhausaufenthalte, Wasserwerfer, Brandherde; und über all dem schwebt das väterliche Glück mit seinem Rauschorientierten Absatz an Alkoholika.

Genießen wir also diesen Tag der Freuden, denn diese Kombination von Maifeiertag und Himmelfahrt werden wir erst in ungefähr 200 Jahren wieder erleben, was bei der durchschnittlichen Lebenserwartung eines Menschen wohl dazu führen dürfte, dass die meisten von uns es gar nicht mehr erleben. Prosit!

 

=> 3.5.2008

Freitag

25.4.2008

China im Wandel?

Der heutige Tag könnte zu einem historischen für die Geschichte Chinas werden. Die chinesische Regierung hat angekündigt schon in den nächsten Tagen einen kommunikativen Kontakt zum Dalai Lama herzustellen und die geistige Führung Tibets zu einem Dialog bezüglich der Zukunft beider Länder einzuladen.
Regierungschef Wen Jiabao ist jetzt natürlich ganz dolle stolz auf seine Heimat (noch mehr als sonst) und hat den Beschluss schon vorab sämtlichen wichtigen Regierungschefs dieser Welt mitgeteilt.
Hoffentlich ist dieses Versprechen nicht so leer wie die Taschen der chinesischen Kohlenschürfer!
 

=> 1.5.2008

Dienstag

22.4.2008

Zurück an Absender

Nach einer mehrwöchigen Kreuzfahrt vor den Gewässern der südafrikanischen Küste muss der Frachter An Yue Jiang umkehren und in seinen chinesischen Heimathafen zurückkehren. Für Kapitän und Besatzung ist dies sicher kein bedauerlicher Entschluss, denn aus touristischer Sicht war die Reise ein großer Flop. Obwohl man bei jedem Tiefseehafen nördlich des Kongo um Erlaubnis zum Anlanden bat, konnte man doch nirgends ankern und die wertvolle Fracht löschen.

Dabei erschien alles so einfach: China entsandte, aus Gründen der humanitären Hilfe natürlich, rund 77 Tonnen Waffen und Munition an seinen alten Handelspartner Simbabwe, der momentan ganz zufällig in einer tiefen Wahlkrise steckt, wobei tausende von Familien durch Regierungstreue Militärs aus ihrer Heimat vertrieben werden. Zum großen Glück der arg unterdrückten oppositionellen Wähler liegt Simbabwe nicht an der Küste, sondern im Inneren Afrikas und so lief der Frachter An Yue Jiang zuerst Südafrika an, wo er aber sofort aus rechtlichen Gründen abgeblockt wurde.
Es folgte eine Odysse des Bittens und Kreuzens, aber keines der angefragten Länder wollte Simbabwe bei ihrem Nachschubproblem helfen. Laut dem britischen Nachrichtenblatt "The Guardian" bestand der Inhalt jener Container aus 1500 Raketen, 2500 Mörsergranaten, 93 Mörserrohren und reichlich Munition für AK47-Sturmgewehre und leichte Waffen. Dies ging aus dem am veröffentlichten Frachtbrief hervor, der am ersten April, also unmittelbar nach den Parlamentswahlen, ausgestellt wurde.
Da sich momentan keiner von Simbabwes Nachbarn mit dem radikalen Regierungsführer solidarisieren möchte, kehrt die An Yue Jiang nun in ihre Heimat zurück.

Bleibt nur die Frage zu klären, wie Mugabe die Milliardenschwere Fracht eigentlich bezahlen wollte. Mit einer Inflationsrate weit über 200.000% und mehr als 80% Arbeitslosigkeit sollte hier die finanzielle Integrität doch selbst vor dem Kommunismus sehr zweifelhaft erscheinen. Aber im Ernstfall halten die Länder mit den größten Menschenrechtsverletzungen zusammen, daher wurde am Diktatoren-Stammtisch kurzerhand die vorläufig kostenlose Versendung von 77 Tonnen Waffenmaterial beschlossen. Es gibt aber doch noch ein Gewissen in Afrika und so konnte der angedachte Völkermord in vorletzter Instanz verhindert werden. Asante!
 

=> 25.4.2008

Montag

21.4.2008

Kampf der Armut unter SPD und Co.

Es ist schon ein Kreuz mit dieser Inflation. Sie sorgt dafür, dass wir Normal-Bürger ständig weniger Waren für unseren gleich bleibenden Lohn erwerben können, da mysteriöserweise die Preise für Konsumgüter stetig steigen, das Gehalt aber konstant bleibt. Verhandlungen bezüglich angleichender Gehaltserhöhungen führen meist zu Streit mit den Vorgesetzten und dann und wann auch zu Arbeitsniederlegungen (siehe Bahn, BVG, Deutsche Post, Ärzteverband).

Nun bekommen sogar die Parteien die Last des Geldes zu spüren und verlangen zum Ausgleich ihrer finanziellen Einbußen eine Anhebung der staatlichen Zuschüsse für Bundestagsparteien von derzeit maximal 133 auf 140 Millionen Euro. Da nur Bundestagsabgeordnete über diesen Vorschlag abstimmen, also ausschließlich Vertreter von Gruppierungen die durch diese Gesetzesänderung profitieren, hat der Vorschlag sehr gute Aussichten auf Erfolg.
Auch sind die Zahlen groß genug um selbst Ministern das Rechnen mit ihnen zu ermöglichen. Bei kleineren Zahlen wie 7,50 Euro (angestrebter gesetzlicher Mindestlohn), 1,1% (viel debattierte Rentenerhöhung nach drei Nullrunden in fünf Jahren) oder 3,4 Millionen (derzeitige Arbeitslosenzahl) tut man sich in unserer Regierung ja schon einmal schwer mit der Diskussion und Durchführung.

Ich bin jedenfalls zuversichtlich, dass dieser Entwurf im Eilverfahren angenommen wird und damit unseren allseits beliebten Parteien, die mit ihren Geldern schon so viel Gutes für Minister und Werbeagenturen getan haben, finanziell unter die Arme greifen wird. Gleichzeitig bin ich erfreut, dass die Inflation bei uns geringer ist als beispielsweise in Simbabwe (gut 350.000% pro Jahr).
 

=> 22.4.2008

Sonntag

20.4.2008

Die Einsamkeit des Feuerträgers

Auch in Neu-Delhi fand der Fackellauf ohne weltliches Publikum statt. Lange, breite Straßen wurden von den 15.000 Polizisten abgeriegelt und ausgewählte Reporter, eingeladene Chinesen und indische Schulkinder in gebührendem Abstand platziert. Auch wurde die Laufstrecke etwas verkürzt, auf ungefähr 3 km, was den rund 70 [!] Läufern kaum Gelegenheit gab ihre Kondition zu beweisen oder sich als weltoffene Sportler feiern zu lassen. Nach kaum 40 Minuten war die Übung für die Teilnehmer der 40-m-Etappen schon wieder beendet und sah letztendlich mehr nach Pflichterfüllung aus.
Proteste gab es dennoch, sie wurden nur eben separat vom offiziellen Teil ausgetragen. Die rechtmäßigen Bewohner von Tibet wollen weiterhin ihre religiöse und journalistische Freiheit zurück; und auch wenn jene Anfragen heute abseits des olympischen Glanzes gestellt wurden, so wurde sie doch von aller Welt vernommen. Die Vermittlung von Sportsgeist und Weltoffenheit konnten daher auch heute erfolgreich durch die chinesische Tibet-Politik verhindert werden.

Gegendemonstrationen in China

An diesem Wochenende gab es weitere Proteste an denen tausende Chinesen teilnahmen. Eigentlich sind derlei Massenkundgebungen ja verboten, aber für so loyale Parteianhänger macht die Regierung schon mal eine Ausnahme. In mehreren Städten versammelten sich große Gruppen Regime-freundlicher Zivilisten und verbrachten ihre Freizeit mit Plakaten, Bannern und maoistischen Parolen. Da wurde wieder ein einiges China propagiert und die Falschheit internationaler Presse angeprangert. Alle verbreiten sie Lügen über die liebenswürdigen, warmherzigen Konfliktlösungspolitik in Tibet; die Times, der Daily Telegraph, ja selbst Spiegel und BILD, die gemeinhin als Verfechter unverblümter Realität bekannt sind, erkranken an grundlegend falscher Berichterstattung.

Einzig die von der kommunistischen Parteiführung selbst instruierten Medien scheinen diesem obszönen Lügengestrick zu entgehen. Da werden die mordlüsternen tibetischen Mönche noch korrekt dargestellt: als Roben tragende Feinde des Systems, nur darauf aus, das Politikum zu untergraben, die Welt ins Chaos zu stürzen. Es ist schön zu sehen, dass Demokraten und Völkerrechtler noch nicht die ganze Welt mit ihrem radikalen Gedankengut infizieren konnten. China bleibt ein sicherer Hort für selbstgerechte Propagandisten, denn das Volk liebt den Zustand absoluter Machtabgabe und aufgesetzter Meinungsfreiheit.

 

=> 21.4.2008

Samstag

19.4.2008

Brot für die Geld

Unser allseits beliebter Verbraucherschutzminister Horst Seehofer ist um eine agrarökonomische Erkenntnis mit globaler Tragkraft reicher geworden und ließ Deutschland mittels einer eiligen Pressekonferenz an diesem glücklichen Umstand teilhaben. So kritisierte er also nun die Nahrungs- und Futtermittel-Konzerne, denn "denen geht es in erster Linie doch um Gewinnmaximierung und nicht um die Versorgung der Menschen.
Der schiere Umstand, dass eine dermaßen tiefgründige kommerzielle Einsicht den weg zu unserem Verbraucherschutzminister gefunden hat, versetzt mich in einen Zustand größten Erstaunens. Wiewohl ich glaube, dass er sie einem achtjährigen Neffen und/oder Comicbüchern verdankt.

Aber des Seehofers Arbeitswut geht noch weiter und so bastelte er bis tief in den Nachmittag an einem Plan zur Errettung der globalen Nahrungsmittelversorgung und teilt ihn nun mit uns, der auserwählten Menschheit. "Wir brauchen eine Renaissance der Landwirtschaft, einen Ausbau der Agrarproduktion in Deutschland, der gesamten EU und vor allem in den Entwicklungsländern. […] Wir müssen weltweit mehr Nahrungsmittel produzieren, um weitere Preissprünge zu verhindern."
Genau! Wenn irgendetwas knapp wird ist eine gesteigerte Produktion grundsätzlich die erste und beste Maßnahme für eine Weiterführung des Wohlstands. Hat ja beim Thema Energie bisher auch ganz gut funktioniert. Und Nahrungsmittel erzeugt man halt am billigsten in den Ländern der dritten Welt. Wo sonst kann man Menschen durch geringe Bestechungszahlungen dazu bringen Naturvölker zu vertreiben und letzte natürliche Waldbestände für Horizont füllende Monokultur-Felder zu roden? Wer lässt sich schon gern sein Land und sein Leben nehmen, um den Profit und die Bequemlichkeit Dritter zu steigern, ohne Aussicht auf Gerechtigkeit oder gesicherte Existenz?! Wo arbeiten die Leute "freiwillig" für eine Handvoll Sojabohnen die Stunde? Das geht nur mit Menschen die zu ungebildet sind ihre Rechte einzufordern oder denen sie von vornherein verwehrt bleiben.
Und welche Gebiete dieser Erde haben noch große Gebiete ohne kommerziellen Nutzen, aber mit reichlich unpraktischem Waldbestand übrig? Zufälligerweise genau dieselben Länder die auch schon in der Korruptions- und Menschenrechtsverletzungs-Skala ganz weit oben stehen. Jene Abgründe der modernen Verzweiflung die das Geographie-Lehrbuch so gern euphemistisch als "Entwicklungsländerbezeichnet. Und über eine großzügige Finanzierung dieser Bananenrepubliken können wir jene Länder auch längerfristig auf dem Status der Entwicklung verankern.

Leider muss ich auch ein klein wenig Kritik an unserem Verbraucherschutzminister üben, denn in einem Punkt erscheint mir der Plan noch kantig. Seehofer sagt für die nächste Zeit eine Bevölkerungszunahme von etwa 80 Millionen pro Jahr voraus, was in eine progressive Mehrproduktion von 60% bis 2030 erforderlich macht. Da sich die Bevölkerungszunahme traditionell in schwächer gebildeten Regionen konzentriert, läuft das wohl darauf hinaus, dass die dritte Welt ihr Nahrungsplus selbst aufisst. Aber auch hier hat Seehofer voraus gedacht, denn er plant eine Reaktivierung der stillgelegten Flächen, die der EU-Agrarpolitik zum Opfer fielen. Mit diesem Aufgebot brillanter, Bahn brechender Reform-Ideen sollte eigentlich nichts mehr schief gehen.

Sogar für die unverbesserlichen Pessimisten, die ihm weiterhin Kurzsichtigkeit vorwerfen hat der geniale Minister einen Appell parat: "Schon gar nicht dürfen die Agrarsubventionen in Frage gestellt werden, wie dies jetzt wieder geschieht." Denn wo kämen wir hin wenn schlecht wirtschaftende Produktionszweige für ihre Fehler zahlen müssten? Wenn Agrarökonomen nicht mehr für ihre "Ernteausfälle" entlohnt würden? Vermutlich würden wir den unzumutbaren Zustand des Kapitalismus erreichen. Mit Wettbewerb und Wirtschaftlichkeit, Gütekontrolle, Verbrauscherschutz und jeder Menge anderem unnützen Krempel der durch die derzeitige Regierungspolitik unmöglich noch mitzufinanzieren ist.

Horst Seehofer hat heute wieder einmal bewiesen, dass er völlig zu Recht an der Spitze der deutschen Nahrungspyramide steht. Wir können uns glücklich schätzen die Interessen des Volkes durch so einen genialen Mann vertreten zu sehen.
Wenn auch sie, lieber Leser, daran glauben und ihnen diese heile Märchenwelt lieb ist, dann lesen sie bitte nicht weiter!

Nachbetrachtung:
Da momentan die Saison des freien Grillens beginnt kann eine Hauptursache für jegliche mit Nahrungsmitteln in Verbindung stehende Probleme nun live an der Supermarktkasse beobachtet werden: der Fleischkonsum.
Zu einem gelungenen Sommerabend gehören für den Durchschnittsbürger 2 kg Holzkohle, ein halber Zentner Fleisch und Wurst und zwei Kästen Bier. "Echte Männer" prahlen gern damit, dass sie jede Woche gut 4 kg Steak und 3 kg Wurst verdrücken, begleitet von einem halben Toastbrot und einem Fass Gerstensaft. Ich nenne diese Mitmenschen auch gerne "echte Deppen" (Hallo Herr Nielson!), da ihre Fehlernährung sich nicht nur negativ auf die Weltbevölkerung und die Umwelt im Allgemeinen auswirkt, sondern auch auf ihre eigene Lebenserwartung.

Warum Fleisch ein Hauptübel der Nahrungsmittelkrise ist, kann relativ schnell erklärt werden:
1) Die fraglichen Tiere werden in Europa mit Getreide-Importen aus Entwicklungsländern und mit geschnetzeltem organischem Abfall gefüttert. Ihre Nahrung besteht also zu 50 - 90 % aus veganen Nahrungsmitteln. Stellen sie sich einfach vor, sie würden anstatt der momentan in Deutschland residierenden 27,1 Millionen Schweine, 12,7 Millionen Rinder und 2,4 Millionen Schafe rund 20 Millionen Menschen ernähren (Bevölkerungsstand Deutschland am 31.12.2007: 82 Millionen). Von Fleischimporten, Hühnern, Gänsen, Enten oder Fischen ganz zu schweigen.
2)Von den eingesetzten Nahrungsmitteln werden nur etwa fünf Gewichtsprozente in verzehrfertige Steaks umgesetzt. Das gemeine Säugetier setzt nur etwa 10% seiner Nahrung in Gewichtszunahme um. Somit erklärt sich übrigens das von vielen Menschen mit Verwunderung zur Kenntnis genommene Phänomen der Nahrungspyramide, die nach oben so verdammt spitz zuläuft.
3) Die Erzeugung von Nahrungsmitteln wird durch Konzerne, nicht durch Menschen oder gar das Volk gesteuert. In Brasilien zum Beispiel werden Landbesitzer entweder betrogen oder in einem unbeobachteten Moment eliminiert. Der Besitz fällt dann an einen Großindustriellen der die entsprechenden Papiere zufällig in seinem Schreibtisch findet. Die Behörden sind bislang relativ machtlos gegen diese Übergriffe, da der Regierung an ärmlichen Bauern weniger gelegen ist als an den Wirtschaftsbossen und ihren Zuwendungen. Blairo Maggi ist nicht nur Besitzer des größten Soja-Produzenten dieser Erde, er ist nebenbei noch Gouverneur von Mato Grosso (Bundesstaat im zentralen Westen von Brasilien).
4) Durch die Rodung von Naturwäldern verlieren jene Länder auch rapide an touristischem Wert. Somit verfällt die Chance auf alternative Einkommensquellen, was in konstanter Armut der Feldarbeiter resultiert.

Letztendlich ist auch das Verhältnis von aufgewandter Energie, Material und Anbaufläche zum tatsächlichen Nährwert ein einziges Dilemma, da der Verbraucher auf gleichem Anbaugebiet ein Vielfaches an Nahrungsmitteln erhält, wenn er Kartoffeln statt Kalbsfleisch isst. Anders ausgedrückt: Der echte Depp frisst ein halbes Kilo Steak und ein Veganer muss sich für die selbe Getreidemenge noch sieben Verwandte einladen, damit nichts von der Riesen-Frittata und der Paprika-Suppe übrig bleibt.
Wenn sie das nächste Mal fürs Grillfest einkaufen, stellen sie sich doch einfach vor, von jeder Wurst würde eine erwachsene Person komplett gesättigt, wenn sie das vegane Ausgangsprodukt in Händen hielten.
Ein Pfund Fleisch entspricht zehn Kilogramm Getreide. Womit haben sie den Einkaufswagen schneller voll?

Ich weiß, dass Fleischkonsumenten diese Einwände nicht gern hören und anstatt darüber nachzudenken, das Problem viel lieber ignorieren (wovon es sich freilich auch nicht löst). Nach meinen Erfahrungen hat dies zwei Gründe:
1) Eigentlich ist jedem das Blut an seinen Händen bewusst, dies einzugestehen setzt jedoch den Willen zur Änderung und einen Anflug von Selbstkritik voraus. Niemand belastet sein unbeschwertes Leben gern durch das Eingeständnis von Fehlern dieser Tragweite, schon gar nicht wenn sie Qualen und Morde verursachen. Kurzum, niemand sieht sich gern als Tierquäler und Finanzier von Kapitalverbrechern.
2) Veränderungen in den unschönen Teilen der Weltpolitik setzen auch Veränderungen der eigenen Lebensweise voraus. Eine Umstellung auf Umwelt-verträgliche Produkte bedeutet Verzicht, Umgewöhnung, Einschränkung und Neuorientierung. Keiner der wohlgenährten Bundesbürger will sich selbst zum alleinigen Nutzen Dritter einschränken müssen.

Und so trifft der gemeine Carnivore aus lauter Egozentrik die folgenschwere Entscheidung, seine Ernährungsgewohnheiten lieber nicht zu verändern, während er sich komplexe Lügengeschichten ausdenkt um dieser Ignoranz vor sich selbst und anderen zu rechtfertigen.
Überhaupt ist in unserer "modernen" Welt oft zu beobachten, dass Probleme nicht gelöst sondern einfach abgeschoben werden. Aus den Augen aus dem Sinn, denn wenn man nicht mit ansehen muss wie achtjährige Kinder zwölf Stunden am Tag Turnschuhe zusammennähen, wenn man die Qualen von Pelztieren bei ihrer Massenaufzucht und während ihrer Betäubungsfreien Tötung nicht miterlebt, wenn man Ekzeme, Geschwülste und Missbildungen von Schlachtvieh nicht ansichtig wird, wenn man die Verzweiflung in den Augen der Regenwaldbewohner nicht sieht, wenn ihnen von Geld-gierigen Parlamentariern Heimat und Leben genommen werden, dann fällt die Hemmschwelle für den Kauf der durch diese Obszönitäten vor der Natur erzeugten Produkte auf ein nicht mehr wahrnehmbares Maß.
Die wenigsten Menschen machen sich beim Einkauf Gedanken über die Herkunft ihre erworbenen Güter und so existieren Hunger, Elend und Zerstörung weiterhin, weil der Durchschnitts-Verbraucher zu dumm oder zu egoistisch ist um dem Leiden Dritter zu gedenken.

Welche unmittelbaren Konsequenzen hätte ein umgehender Subventionsstopp von Agrarökonomen? Mal abgesehen von Protestmärschen und bitterbösen Bettelbriefen durch die Bauernverbände. Und nicht zu vergessen dem nervlichen Zusammenbruch französischer Regierungschefs, die ihren Staat zur Hälfte aus Mitteln der EU-Agrar-Fonts finanzieren.
Die Preise für Grundnahrungsmittel würden steigen und sich einem reellen Marktwert annähern. Die Verbraucher würden jammern, wie sie denn wohl ihre Flugreisen und Edel-Fahrzeuge finanzieren sollten, wenn die Ernährung nun noch teurer wird. Supermarktketten würden über den verringerten Absatz fluchen. Und Bauern würden sich darum kümmern ihr Land Ertrags-orientiert zu bestellen. Denn wenn man Marktfähige Nahrungsmittel produzieren will kann man sich fünfzig Prozent Ernteausfall durch Toxifizierung, Überdüngung, Versalzung oder nachlässige Saat- und Pflegemethoden nicht leisten. Ergo stiegen auch die Versorgungskosten für Viehhaltung.

Und während die Profit-orientierten Agrarökonomen noch an einer Umverteilung ihrer Mittel arbeiten, ziehen die Öko-Bauern mit ihren seit langem auf Qualität ausgerichteten Betrieben finanziell an ersteren vorbei. Vielleicht würde man sogar feststellen, dass die moderne High-Tech- und Chemie-Landwirtschaft dieselben Kosten aufwirft wie ihre traditionelle Alternative. (Berechnete man die ökologischen Kosten mit ein, käme man auf ein noch abstruseres Verhältnis, denn die Boden- und Landschaftsschäden durch moderne Landwirtschaft zu beheben ist aufwendig und langwierig, zumal sich die Verseuchung durch Gen-Saat noch gar nicht überblicken lässt.)

Letztendlich würden also Importe noch wichtiger, wobei die EU mit ihren Besteuerungsmodellen hier sehr wirksam regulieren kann. Qualität und Kosten von Nahrung würden als Folge eines Subventionsstopps steigen, Fleischpreise würden wesentlich erhöht und somit ebenfalls wesentlich realer als sie es momentan sind. Theoretisch sollten die pro-Kilogramm-Preise von Tierprodukten dann ungefähr das fünf- bis zehnfache von pflanzlichen Lebensmitteln betragen, eben weil der Bedarf an Platz und Pflege zehnmal so hoch ist.
Dass diese Preisnivellierung nicht statt findet führt uns zurück an die Supermarktkasse und liegt in der brutalen Profitpolitik der Erzeuger begründet. Dieser spart an so ziemlich allem was das gesunde Tier zum Leben braucht. Auslauf, Sonnenlicht, Frischfutter, und bezieht sämtliche Versorgungsgüter aus dubiosen Quellen außerhalb der EU. Das hohe Risiko von Missbildungen, Seuchen und Zwangstötungen nimmt der Bauer gern in Kauf, denn die Europäische Gemeinschaft entschädigt ihn für sämtliche Ausfälle.

Fazit: unter den derzeitigen Gegebenheiten fehlt den Erzeugern jeglicher Anreiz die nahrungspolitische Situation zu verändern. Erst wenn EU-Subventionen auf ein vernünftiges Maß zurückgestaucht werden und die kolossalen Korruptionen in den primären landwirtschaftlichen Ländern angegangen wird, kann die Erdbevölkerung mit ausreichend Nahrungsmitteln versorgt werden. Die Einsicht ist ähnlich jener, die unser Energie-Problem temporär gelöst hat: uns fehlen keine neuen Techniken oder Informationen oder Überschussproduktionen, wir verteilen nur das uns gegebene falsch auf.
Daher meine Forderung an die Welt: Nix Waffen und Luxuskarossen, sondern Brot für die Geld!

 

=> 20.4.2008

Mittwoch

16.4.2008

Olympische Politik

Der olympische Fackellauf durch Pakistan verlief völlig ereignislos. Keine Proteste, keine Banner, keine Zwischenrufe, keine Fackel. Nicht ganz, das olympische Feuerchen war schon hin und wieder zu sehen, allerdings nur für ausgewählte Reporter, denn die Fackel war beständig von einem Wall aus Sicherheitskräften umgeben. Nun diente dieser zwar eher dem Schutz vor Suizid-Bombern, der islamitischen Regierung gelang so aber auch die Abwehr jeglicher Proteste gegen Chinas Tibet-Politik und macht die Polizei-Eskorte zu einer Maßnahme die der kommunistische Partei-Vorsitzende Zhang Qingli gern in jedem Olympia-Land gesehen hätte.
Der traurige polit-historische Hintergrund jener Routineübung für pakistanische Sicherheitskräfte lässt mich derweil zweifeln, ob die Operation "Fackellauf" tatsächlich Stolz unter Teilnehmern erzeugt. Besinnen wir uns doch kurz welchen Zweck der Fackellauf erfüllen soll: "Auf seinem Weg kündigt das Feuer die Olympischen Spiele an und vermittelt eine Botschaft des Friedens und der Verbundenheit der Völker." (Olympisches Museum, http://www.olympic.org/common/asp/download_report.asp?file=en_report_656.pdf&id=656, 16.4.2008)

Was die Pakistani aber zu sehen bekamen war weder Frieden noch Verbundenheit sondern ein internationaler Beweis für die Instabilität ihres Landes und die ständige Bedrohung durch islamitische Terroristen. Die Gefahr mitten im Leben zersprengt oder erschossen zu werden ist so allgegenwärtig, dass hier kein einziger Tibeter vor der Kamera sichtbar war.

Derweil erneuert der Dalai Lama seine Klage an das chinesische Politikum um den rituellen Völkermord an Tibet, während weltweit Außenminister ihre kommunistischen Kollegen wiederholt auffordern endlich einen Dialog mit den Tibetern zu beginnen. Jene dementieren aber weiterhin jegliches Aggressionspotenzial seitens der chinesischen Sondereinsatzkommandos. Die jüngste Initiative des Propagandaministers Yang Jiechi erstrebt den Boykott französischer Supermarktketten. Man will über finanzielle Attacken auf die Pro-tibetischen Franzosen ein Einlenken letzterer erzielen, was aber bei der unglaublichen Borniertheit derselben kaum gelingen wird.

Ich bin ja nur gespannt wie hübsch nationalistisch die Militärparade aussehen wird mit der die olympische Fackel in Peking eintrifft und mit wie viel Dreck Jiechi bis dahin noch um sich wirft.
 

=> 19.4.2008

Montag

14.4.2008

Demokratie in Afrika

Noch immer sind in Simbabwe zahlreiche Familienverbände auf der Flucht vor radikalen Regierungsvertretern. Zwar ist auch zwei Wochen nach den Parlamentswahlen kein Ergebnis in Sicht, da Robert Mugabe weiterhin alle offiziellen Berechnungen zurückhält, jedoch wird bereits lautstark eine Neuauszählung der Stimmzettel in einigen kritischen Gebieten gefordert.
Wir erinnern uns: am 29. März fanden in Simbabwe freie Parlamentswahlen statt, die durch reichlich Militär-Präsenz geprägt waren, und durch die Aussage des Polizeichefs, er würde nur den 84-jährigen Amtsinhaber Mugabe als Wahlsieger akzeptieren. Unter diesen "freien" Voraussetzungen und unter steter Überwachung durch simbabwische Königstreue Streitkräfte durften die Einwohner des verarmten, ausgebeuteten Landes ihre Stimmen abgeben, vorausgesetzt sie wurden nicht frühzeitig als Wähler der oppositionellen Bewegung für einen demokratischen Wandel (MDC) identifiziert und aus dem Kreis der Wähler entfernt. Eine internationale oder auch nur unabhängig afrikanische Beobachtung dieses Vorgangs kam nicht zu Stande, da Amtsfurz Mugabe sich jegliche Einmischung verbat. Seitdem wartet man auf die Bekanntgabe der Resultate jener "geheimen, unabhängigen, freien" Wahlen. Nach offizieller Verlautbarung letzter Woche hat die MDC bei der Parlamentswahl gewonnen, die Wahl des Präsidenten steht aber noch nicht fest.

Nun sind die Anhänger der Opposition natürlich sauer, weil die Neuauszählung ebenso nach Betrug riecht wie der Aufmarsch von Militär und Polizei in den kritischen Wahlbezirken. Gleichzeitig sind die Hooligans des Machtinhabers erbost über den Nachdruck mit dem die Opposition gegen ihre redlich ererbten Polstersessel zu Felde zieht. Hauptleidtragender ist weiterhin das Volk, das man jahrelang um die Früchte seiner Arbeit betrogen hat und das auch weiterhin gewaltsame Übergriffe infolge freier Meinungsäußerung fürchten muss. Internationale Aufrufe sowie die Bereitschaft der MDC zu einer Stichwahl um das Präsidenten-Amt haben seitens der Regierung bislang keine positive Reaktion entlocken können.
Vielmehr beharrt man darauf, Mugabe sei der wahre und einzige Gewinner dieser Reformations-Kriege, was wiederum nicht zur Stimmungs-Steigerung bei der vom Volk favorisierten Opposition beiträgt.

Derweil hat sich im gar nicht so weit entfernten Kenia ein neues Kabinett gebildet. Nach gut drei Monaten der Diskussion (die fast ausschließlich mit verbalen Übergriffen für Schlagzeilen sorgte) bleibt Mwai Kibaki Präsident und ernennt Raila Odinga zu seinem Stellvertreter. Die Ministerposten wurden ausdiskutiert und einigermaßen fair verteilt. Natürlich hat es einige Zeit gedauert den Konflikt um Wahlmanipulation und korrupte Beamtenstämme beizulegen, aber es gab keine Neuwahlen, Neuzählungen, Enthauptungen, Volkshetzen, Gewaltausbrüche, Militäreinsätze oder andere Großaktionen des demokratischen Alltags, die momentan in Simbabwe so beliebt sind. Ist das Gewaltpotenzial im Süden Afrikas einfach höher als im Norden? Die Bewohner von Johannesburg würden vermutlich bejahen, Kongolesen aber eher nicht.

Hat es historische oder umweltpolitische Gründe, dass man sich in Kenia mit dem Umstürzen von PKWs begnügt, in Simbabwe aber ganze Dörfer entwurzelt? Vielleicht erfahren wir die Antwort erst wenn eine internationale Friedenstruppe genannte Gebiete absichert und gründliche Nachforschungen anstellt. Auf jeden Fall bleibt Demokratie für die Bewohner des schwarzen Kontinents zumindest für die kommenden zehn Jahre ein sehr schwieriges (bis blutiges) Thema.

 

=> 16.4.2008

Freitag

11.4.2008

Kampf ums Sorgen-Recht

Ich bin immer wieder erstaunt wie wenig Interesse Eltern gegenüber der Ausbildung ihrer Nachkommenschaft zeigen. Die Zeiten von Keller-Kerker und Prügel sind glücklicherweise vorbei, aber wirklich verbessert hat sich die Erziehung unter der oft völlig überraschten Elternschaft nicht. Das beginnt mit dem Rauschen während der Schwangerschaft und endet mit der Ablieferung auf dem Sozialamt. Dazwischen stehen weitere Zigaretten-Exzesse im Kinderwagen, das Applizieren von Ohrringen an Zweijährigen, die nicht vorhandenen Beaufsichtigung beim Krabbeln in der Kiesgrube, bis hin zur völligen Abstinenz von Anteilnahme am kognitiven Bildungsprozess schlechthin.

"Warum ist das so" wird da schon mal mit "Iss so", beantwortet und allerlei andere Fragen des wissbegierigen, weil noch jungen, Kindes über soziales Umfeld und Nahrungszusammensetzung erstickt man mit "Halt den Mund und iss!" Regelmäßige Trennung der Elternteile und Ignoranz gegenüber sämtlichen schulischen Pflichten die über das Unterschreiben von Tagebuch-Einträgen hinausgehen tun ihr übriges, um den heranwachsenden Menschen frühzeitig zum sozialen Krüppel abzustempeln. Wen wundert es also, dass unterbezahlte, demotivierte Lehrer beim Versuch der grundlegenden Schulbildung nur allzu oft ins Leere greifen?!

Beim Elternabend hat meine Chefin beispielsweise stets das Gefühl, sie wäre die einzige anwesende Person (Lehrkörper eingeschlossen) der an der Aus- und Weiterbildung ihres Sprosses gelegen ist.
Auf dem Radweg nach Hause traf ich neulich auf ein junges Pärchen, das so sehr mit sich selbst und der Bedienung ihrer Mobiltelefone beschäftigt, dass sie ihr rund vierjähriges, unbeleuchtetes Kind kommentarlos auf dem dämmerigen Fahrradweg laufen ließ. Als ich sie dann aus ihrer Trance klingelte, streckte die Mutter legasthenisch die Hand nach ihrer Tochter aus. Aber noch ehe sie das Mündel auf den Gehweg zerren konnte, war ich bereits in großem Bogen um sie herum gefahren. Zu allem unfürsorglichen Überfluss rief sie mir noch entrüstet nach: "Haste keene Bremsen Mahn?", woraufhin ich fast beinahe stehen geblieben wäre, um ihr mit einem Kurzreferat über Aufsichtspflicht, Verhalten im Straßenverkehr und insbesondere der Straßenverkehrsordnung, Paragraph 25, "Fußgänger" den Heimweg zu leuchten, was ich aber aus Gründen potenziell sinnvollerer Zeitnutzungsmodelle unterließ.

Und was ist mit diesem türkischen Vater den ich allmorgendlich dabei belauschen darf wie er seinen Achtjährigen auf Türkisch den Tagesablauf erklärt. Der Junge wird nicht nur schwer Deutsch lernen (momentane Amtssprache in Deutschland), sondern auch seine Klassenkameraden bei ihrem Bildungsprozess behindern, weil die Lehrer Schwierigkeiten haben sich mit ihm zu verständigen.

Nach solchen Erlebnissen in Kombination mit meinen Erinnerungen an den Dugenhubel-Clan muss ich doch noch einmal nachfragen was eigentlich gegen Zwangs-Sterilisation nachweislich verantwortungsloser Elternteile einzuwenden ist. Oder anders gefragt: Wenn eine Frau alle Jahre wieder ein Baby hervorbringt das letztendlich immer als laufende Nummer auf dem Sozial- und/oder Jugendamt endet, sollte man ihr dann nicht grundsätzlich das Anrecht auf Zeugung und Betreuung eigenen Nachwuchses entziehen?!

 

=> 14.4.2008

Donnerstag

10.4.2008

Olympia-Vorboten

An jeder Haltestation der olympischen Fackel, die momentan rund um den Globus tourt, gab es Proteste, Kundgebungen und Banner gegen die Unterdrückung Tibets durch den chinesischen Kommunismus. Manch einer tuschelt gar, man solle den Lauf vielleicht besser abbrechen, da die Fackel nun nur noch unter gestrengen Sicherheitsvorkehrungen transportiert wird und die Läufe an sich ohnehin relativ kurz gehalten werden. Es wird also doch ein gewisser Druck auf China ausgeübt, das mit seiner Politik der Gewalt inzwischen Buh-Rufe aus der ganzen Welt, und sogar von George Bush, auf sich ziehen konnte.

Letzte Woche hat man sogar mal wieder Journalisten ins Land gelassen, die unter strenger Bewachung in eigens für sie angerichteten Schauplätzen "recherchieren" durften. Geholfen hat es nix, denn einige mutige Mönche haben trotz Androhung von Mord und Folter ihre eigenen Ängste und die Lügen ihrer Peiniger offenbart. So sehr sich Jintaos Diffamations-Reigen auch abmüht, am Ende bleibt man doch immer chinesisch.

 

=> 11.4.2008

Mittwoch

9.4.2008

Finanzkrise

Nun ist es doch passiert, der Skandal um amerikanische Immobilienspekulationen und die damit verbundenen Abschreibungen bei allen beteiligten Finanzmärkten zieht seine Kreise. Große und kleine Banken mit globalem Finanz-Potenzial fallen tot um und müssen von ihrer angehörigen Regierung reanimiert werden. Deutschland hat bereits diverse Milliarden Euro in den Erhalt von Kreditinstituten fließen lassen und ein Ende ist nicht in Sicht. Auch dieses Mal ist also der Steuerzahler für die Errettung von Einrichtungen zuständig die im Grunde nur eines produzieren: Geld.
Soweit die Theorie. In einer Praxis-orientierten Risiko-Studie zeigt sich allerdings, dass die durch Banken errungenen Euros hauptsächlich den Bankiers zukommen und mitunter unverantwortliche Risiken beschworen werden. Staat und Staatsbürger sind dann in der Pflicht jene Risiken zu tragen, den Unfug zu beseitigen den die Banken als Beiprodukt momentan im Überfluss abwerfen.

Wenigstens hat der skandalöse Ruin unser Finanzmonopolisten dieses Mal weit reichende Konsequenzen, denn der Verlust 15 (in Worten: fünfzehn!) Milliarden Euro auf Bundesebene schreit nach einer Neuberechnung des deutschen Finanzhaushalts 2009. Also werden Gremien gegründet, Tagungen einberufen, Sonderpläne entworfen und Köpfe gerollt. Das Ziel jener Aktion ist es, derlei Krisen in Zukunft durch bessere Überwachungsmechanismen zu verhindern. Tatsächlich gab es aber bereits reichliche Kontrollen, die allerdings nicht genutzt wurden. Warten wir einfach sechs Jahre, spätestens dann sehen wir den nächsten Zusammenbruch von globalen Wertesystemen aus völlig unvorhersehbaren Gründen.
Derweil geben sich die Ressorts Wirtschaft, Bildung, Entwicklung und Verkehr unnachgiebig den bereits geplanten Etat für 2009 wieder zu reduzieren, was Finanzminister Steinbrück zu bislang unbekannter Aktivität antreibt. Er will notfalls die Mittel der entsprechenden Haushalte selbst zusammenstreichen, denn das längst versprochene Geld kann er nun mal nicht auszahlen, wenn nebenher zwanzig Milliarden an Kredit-Trottel abgehen.

Abgesehen vom offensichtlichen Impakt auf den Steuerzahler und die mittelbare Belastung der Entwicklungsländer ist mir das Thema eigentlich schnuppe, weltlicher Reichtum war schließlich nie mein Hauptziel. Aber die erzwungene Steigerung von Aktivität unter Ministern und Vorstandsvorsitzenden erheitert mich und sieht auch noch lustig aus. Macht lieber jetzt eure Fotos, in ein paar Wochen verfallen die Typen nämlich wieder in ihre Winterstarre!
 

=> 10.4.2008

Freitag

4.4.2008

Kein Biosprit für Deutschland

Bundesumweltminister Gabriel hat dem neuen Biosprit nun endgültig die Einreisegenehmigung entzogen. Der von 5 auf 10 % erhöhte Anteil von Ethanol am Benzin ist von den meisten derzeit verfügbaren Kraftfahrzeugen nicht verwertbar. Das aggressive Ethanol korrodiert sämtliche Leitungen und ist im E10 (10% Ethanol) eben wesentlich reaktiver als im herkömmlichen E5.
Das Gesetz zur Umstellung auf E10 wurde längst beschlossen und seit einem halben Jahr häufen sich im Umweltamt die Kritiken von Automobilverbänden und Fernsehmagazinen die allesamt besagen, dass zu viele Fahrzeuge nicht E10-tauglich sind. Da Gabriel aber auch nur Minister ist, hat die Wahrheit eine Weile gebraucht um den beschwerlichen Weg vom Schreibtisch in die offizielle Anhörung zu finden. Jetzt hat er's aber und das Ergebnis dürfte wohl jedermann freuen, die Reaktionsgeschwindigkeit des deutschen Beamtentums hingegen weniger.
 

=> 9.4.2008

Freitag

29.3.2008

Gib mir Musik!

Da frage mich noch mal jemand was ich gegen Techno, Trance und Konsorten habe. Diese psychedelische Aberranz von Musik kann einen klaren Verstand schon final verknoten wenn man sie nur durch die Kopfhörer eines Bahnfahrers hören muss, mit dem man einen bei 80 km/h durch den Tag rauschenden Regionalbahn teilt, wie mir erst heute wieder geschah. Diese strapaziöse Aneinanderreihung von elektronisch erzeugten und allesamt künstlichen und sehr ähnlich klingenden Geräuschen in immer wiederkehrender Abfolge, die selbst von einem Zufallsgenerator mit Soundkarte erzeugt werden kann und daher nicht einmal den Anspruch erheben kann eine Form von Kunst zu sein, stellt für mich den absoluten Beweis der Verblödung unserer momentan jüngeren Generation dar. Die ständige Wiederholung der stets identischen Kratz-, Piep- und sonstiger Stör-Geräusche senkt, ja vernichtet meine Konzentration und verhindert selbst bei geistig anspruchsloser Literatur wie Comics, dass ich mich am Ende einer Seite noch erinnern kann wovon die Geschichte überhaupt handelt.

Laut Herrn Nielson stellt elektronische Musik eine Form von psychologischer Freiheit und Entspannung dar. Sie diene dazu bei wachem Körper, oder gar im Tanz, zu "chillen", also zu schlafen. Möglicherweise liegt es an meiner schlechten Erfahrung mit Schlafwandlern, dass ich mich lieber im Wachzustand denn im Schlaf fortbewege. Vielleicht fehlt mir auch einfach das notwendige Kulturverständnis um das Bedürfnis unserer Folgegeneration nach gesellschaftlichen Zusammenkünften in völliger Bewusstlosigkeit (sprich: Techno-Partys) begreifen zu können.
Auf jeden Fall wäre mir wesentlich wohler wenn unsere Jugend mehr Jazz, Punk und Heavy Metal hören würde. Denn das ist Musik die auch bei aktiviertem Gehirn gut klingt.

 

=> 4.4.2008

Montag

24.3.2008

Deutschlands Rolle in Tibet

Deutschland hat sich aus dem Konflikt um Tibets Autonomie nun beinahe final verabschiedet. Das Parlament reagiert weiterhin verhalten und der deutsche Sportverband hat einen Boykott der olympischen Sommerspiele 2008 definitiv ausgeschlossen. Der Verzicht auf Teilnahme helfe niemandem, es sei viel wichtiger in dieser Angelegenheit den Dialog zu suchen und eben dies könnten die Sportler dann im Sommer vor Ort tun. Gerade hier liegt aber das Problem, denn die Chinesen wollen keinen Dialog und verhindern ihn vielmehr mit aller Macht. Es ist niemand mehr in Tibet der unabhängig über die Lage berichten könnte, tausende Tibeter wurden inhaftiert, über einhundert wurden erschossen, der Dalai-Lama wird öffentlich beschimpft, sein Volk denunziert, die Klöster überwacht. China hat ein diffuses Netzwerk aus Propaganda, Lügen, Kolonisierung und Militärpräsenz gestrickt, das sie auch unter dem angedeuteten Druck internationaler Buh-Rufe nicht entwirren werden.

China droht Taiwan ganz offen mit Krieg, sollte die Inselprovinz versuchen sich selbstständig zu machen. China überwacht seine Bürger und inhaftiert Menschen aufgrund ihres Glaubens. China toleriert die Ausbeutung von Menschen bei Stundenlöhnen unter zwei US-Dollar in Brand- und Einsturz-gefährdeten Kohleminen. China ignoriert Warnungen anderer Industrienationen und verbittet sich jegliche Einmischung in allen inner- oder außenpolitischen Fragen.
In wieweit korreliert diese Einstellung mit dem olympischen Gedanken von Ehre und Völkerverständigung?! Na, gar nicht! Die Standortentscheidung für Olympia 2008 wurde offensichtlich nicht zum Wohle des Sports sondern aus kommerziellen Gründen getroffen.

Und obwohl die Tibeter ganz offensichtlich internationaler Hilfe bedürfen, gibt es scheinbar keinen politischen Würdenträger d er sich für sie stark machen kann. Im Gegenteil, ein Boykott dient nicht einmal als letzte Option. Nach der Anerkennung des Kosovo hatte ich wesentlich mehr von unserer Regierung erwartet. Etwas wie: "Herr Jintao, ihre offenkundige Intoleranz gegenüber fremden Kulturen die in Unterdrückung, Lügen, Verleumdung und Gewaltexzessen wie jüngst in Tibet ihren Ausdruck finden, sind für einen Träger der Olympischen Spiele, einen Botschafter der Völkerverständigung absolut inakzeptabel. Eine Teilnahme Deutschlands an dieser Zusammenkunft unter Welt-offenen Bedingungen ist für uns momentan nur schwer vorstellbar. Einen Boykott unsererseits können wir daher nicht ausschließen."
Stattdessen wird das Thema mit all seinem Blut daran einfach vom Tisch geschubst. Ich bin entsetzt angesichts dieser Nachgiebigkeit.
 

=> 29.3.2008

Mittwoch

19.3.2008

Tibet-Terror (3)

Der Dalai-Lama hat sich bereits am Montag für eine Beilegung der Gewalt in seiner Heimat ausgesprochen. Er drohte gar mit seinem Rücktritt, sollten die Tibeter nicht wieder zu friedlicheren Formen des Protests übergehen. Außer den chinesischen Propagandisten will dies natürlich keiner, denn da der Panchen-Lama (mitsamt seiner Familie!) seit über zehn Jahren gefangen gehalten wird, wäre das tibetische Volk ohne den Dalai-Lama völlig führerlos.

Derweil entrüstet sich Propagandahäuptling Hu Jintao die aktuellen Ausschreitungen seien eine weitere Verschwörung der "Dalai-Lama-Clique", eine morbide Taktik der hinterhältigen, blutrünstigen, verschlagenen, gewaltbereiten Monster-Mönche um die Mildtätigen Chinesen ihrer Rechte zu berauben und Tibet gewaltsam zurückzuerobern. Diesem Unterfangen ist natürlich mit Strenge entgegen zu wirken und da sich das Anführer-Monster bereits ins indische Exil verkrochen hat, muss mit anderen Mitteln gegen den drohenden Bürgerkrieg gekämpft werden. Dabei verbittet er sich ausländische Einmischung in jeglicher Form und da nun kein Ausländer mehr Tibet betreten darf, ist selbst Observation unmöglich geworden. Das gibt den Chinesen die Möglichkeit bis zu den olympischen Spielen sämtliche Aufständischen zu erschlagen und Tibet zu säubern.

 

=> 24.3.2008

Montag

17.3.2008

Terror in Tibet (2)

Die Aufstände im chinesisch besetzten Tibet dauern weiter an, obgleich in abgeschwächter Form, da nun ein erheblicher Anteil der chinesischen Armee in Tibet stationiert wurde. Nach Angaben von Exil-Tibetern wurden bereits über 90 Menschen erschossen, was für einen unbewaffneten Volksaufstand eine zu hohe Zahl ist und mutmaßlich von der hohen Gewaltbereitschaft der Chinesen zeugt.
Sprecher der Volksrepublik geben derweil an, es seien nur etwa sechs Menschen getötet worden, der Aufstand sei fast beendet und relative Ruhe in der heiligen Stadt Lhasa eingekehrt. Von den patrouillierenden Panzern und Soldaten erzählt man hier nicht, auch nicht von dem massiven Polizeischutz, den die Ladenverkäufer nun bekommen, auch die verwüsteten Polizeistationen und Geschäfte bleiben unerwähnt, ebenso wie die tausenden Inhaftierungen, die Personenüberprüfungen und Hausdurchsuchungen und all die anderen Formen der Unterdrückung mit denen man gegen die wehrlosen Tibeter vorgeht. Nein, für die chinesische Presse ist der Konflikt behoben, das Klosterland Tibet wieder friedlich. Und da nur ein einziger internationaler Journalist bis heute in Lhasa bleiben konnte, wird man wohl auch in den kommenden Wochen nur schwerlich die Wahrheit über den Tibet-Aufruhr erfahren.

Währenddessen ziehen auch serbische Kosovaren randalierend durch die Straßen, allerdings nicht in der heiligen Stadt sondern im neuen Staat Kosovo. Die Autonomie dieser umkämpften Region ist für die Serben dermaßen inakzeptabel, dass sie mit geballter Gewalt gegen ihre albanischen Mitbürger aufmarschieren. Der für einen Volksaufstand bisher relativ gemäßigte Verlauf ist dem schnellen Eingriffinternationaler Truppenverbände zu verdanken, die die serbischen Gruppen eindämmen und zurückdrängen konnten. Und obwohl die Aufständischen mit Steinen, Molotow-Cocktails und zuletzt auch Handgranaten auf die Truppen von Polizei und KFOR warfen, wurden durch die seit einer Woche andauernden Ausschreitungen noch niemand getötet.
Ich will das jetzt nicht als Musterbeispiel für einen Gewalt-behafteten Protest bezeichnen, aber das geringe Maß an exzessiver Gewalt seitens der Regierung ist doch sehr markant unterschiedlich zu dem der Chinesen. Molotow-Cocktails und kaum gefährliche Verletzungen in Kosovo, Steinwürfe und über neunzig Tote in Tibet, wobei wohlgemerkt niemand zu Tode gesteinigt wurde.

 

=> 19.3.2008

Sonntag

16.3.2008

Tibet erhebt sich

Weltweit protestieren Tibeter gegen die Besetzung ihres Landes und die brutale Unterdrückung durch den chinesischen Kommunismus. Die Wahl des Zeitpunkts war vermutlich sehr entscheidend für diese weltumspannende Revolution, denn in diesem Sommer finden ja in Peking die olympischen Spiele statt. So zeigen sich seit mehreren Tagen vor vielen chinesischen Botschaften Tibeter jeden Alters und protestieren, meist unter Einsatz moderater bis grober Gewalt, gegen die Umbauten, Vertreibungen, Inhaftierungen und Unterdrückungen durch das chinesische Proletariat. Nun hat es ja schon früher Aufstände ähnlicher Art gegeben, wodurch Chinas Position sich relativ stark verfestigt hat.

Was also sollte dieses Mal anders sein?
Zunächst können die Exil-Tibeter nun global agieren und so die Medien weltweit auf ihre Situation aufmerksam machen. Dieses Mal wird man folglich wenig vertuschen können.
Zweitens entsteht durch das anstehende sportliche Großereignis ein politischer Druck auf die Besetzungsmacht diesen Konflikt mit möglichst wenigen Toten beizulegen. Zwar wurden in den letzten vierzig Stunden bereits einige Menschen erschossen und noch viele mehr inhaftiert, aber von dem Blutbad anno 1959 ist man noch weit entfernt. Die Belagerung von Lhasa wird jedenfalls noch eine Weile andauern.

 

=> 17.3.2008

Samstag

15.3.2008

Warum Fußball manchmal auch Spaß machen kann

Der 25te Spieltag der deutschen Fußball-Bundesliga ist ein äußerst historischer, denn heute spielte der Tabellen-Erste FC Bayern München gegen das Tabellen-Schlusslicht Cottbus. Zu erwarten war ja, dass die Bayern wieder einmal total schlechte Taktiken und verpatzte Spielzüge zeigen und dennoch 3:0 gewinnt. Die bayrische Überheblichkeit sorgte jedoch für ein beinahe reziprokes Ergebnis. Mit einer 0:2-Blamage mussten sich die Münchener Fußball-Profis vom Platz trollen, während sich die spielerisch unterlegene, moralisch aber hervorragend agierende Cottbusser Mannschaft verdientermaßen ihren glorreichen Sieg über den Traditions-Meister des deutschen Vereinsfußballs feiert.
 

=> 16.3.2008

Montag

13.3.2008

Der Krowling-Effekt

Ich muss mich jetzt einfach mal über amerikanische Drehbuchschreiber auslassen, denn manch gute Geschichte wird von jenen Schreiberlingen so brutal verhunzt, dass es weh tut. Zum Beispiel verlor der bissige Staatsanwalt Shark heute seine Anklage gegen einen fünffachen Mörder und Sadisten, weil die Aussage der Schlüsselzeugin aus dem Protokoll gestrichen wurde. Die Jury entschied sich dann für "nicht schuldig", obwohl die Zeugin vorher unter Tränen ihre Aussage gegen den Killer machte, der obendrein unseren Shark offen bedrohte seiner Tochter ähnliches anzutun. Obschon also der Jury gute Argumente für die Zwielichtigkeit des Angeklagten vorgebracht wurden, entschied sie sich gegen einen Schuldspruch, was dem eigentlichen Verständnis einer solchen Gerichtsserie zuwider läuft. Der Autor jener Zeilen schrieb sie folglich nur zu Gunsten der Dramaturgie.

Da mich solche Effekte schon seit Harry-Potter-Zeiten tierisch nerven (der dämliche Zauberlehrling entscheidet sich ja ständig entgegen dem gesunden Menschenverstand, weil Joanne K. Rowling angedachter Storyverlauf dies notwendig macht), habe ich jetzt endlich einen Namen für das Phänomen final demolierter Geschichten gefunden: Der Krowling-Effekt. Damit der Begriff möglichst bald Eingang in die Lehrbücher der Philologie findet und somit der Wissenschaft zugängig wird, füge ich dem auch gleich eine Definition bei.

"Entwickelt sich die Schlüsselszene einer ansonsten menschlich verständlichen Handlung entgegen jeder Logik oder Wahrscheinlichkeit und wird dadurch für das Publikum/den Leser nicht nachvollziehbar, und trifft der Urheber jenes Handlungsstranges diese Entscheidung nur um mit späteren Ereignissen auf diesem Handlungsteil aufbauen zu können; wird also das Publikum zu Gunsten einer gestreckten Handlung um eine nachvollziehbare Geschichte betrogen, so spricht man vom Krowling-Effekt." Dass Werke mit vielen Krowlings sich dennoch großer Beliebtheit erfreuen können, zeigt die Namens gebende Autorin Joanne K. Rowling mit ihrer Harry Potter-Reihe. Hier werden die Hauptcharaktere durch den Krowling-Effekt unglaubwürdig überzeichnet, um den Spannungsbogen halten zu können.

 

=> 15.3.2008

Dienstag

11.3.2008

Bummelnde Notärzte

Seit der kompletten Umstellung des Notrufsystems für Rettungsstellen kommt der Rettungswagen bei vielen Notfall-Patienten verspätet an. So wurde beispielsweise 2006 im Landkreis Oder-Spree die Hilfsfrist von fünfzehn Minuten in 18% der Fälle überschritten. Wenn man sich entsprechend vergegenwärtigt, dass viele dieser Notfälle mit einem Schlaganfall, Kreislaufkollaps, Organversagen, oder starken Blutungen kämpfen, so mag einem vielleicht aufgehen welche Panik die Betroffenen und deren Angehörige nach 15, 20 oder gar 25 Minuten Wartezeit befällt. Von dem stark erhöhten Risiko bleibender Schäden oder Ableben des Patienten ganz zu schweigen.

Einige Leute geben jetzt wieder einmal den Ärzten, Sanitätern und Fahrern die Schuld was wieder einmal falsch ist, denn das Personal hat sich seit den besseren Zeiten nicht wesentlich verändert. Mein Schwager ist selbst hin und wieder als Not- oder Rettungsarzt tätig und konnte mir glaubhaft versichern weiterhin sein bestes zu geben.
Allerdings ist die neue zentrale Rettungsleitstelle in Frankfurt (Oder) ein grobes Hindernis auf dem Weg zum (Notfall-)Patienten. Die Leute dort regieren über einen viel zu großen Aktionsraum und leiten den Rettungswagen nicht selten über Umwege und Sackgassen ans Ziel. Es ist halt kein Wunder, dass die ärztliche Versorgung in Deutschland derart schwächelt, wenn ständig an Stellen und Material gespart wird. Da werden Gehälter gekürzt, Reparaturen ausgesetzt und Privat-Patienten mit Raucher-Husten dem AOK-Herztransplanten vorgezogen. Man muss schon einen wirklich guten Hausarzt haben und bei bester Gesundheit sein um in diesen Zeiten lange überleben zu können.

 

=> 13.3.2008

Montag

10.3.2008

Bankrott durch die Bahn

Das ZDF-Journal Wiso zeigt, dass Gewerkschaftsführer Shell nicht der einzige ist, der vom Unternehmen Zukunft (Deutsche Bahn) mehrmals um mehrere Millionen Euro geprellt wurde. So entsorgte der Unternehmer Herr Rietz im Auftrag der Bahn einige Tonnen Kies von verseuchten Dämmen. Als es jedoch daran ging die Altlastensanierung zu bezahlen, weigerte sich der Auftraggeber den finanziellen Ausgleich durchzuführen.
Letztendlich musste Herr Rietz Insolvenz anmelden und wartet nunmehr seit über drei Jahren auf sein Geld. Er hat die Bahn verklagt und gewonnen, das Berurufungsverfahren seitens der Bahn schlug fehl, wodurch der Auszahlung jener Zweieinhalb Millionen Euro eigentlich außer Ignoranz nichts mehr im Wege stehen sollte. Letztere ist allerdings groß genug um die gesamte Kundschaft mehrere Tage lang auf Transport warten zu lassen, organisatorische und terminliche Versprechen wiederholt zu vergessen und Verbraucherpreise ungerechtfertigt zu erhöhen, wodurch eine Abhängigkeit von der Deutschen Bahn für jedes Mittelstandsunternehmen ein finanzielles Fiasko darstellt.
Wer sich mit diesen Leuten einlässt, muss damit rechnen als Hartz-IV-Empfänger zu enden.
 

=> 11.3.2008

Sonntag

9.3.2008

Streik-Abbruch bei der Bahn

Quasi in letzter Minute konnte ein erneuter Streik unter den Lokführern der Deutschen Bahn verhindert werden. Eigentlich wollte die GDL ab morgen unbefristet den Fracht- und Personenverkehr blockieren, hat sich aber doch noch über die Einzelheiten des neuen Tarifvertrages einigen können. Grund für die nicht ganz unerwartete Streitsituation war die erneute Prellung um bereits abgeschlossene Vereinbarungen. Mehdorn hat einen Grundlagentarifvertrag aufsetzen lassen der den bisher getroffenen Vereinbarungen mit der Gewerkschaft widerspricht und musste sich nun noch einmal mit den Truppen Shells auseinandersetzen.
Zum Glück der Bahn-Kunden scheint es aber dieses Mal funktioniert zu haben, denn die Verträge sind jetzt unterschrieben, auf Deutschlands Schienen kann wieder der gewohnte Verkehr aufgenommen werden.
 

=> 10.3.2008

Dienstag

26.2.2008

Von der Leichtigkeit des Seins

Aus aktuellem Anlass (mangelhafte Auftragslage) bauen wir Schwerlastregale aus Fertigteilen. Die Produktzettel auf den Ikea-ähnlichen Kartons identifizieren die Bausätze als "Steckregal für schwere Lasten" und führt zudem die einfache Montage und hohe Stabilität als hervorzuhebende Kaufgründe an. Unsere praktischen Tests zeugen jedoch von einer gänzlich anderen Qualität.
So gelingt der Aufbau nur mittels eines Gummihammers, da die metallenen Leisten so maßgenau geformt wurden, dass sie sich nicht freiwillig ineinander stecken lassen. Eine der Querstreben muss gar angesägt werden, da sich die tragende Auslassung beim Kontakt mit dem Regal final verbiegt. Das sollte wohl auch die "hohe Stabilität" des Lastträgers limitieren.

Überhaupt erzeugen wir sehr viele Dellen und abgeplatzten Lack, sodass es uns schwer fällt die Regale ästhetisch optimal im Raum zu platzieren. Wir können sie schließlich nicht mit jeder Seite an die Wand stellen!
Nach gut vier Stunden ist das frustrierende Bauprojekt glücklicherweise beendet. Die Mieter der unter uns liegenden Räumlichkeiten beschwerten sich mehrmals über unsere lauten Bastelmethoden, weshalb es der Chef für ratsam hält, die übrigen Schwerlastregale erst morgen zu bauen. Ich glaube, morgen bin ich krank.

 

=> 9.3.2008

Samstag

23.2.2008

Kosovo steht

Das deutsche Parlament hat gestern offiziell in Berlin verlauten lassen, dass es die Souveränität des neuen Staates Kosovo anerkennt und umgehend diplomatische Gespräche mit dessen Regierung aufnehmen wird. Im Gegenzug hat Serbien seinen Botschafter aus Deutschland zurückbeordert und den Berliner Beschluss hart beschimpft.
Währenddessen marschieren Serben vor allen Botschaften auf deren Länder sich für die Anerkennung des Kosovo entschieden haben. Da wird randaliert, mit Farbe und Dreck geworfen, Prügel verteilt, Polizei angegriffen. Serbien hat sich also wie immer voll im Griff und zeigt deutlich, warum die Loslösung des Kosovo so eine verdammt gute Entscheidung war. Wer will schon zusammen mit einem militanten, anarchistischen Volk in einem Land wohnen?! Es wird Zeit, Bayern loszuwerden.
 

=> 26.2.2008

Freitag

22.2.2008

Selbstjustiz und dessen adäquate Androhung

Unser Dirk, Mischlingsrüde, hat bei seinem Morgenspaziergang am Straßenrand einen Strauch gefunden dessen olfaktorische Qualitäten er als unzureichend einstufte, was natürlich umgehend durch eine urinale Markierung seinerseits behoben werden musste. Der Mann dem das Grundstück in unmittelbarer Nähe zu diesem gut zwanzig Zentimeter hohen Gestrüpp gehört hat den Vorgang wohl beobachtet und kam uns eiligst nach. Der recht kurz gewachsene Mann Mitte vierzig sprach mich alsdann mit grob aggressiver Stimme an und verkündete folgende Wort: "Wenn dein Köter hier noch einmal hinpinkelt. Oder hinscheißt. Denn komm ick dir hinterher und hau dir uff de Fresse."

Nun stehe ich zu diesem Menschen in keinem Verhältnis das es ihm gestatten würde mich zu duzen, aber diese offen zur Schau getragene Respektlosigkeit gehört wohl zum Grundbild dieses in blaue Latzhose gekleideten Prolemikers. Überdies erinnere ich mich, dass er mich schon vor rund zehn Jahren in ähnlichen Tonfall mobbte, aus beinahe ähnlichem Grund.
Ich ging damals noch wesentlich öfter an diesem Haus vorbei, da die Strecke damals besser mit meinem schulischen Stundenplan vereinbar war. Er war dann oft mit seinem unangeleinten Hund vor der Tür und ich musste darauf warten, dass er ihn wieder auf sein Grundstück trieb. Einmal näherte ich mich dem Grundstück gar von der anderen Seite, sodass er mich nicht sofort bemerkte und in eine relative Panik ob meines plötzlichen Erscheinens verfiel. Und schon damals lautete seine Reaktion etwa: "wenn du noch einmal mit deinem Köter von da hinten ankommst, denn…"

Ich will jetzt bezüglich der sprachlichen Unzulänglichkeiten unseres Drohenden gar nicht weiter ins Detail gehen, zumal inzwischen jedem klar ist, dass wir es hier mit einem Bauarbeiter ohne Aufstiegsmöglichkeiten und Zukunftsperspektiven zu tun haben, der seit seinem Hauptschulabschluss nichts mehr von Recht und Gericht gehört, und schon gar nicht gelesen hat. Aufgrund seiner als gering einzuschätzenden geistigen Fähigkeiten verzichtete ich dann auch darauf ihm zu erklären, dass seine persönliche Gerichtbarkeit spätestens am Gartenzaun endet und der daher keinen direkten Einfluss auf die Geschehnisse zwischen Fußweg und Straße hat. Ich teilte ihm auch nicht mit, dass seine leeren Drohungen auch beim sechsten Mal nicht gehaltvoller geworden sind und daher nicht zur Ernsthaftigkeit seiner Person beitrügen.
Stattdessen fasste ich meine Gedankengänge in einem kurzen, neutral gehaltenen "Ja, klar" zusammen, was er mit einem halb geschrienen "Ick passe uff, do" quittierte.

Wenn ich also demnächst eine Weile nicht mehr schreiben sollte, unterlag ich möglicherweise einem physischen Mobbing durch den gestörten Anarchisten an der Autobahn.

 

=> 23.2.2008

Mittwoch

20.2.2008

kommunikation per TON

Mein Vater ist wieder einmal älter geworden, was freilich Anlass zu einer celebrären Familienzusammenkunft inklusive Nahrungsaufnahme und Kartenspiel mit musikalischer Untermalung, sprich: Feier, gab. Das ist soweit noch unproblematisch, da ich aufgrund von Erwerbstätigkeit erst gegen halb sieben Uhr zu Hause bin und mir der gemeinsame Nachmittag daher entgeht. Leider komme ich aber gerade pünktlich zu den finalen Vorbereitungen fürs Abendessen. Es sind also noch knapp zehn Minuten bis zur Ausrufung des Abendmahls und aus jener Zeit stammt der folgende Dialog, den ich der unschuldigen Leserschaft gern in gekürzter Form teilhaftig werden lassen möchte.

Ich betrete die Küche und merke, wie sich der schon im Flur deutlich riechbare Rauch zu einem auch optisch wahrnehmbaren Vorboten verbrannten Fetts verdichtet. Nachdem ich meine Tasche abgelegt habe, benachrichtige ich meine nebenan sitzende Verwandtschaft über den Schwelbrand der Sonnenblumenkerne auf dem Herdboden. Fast sofort, also mit etwa einminütiger Verzögerung, nähert sich meine Schwester Anita dem Herd, lugt hinein, öffnet und schließt ihn, greift nach dem Brotkorb und teilt mir die Ergebnisse ihrer konzentrierten Beobachtungen durch folgende Botschaft mit: "Die ersten sind jut."
Alsdann beginnt sie mit bloßen Händen, Handschuhe liegen etwa 1,5 m entfernt und somit außerhalb der mittelbaren Reichweite, die heißen, verbrannten Brötchen vom Rost in den Korb zu fördern.
"Die sind aber ganz schön dunkel", mokiere ich.
"Ach komm, hör uff rumzuheulen, die sind doch jut", wirft Anita zurück.
"Nimm die ruhig alle raus, und mach endlich den Herd aus. Die müssen ja nun nicht noch mehr verbrennen, " kontere ich als Anita versucht, einige nicht ganz so schwarze Brötchen umzudrehen und in den Herd zurückzuschieben.
"Spinnst du? Plärre doch hier nich rum. Die sind doch noch janz matschich. Die anderen müssen noch ne Weile, " erwidert sie in leierndem, anklagenden Tonfall.
Gern würde ich die übrigen Brötchen vor dem fast sicheren Flammentod erretten, doch die, ähm, mächtige Gestalt meiner Schwester blockiert noch immer jeglichen Zugriff auf den Gasherd, der weiterhin mit größtmöglicher Flamme auf das zierliche Backwerk einwirkt. Da ich offensichtlich auch heute nicht durch Argumentation auf meine egomane Schwester einwirken kann, beschließe mich, sie mit dem frisch gefüllten Brotkorb zurück in das Speisezimmer zu schicken. Anita betrachtet dies offenbar als glorreichen Sieg ihrerseits und macht sich, den Korb in der Hand, auf den beschwerlichen Weg zum Esstisch. Da letzterer gut zwei Meter lang ist und sie nach jedem Schritt innehält um mich über die Konsistenz der braunen Backsteine zu informieren, braucht sie aber einige Zeit für das Zurücklegen der Strecke. Dennoch, der Weg zum Herd ist jetzt frei und ich schalte ihn umgehend ab.

Nachdem ich mittels eines zweiten Brotkorbes die übrigen Brötchen gerettet und die Festigkeit ihrer Oberflächen überprüft habe, teile ich meiner nunmehr entrüsteten Schwester die Hintergründe meiner Rettungsaktion mit: "die sind nicht matschig sondern weich. Brötchen müssen so sein. Was du da produziert hast, nennt man hart und verbrannt."
"Bist du blöd?! Die sind nich verbrannt. Und warum macht'n die einfach aus? Warum bist'n du schon wieder so aggressiv", leiert sie weiter.
Aus Rücksichtnahme auf weitere anwesende Familienmitglieder versuche ich nicht, mit ihr weiter zu streiten, sondern evakuiere einfach zwei der genießbaren Brötchen auf meinen Teller und verlasse den Raum.

Das erinnert mich markant an einen ähnlich einseitigen "Dialog" vor einigen Tagen, in dem ich Anita in relativ neutralem Tonfall fragte: "schließt du bitte die Tür?" Woraufhin sie sogleich entgegnete: "Sachma, wat iss'n mit dir?! Haste schlechte Laune oder wat?" Das ganze endete natürlich mit einem "Warum bist du'n schon wieder so aggressiv?", wobei mir nicht bewusst war, dass ich mit unfreundlicher Stimme gesprochen hätte.

Streitpunkt ist hierbei keinesfalls die Unfähigkeit Türen zu schließen oder Brötchen aufzubacken, sondern ihre offensive Verbalstrategie, die sie an solchen Tagen, und derer sind viele, für mich unerträglich machen. Wenn ich eine humorvoll gedachte satyrische Bemerkung mache, hält sie es für eine tatsächlich negative Aussage. Sage ich es freundlich oder neutral, unterstellt sie mir einen sarkastischen Unterton.
Da lobe ich mir doch das geschriebene Wort: keine Tonlage, jede Menge Zeit und Platz die Botschaft zu überdenken und vor allem kann in meinen Texten niemand herumpfuschen und sagen: "das hast du so aber nicht gesagt."

Eine Stunde später bestätigte mir meine zweite Schwester, Jacqueline, übrigens die Unverzehrbarkeit jener steinernen Backwerke, was aufgrund der schwarz verfärbten Unterseiten eigentlich schon zweifelsfrei fest stand.
In diesem Sinne: Schreiben ist schön.
 

=> 22.2.2008

Sonntag

17.2.2008

Freiheit für Kosovo

Der Kosovo hat sich heute ganz offiziell von Serbien losgesagt und sucht dadurch die Kriegs- und Zerstörungsserie die den Balkan seit Jahrzehnten heimsucht zu beenden. Sowohl NATO als auch EU sind sich indes uneinig, ob die neue Autonomie des umkämpften Gebietes ein relativ gutes oder ganz schlechtes Zeichen sei.
In der NATO sind Russland und China die Spaßbremsen. Vermutlich denken beide, die Lossagung jener Provinz von höheren Mächten könnte ein Schlechtes Beispiel für einige Regionen unter der eigenen Herrschaft abgeben. Was aber EU-Mitglieder zur Ablehnung der kosovanischen Autonomie bewegt, bleibt mir unklar, obschon ich gerade Ländern wie Spanien kein besonderes Mitspracherecht in Diskussionen um Völker- und Menschenrechte einräume.
In Serbien wird indes fleißig demonstriert, denn man hat aufgrund eigener Arroganz schließlich ein natürliches Anrecht auf das Gebiet das man so lange und sorgfältig mit Mord und Völkervertreibung eingedeckt hat, was freilich gar nicht so passiert ist wie es die Medien heute fälschlicherweise darstellen.

Das erinnert mich an einige Pakistanis, die steif und fest behaupten Pakistan wäre als rein islamischer Staat gegründet worden, was nachweislich dummes Geschwätz ist. Aber auch hier zeigt sich eben wie leicht moderne Medien die Meinung des einfachen Volkes beeinflussen können. Morgen wird in Pakistan übrigens ein neues Parlament gewählt.
Na, wenn das mal was wird!

 

=> 20.2.2008

Samstag

16.2.2008

Drittes Krankheits-Wochenende

Mein fulminanter Ersteindruck von Nintendos Wii verblasst noch nicht, dennoch werden ich in den kommenden Tagen wohl keinen Wii Sport mehr treiben. Ich bin beim morgendlichen Spazierlauf gestürzt und habe mir das rechte Bein böse geprellt, sodass es nun auf die Breite eines soliden Stahlträgers angeschwollen ist. Die Fähigkeit sich sicher auf zwei Gliedmaßen zu bewegen ist leider Grundvoraussetzung für den körperbetonten Wii-Sport, wodurch mir jenes Spielvergnügen leider vorerst verwehrt bleibt. Das beschert mir das dritte Wochenende in Folge an dem ich nicht in der Lage bin zu backen oder ordentlich Sport zu treiben.
Glücklicherweise habe ich rechtzeitig vorgesorgt und Links Armbrust-Training gemeinsam mit der Konsole erworben. Das kann ich auch sitzend mit hochgelegtem Bein spielen und die sowie grafisch als auch akustisch überzeugende Punktejagd lenkt mich von den Schmerzen im Unterschenkel ab.

Ferner kann ich nun auch meinen Würfel an meinem eigenen Fernseher installieren, da ich GameCube-Spiele auch auf der Wii mit bestmöglichen Ergebnissen auf wiedergeben kann. Das macht mich unabhängig von den Fersehlaunen meiner Eltern und lässt mich endlich Evolution Worlds weiter zocken. Da jede Partie mehrere Stunden in Anspruch nimmt, war dieses Rollenspiel bislang selten mit elterlichen TV-Bedürfnissen vereinbar.
Trotz Bewegungslosigkeit lässt Nintendo mich hoffen: Alles wird gut.

 

=> 17.2.2008

Freitag

15.2.2008

Wii-Power

Ich hab's getan! Ich tat heute meinen ganz persönlichen Schritt in die nächste Generation der Videospiele und kaufte mir ein Wii. Mein erstes Monatsgehalt ist pünktlich überwiesen worden und konnte daher zielsicher in Nintendos Wunderkonsole samt einem halben Dutzend Spiele investiert werden. Letztere wurden zwar zum Teil bei Amazon.de bestellt und erreichen mich folglich erst in eineigen Wochen, da gerade Nunchuk und Resident Evil permanent ausverkauft sind und ich niemals nicht Teillieferungen beantrage, aber Wii Sports verspricht erst einmal genug Spaß-Potenzial um mich einige Tage sinnvoll zu beschäftigen.

Die Konsole zu ergattern war übrigens gar nicht so einfach, im Media Markt war das gute Stück wie immer aushäusig und bei Saturn gab es noch exakt zwei Exemplare, von denen eines nun neben unserem Fernseher steht. Die Steuerung über Handbewegungen plus weniger optionaler Tasten ist wirklich klasse und allein diese Technik motiviert mich dazu eine virtuelle Tennis-Partie nach der anderen zu schmettern.

Auch habe ich heute einen ganz dicken Freund gewonnen. Also dick im Sinne von "ab und zu ganz erträglich", nicht aber im Sinne von knuffig oder korpulent. Einer meiner Mitarbeiter erschien heute, nachdem er die Nacht bei seiner Freundin verbrachte, relativ unausgeschlafen und hatte dementsprechende Schwierigkeiten sich wach zu halten. Dies resultierte bereits am frühen Nachmittag in einem nicht enden wollenden Wortfluss über seine früheren Tätigkeiten, seine kurze Schlafstunde letzter Nacht und mündete letztendlich in einem furchtbar albernen Gespräch/Quiz über Fernsehserien für Kinder. Da er mir kurz vorher noch mit seinem Gerede über Rathenower Slang und seine Affinition zu schwedischen Namen auf den Sack ging, durfte er sich nun über seinen ganz persönlichen Spitznamen freuen. Ich hoffe jedoch, dass unser Herr Nielson ("Wie heißt der Affe von Pippi Langstrumpf?") kommender Woche besser schlafen wird.
 

=> 16.2.2008

Mittwoch

6.2.2008

Arbeit macht lustig

Mit ein wenig Verzögerung habe ich heute meinen seit einiger Zeit vor sich hin brütenden Arbeitsvertrag bekommen, der mir eine lange Arbeitswoche bei adäquater Bezahlung zusichert. Ich bin also nun ein vollwertiges Mitglied dieser Gesellschaft, Hurra!
Bedauerlich ist derweil, dass ich eine Schweigepflicht-Vereinbarung unterschreiben musste, die mich daran hindert die besten Arbeitserlebnisse zum Amüsement der Öffentlichkeit niederzuschreiben. Und bei der Vielgestaltigkeit unserer Kundschaft könnte ich da schon einige Geschichten erzählen…
 

=> 15.2.2008

Samstag

2.2.2008

Schnupfende Zähne

Meine Zahnärztin kurierte meine verschleppte Erkältung und das kam so:
Ich erwachte des Morgens mit einem äußerst unangenehmen Gefühl im Bereich der Backenzähne. Schnelle Bewegungen zogen sofortigen ziehenden Schmerz in jener Region nach sich, was den Morgen-Spaziergang, sehr zum Unwollen unseres Mischlingsrüden, stark verlangsamte. Da ich im Mundraum relativ empfindlich reagiere, beschloss ich zu jenem Thema meine Zahnärztin zu konsultieren, was zu allem Unglück auch noch mit einer nicht ganz freiwilligen Spende von 10 Euro verbunden war.
Die Dame lobte erneut meine gute Zahnpflege und erklärte mein Problem zu einem Resultat verschleppter Erkältungssymptome. Denn wenn die Nasennebenhöhlen überreagieren, schwappt der Schleim in die Kieferhöhle hinüber und das kann die Nerven in letzterer stark strapazieren. Sie empfahl mir Rotlicht und Kamillendampfbad und entließ mich wieder. Da waren meine zehn Euro ja bestens investiert!

Später am Tag beugte ich mich also tief über eine Tasse frischen Kamillentees und sog den heißen Dampf durch meine verschnupften Nüstern. Zwar entsprach dies sicher nicht der angedachten Vorgehensweise, zeigte jedoch unzweifelhafte Erfolge, da ich hernach sofort grünlich-rosa-farbenen Schleim ins Taschentuch zauberte.
Jene Kieferhöhlenverstopfung würde mich noch bis zum folgenden Sonntag beschäftigen, am Montag kann ich jedoch wieder unbeschwert laufen, Rad fahren und Arbeiten (naja, vielleicht nicht der beste Tagespunkt).

 

=> 6.2.2008

Samstag

19.1.2008

Bilanzen und Finanzen

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind schon ein arg gebeuteltes Länder-Agglomerat. Waldbrände verwüsten Kalifornien, Bush ist immer noch Präsident, um seine Nachfolge zanken ein Halb-Schwarzer, eine Clinton und die 1-2-3-Fries von McCain, und das Bruttoinlandsprodukt fällt unbekannten Tiefen entgegen. Bodenspekulationen haben in Verbindung mit der marodierten Wirtschaft zu üblen finanziellen Verlusten bei vielen Banken geführt. Da die Banken enormen Einfluss auf Aktien- und Währungskurse haben ging der US-Dollar in die Knie und ist inzwischen weniger als 67 Euro-Cent wert (d.h. ein Euro kostet eineinhalb Dollar). Für die meisten Europäer (so auch für mich) ist dies ein Grund zur Freude, denn US-basierte Reisen und Güter sind nun billig wie nie zuvor.

Blöd ist nur, dass viele Banken Europas munter mitspekulierten und momentan im freien Fall die Risiken solcher Geldanlagen erkunden. Inzwischen sind mehrere deutsche Kreditinstitute bankrott und selbst mit staatlicher Hilfe nicht zu rehabilitieren. Ein Berliner Bankenskandal wie vor sechs Jahren wird diesmal also ausbleiben.

 

=> 2.2.2008

Freitag

18.1.2008

Kenia erstickt im Streit um die Wahlzählungen

In Kenia steigern sich die Unruhen, die aus der Verlesung der Wahlresultate vor zwei Wochen resultierten, langsam zu einem Vorboten kenianischer Bürgerkriege. Die provokante Nicht-Auszählung seitens der Regierungsführung Kibakis kostete bereits über eintausend Menschen das Leben und noch immer ist keine wirkliche Verhandlungsbereitschaft aus Richtung der Machtinhaber zu ersehen. In den USA würde man jetzt einfach drauf los regieren (siehe Bush 2001), aber das afrikanische Temperament ist nicht gar so leicht zu beruhigen wie das amerikanische Volk, und so steht der Wahlbetrüger Kibaki weiter im Zentrum eines Sturms aus körperbetonter Gewalt, ein Image das sich ein Touristenziel wie dieses eigentlich nicht leisten kann …
 

=> 19.1.2008

Wednesday

16/1/2008

Recycling in the USA

The National Geographic Magazine lately (January 2008) produced an article written by Chris Carroll about disposal of high-tech trash in overseas countries and the resulting threats for the people. It closes with an example of chemically examined cheap jewellery from China that showed high amounts of copper, lead and other metals from electronic circuit boards. The following text expresses my own impressions of US waste handling in respect to that article:

The example of Chinese jewelry contaminated with lead, copper and other toxic elements proves that sooner or later the problems produced by US citizens and companies will fall back on US feet again. The US are by no means isolated from the rest of the world even though many problems can be shipped abroad or buried away by the use of money. Just think to the thousands (or millions?) of tons of waste that is dumped into the environment every year. Out of sight, out of mind. Out of sense, I'd say, for rain, reinforced by time, will surely wash your waste with all its toxics into your ground water, your forests and crops and right onto your breakfast table.

There is a movement on the way in America that engages these remnants of industrial luggage with the necessary tribute to environmental health and thereby tries to set out for long lasting global prosperity. It's a pity that these voices are so often overheard and growth of these groups is slowed by egoistic interrogation and commercial arrogance.

Even in Europe, the mother of responsible and renewable production models, it is sometimes denounced how recycling fails to pay off economically and that better techniques have to be explored prior to further investments. This is no more than camouflage for the essence of the industrial age: Profit is everything.

What is mostly overlooked and/or forgotten is the other side of the medal, its green side (or black side, talking about the current situation). Not only are we burning and burying toxic compounds that will poison our neighbours and our children, we are also burying valuable resources.
Recycling paper reduces the energy cost for paper production by at least 20% and the need for wood by more than 70%. Glass, plastics and metals can all be put back to use, not to mention copper and rare earth elements. All your dumps will one day be rated as both contaminated with and rich in valuable elements, making them a very toxic source for metals that even today are hard to come by.

I consider it very poor of a nation that is socially and technologically as developed as the USA to spend so little time, money and thought on the global output of their actions and instead consequently ignores the damage that is done to other countries and generations just because of they are out of sight.
We've both the knowledge and the technology to change things right away and thereby create a better future for everyone. The only thing in our way is personal and governmental corruption. So get up and go for it!

 

=> 18.1.2008

Dienstag

15.1.2008

Einigung im Tarifstreit der Bahn (jetzt in echt)

Erneut haben sich Deutsche Bahn und GDL auf einen gemeinsamen Kompromiss zur Tarifsituation deutscher Lokomotivführer geeinigt. Als wichtigste Punkte sind hierbei der eigene Tarifvertrag und eine 11-prozentige Lohnerhöhung zu nennen. Damit ist der "Kompromiss" erneut sehr stark Angestellten-lastig ausgefallen und Pessimisten werden natürlich sofort einwerfen, dass "wir das alles schon einmal gehört haben" (Vgl. 24.12.2007). Das ist auch so unrichtig nicht, aber dieses Mal scheint sich die Bahn-Führung einig zu sein, gegebene Versprechen nicht mehr so leichtfertig zu brechen.

Mehdorn hat inzwischen schon mal schnell berechnet, dass die Lohnsteigerung den staatlich organisierten Konzern innerhalb der kommenden fünf Jahre rund 1,6 Mrd. Euro kosten wird. Zusammen mit den Kosten für die Streiks der vergangenen sieben Monate ergibt das eine Verlustsumme von stolzen 2,5 Mrd. Euro. Zweieinhalb Milliarden Euro! Bei derart schlampiger Konzernführung sollte man möglicherweise noch einmal über den Wert Mehdorns für den deutschen Finanzhaushalt diskutieren. Für mich kann dies eigentlich nur in einer Abmahnung/fristlosen Kündigung resultieren, aber auf mich hört ja wieder einmal keiner.
Gute Fahrt also!

 

=> 16/1/2008

Freitag

11.1.2008

Arbeit in Sicht

Heute durfte ich einen Probetag an meinem potenziellen zukünftigen Arbeitsplatz verbringen. Die Videorettung.de in Berlin stellt neue Leute ein und ich bin vorläufig mit dabei. Zum Eingewöhnen darf ich erst einmal ganztägig Pakete ver- und entpacken und da ich mich einigermaßen geschickt anstelle, wird mir der Posten für die nächsten Wochen gleich ganz übertragen. Ich nehme nun gut zwanzig Stunden pro Woche die Aufträge auf, verstaue die eintreffenden Medienträger und verpacke fertige Aufträge bruchsicher in Faltkartons. Wenn also irgendjemand in den kommenden Wochen von schlecht sortierten oder nicht zusammengehörigen Materialen aus der Videorettung genervt wird: Das war ich!
Auf jeden Fall habe ich jetzt einen relativ festen Arbeitsplatz und werde mich bemühen ihn zu halten.
 

=> 15.1.2008

Dienstag

8.1.2008

… und auch Amerika wählt

Auch die Vereinigten Staaten von Amerika haben Wahlen angekündigt. Im kommenden Jahr soll über die Ablösung des allseits unbeliebten Präsidenten George W. Bush entschieden werden. Nun kann man aber in den USA nicht einfach drauf los wählen. Da könnte ja jeder kommen…
Nein, da müssen erst einmal Vorwahlen und andere Konsolidierungsverfahren abgeschlossen werden, und natürlich muss man vorab entscheiden wer überhaupt wählen gehen darf, nicht jeder ist schließlich in der Lage die Genialität der Protestanten, äh Republikaner zu erkennen und sein Kreuz somit in dem richtigen Feld zu machen. Doch von Ausgrenzung potenzieller Demokraten soll ein anderes Mal berichtet werden.

Aus jeder der zwei wählbaren Parteien werden also drei Kandidaten ausgewählt, was in mindestens sechs ankreuzbaren Stimmfeldern resultiert. Alteingesessenen Anhängern europäischer Demokratie fallen hier bereits gravierende Unterschiede zum deutschen System auf. Aber das kleinbürgerliche Gedankengut, das sich hier im Ausschluss weiterer Parteien manifestiert, hat noch gravierendere Auswüchse. Es wird nämlich aus jeder Partei nur ein Kandidat zur Wahl zugelassen. Die mehrmonatige Vorwahl bestimmt also über die Auswahl jener zwei Kandidaten die zur Parlamentswahl zugelassen werden. Selbstredend kommt es während dieser Qualifizierungsrunden beinahe zum vollständigen Erliegen der politischen Entscheidungsfindung (Nicht dass sich dies durch große Veränderungen im Tagesablauf der Parlamentarier abzeichnen würde. Aber tatsächlich wird in dieser Zeit noch weniger für das Volk getan als sonst.) und es versuchen nun nicht nur die Parteien sich gegenseitig auszustechen oder durch öffentliche Hasstiraden zu denunzieren, denn auch intern ist der Konkurrenzdruck groß. Zumindest wird hierdurch deutlich, warum es in den USA nur zwei Parteien braucht. Denn jeder Präsidentschaftskandidat bringt sein eigenes Kabinett, seine eigenen Vorstellungen von Gerechtigkeit und seine eigenen Zukunftspläne mit.

Damit ist denn auch gelöst wie die Vereinigten Staaten von einer Krise in die andere stürzen können: Erst werden zwölf Monate lang alle Finanzen und Arbeitsstunden auf die kommenden Wahlen konzentriert. Ist dann der neue Machtinhaber dem alten äquivalent ändert sich nichts und die Korruption des Systems bleibt unverändert, was Zeit und Geld sparen kann. Kommt aber ein neuer Präsident an die Macht, was alle acht Jahre automatisch passiert, so werden Parlament und Rechtssystem radikal umstrukturiert, eine neue Lobby setzt neue Prioritäten, Wähler werden ausbezahlt und Systemverbieger entlohnt und vor allem muss man innerhalb von zwei Jahren herausfinden, welcher der alten Staatsdiener wenigstens halbwegs loyal gegenüber dem Volke ist. Mit viel Glück kommt jede Regierung somit gut ein bis maximal zwei Jahre zum Regieren.
Gerade in solchen Zeiten, wenn sich zwei Demokraten zwischen "Dallas" und "Sex and the City" gegenseitig denunzieren, wird mir ungewöhnlich deutlich wie fragil und unausgereift das Regierungssystem Demokratie noch immer ist. Während sich die Amerikaner also mal wieder mit der unterhaltsamen aber sinnfreien Diskussion um den korrekten Präsidentschaftskandidaten zwangs-beschäftigen und zeitgleich Fragen über ihre Abfallentsorgung, Wasseraufbereitung, Sozialstruktur, Energie- und CO2-Bilanz und Flurbereinigung beflissentlich ignorieren, sollte man sich als Außensteher fragen, wohin uns diese Reise führt und wie wir dieses Abenteuer zu einem glücklichen Ende hinlenken können.

An dieser Stelle sollte jetzt eigentlich eine Auflistung von Möglichkeiten folgen, aber mir will einfach nix einfallen. Es ist mir schleierhaft warum das Gros der Bevölkerung (auch in Deutschland) diesen politischen Murks immer wieder mitmacht und Parteien unterstützt die Milliarden an Steuergeldern für Wahlkampf, also Präsentation von Parteien, investieren.
Never change a running system. Aber ohne Veränderung keine Entwicklung, keine Verbesserung! Oder für BILD-Leser: Kriegt euren Arsch hoch und wählt mal richtig!

Derweil wählt Kuba nach dem Krisen-Erprobten Ein-Partei-System, Pakistan verschiebt seinen Urnengang aufgrund des Attentats an der ehemaligen Oppositionsvorsitzenden, Kenia streitet sich weiterhin um die Rechtmäßigkeit der Stimmzählungen und Saakaschwili betrügt das georgische Volk zugunsten seiner zweiten Präsidentschaftsperiode. Ich glaube fast, Das System Demokratie ist noch nicht ganz ausgereift.

 

=> 11.1.2008

Montag

7.1.2008

Kenia im Chaos

Laut Verkündung des alten Regierungsführers Mwai Kibaki wurden die Ende Dezember abgegebenen Stimmzettel der über fünf Millionen kenianischen Wähler nun endlich ausgezählt und ergaben, dass die derzeitige Regierung allen Unkenrufen zum Trotz auch die zukünftige Regierung darstelle. Konkrete Zahlen, wie prozentuale oder nominale Stimmzählungen, wurden erwartungsgemäß nicht genannt.
Verständlicherweise reagiert die Opposition rund um Raila Odinga etwas verhalten auf diesen "Wahlausgang" und deren Anhänger tun ihren Unmut in traditioneller Weise kund. Bereits wenige Stunden nach der öffentlichen Verlautbarung brannten in vielen Straßenzeilen Fahrzeuge diverser Fabrikate aus und wurden Polizisten mit Steinen bombardiert. Bisher gibt es "nur" einige tausend Verletzte, aber wenn Kibaki auf seiner bisherigen Meinung verharrt, werden vermutlich auch Tote folgen.

Anscheinend ist es das traurige Schicksal britischer Kolonien (Uganda, Pakistan, Indien, USA) von Wahlbetrügern regiert zu werden und auf jene mit Gewalt zu reagieren. Wann wählt eigentlich Texas? Die haben ja weit mehr Handfeuerwaffen als Steine…

 

=> 8.1.2008

Dienstag

1.1.2008

Alles wird gut

Das neue Jahr ist nun erst einige Stunden alt und hat schon radikale Verbesserungen im deutschen Haushalt geführt. So ist seit heute ganz offiziell das Rauchen in allen Gaststätten, Bars und Clubs untersagt. Besucher jener Örtlichkeiten können nun also halbwegs frei durchatmen ohne Lungenkrebs oder Raucherhusten fürchten zu müssen und eigentlich scheinen sich auch nur die ganz egoistischen Raucher in ihrer Freiheit bedrängt. Die meisten Leute gehen jedenfalls vernünftig mit dem Verbot um und verzichten während der Nahrungsaufnahme kommentarlos auf das eklige Qualmwerk.

Zweiter guter Vorsatz der Bundesregierung ist die Bewahrung des Städters vor der allsommerlichen Smog-Glocke. Hierfür wurde, bisher nur in Berlin, ein Innenstadt-Fahrverbot für stark rußende PKWs erlassen. Wer die inneren Stadtbereiche Berlins befahren will braucht nun eine bestimmte Umweltplakette, die das Fahrzeug als Feinstaub-arm zertifiziert.

Ich möchte jene neuen Gesetze hiermit im Namen Deutschlands willkommen heißen, obschon ich auch weiß, dass unsere Regierung diesem anfänglichen Lob sehr bald einen unglaublich dämlichen Ausnahmevorschlag oder eine allgemeine Prellung des Bundesbürgers entgegenschicken wird. Aber freuen wir uns für das erste doch einfach an diesem wundervollen Moment!
 

=> 7.1.2008

Tagebuch


Ich wähle keine Spiele-Killer

FolkAlley