Goemon5: The Celtic Ninja Blog
Goemon
Goemons Gruseliges Tagebuch

In dieser Ecke werde ich in unregelmäßigen Abständen (sobald ich eine Eingebung habe und über die Zeit verfüge dieser zu folgen) markante Erlebnisse meines bescheidenen Lebens niederschreiben.

 Die zeitliche Abfolge folgt übrigens den geologischen Regeln: die ältesten Daten befinden sich im liegenden (unten) und da die Geschichten teilweise aufeinander aufbauen, sollten sie von unten nach oben gelesen werden.
Inzwischen hat dieser Blog die Ausmaße eines Taschenbuchses erreicht und muss daher unterteilt werden. Aus reiner Ideenarmut heraus splitte ich einfach mal in Halbjahre, bzw. Doppelquartale.

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Sonntag

31.12.2006

Jahresendzifferwechsel

Das Zählen der Monate beginnt wieder mit Januar, die Bundesregierung ist weiterhin zu feige "echte" Reformen zu präsentieren, ein wirklicher Unterschied zu heute besteht doch nur wenn man irgendwo die Jahreszahl notiert. Warum also verschleudern Millionen von Bundesbürgern Milliarden von Euro für Knallerei und Mitternachtsbesäufnis?! Ich glaube fast der Mensch nimmt jede Möglichkeit war, um mit alten und neuen Freunden zu feiern und dieses so spektakulär wie möglich zu gestalten. Ich werde jedenfalls auch an diesem Dezemberende keinen Böller anfassen und trotzdem nicht unglücklicher sein als die meisten anderen.
Vielleicht braucht man in unserer Gesellschaft aber auch einfach einen Marker, um einen Lebensabschnitt zu resümieren und neue Projekte zu erschließen. Da ist das traditionelle Neujahrsfest halt super geeignet. Also los, feiert schon!

 

=> 3.1.2007

Mittwoch

20.12.2006

SKL (3)

Ein Brief von "Weisheit" (ohne Flaks, meine Mutter witzelte schon ob ich mir das Wissen jetzt postalisch zukommen lassen würde). Auf einem dünnen A4-Bogen befinden sich Glückwünsche für meine Entscheidung den Notenwart der SKL finanziell zu unterstützen. Auf einem weiteren Papierchen sind meine Losdaten versammelt, gemeinsam mit dem Hinweis, dass alles rund um die Ziehungen den Gesetzen der deutschen Lotterie unterliegt. Ich suche lange nach einer Telefonnummer, finde tatsächlich auch eine und rufe für 14 ct/min die große Weisheit an.
Erreicht habe ich dann einen "Bitte Warten", gefolgt von Pop-Musik. Nach vier Minuten verliere ich die Lust an meiner Stornierung und beschließe, lieber auf die Buchung zu warten.

 

=> 31.12.2006

Freitag

15.12.2006

SKL (2)

Wieder die SKL, ob ich nicht Lust an der supi dupi Gewinnshow mit Herrn Jauch hätte. Ich antworte wahrheitsgemäß, dass ich schon ein Los habe und sie sich die Luft sparen kann. Sie wünscht mir noch mal viel Glück. Danke und Tschüß.

 

=> 20.12.2006

Dienstag

12.12.2006

SKL (1)

Eine Frau Dingsbums ruft an (ich konnte mir Namen noch nie gut merken) und fragt ob ich nicht Lust hätte bei der 5-mio-SKL-show mit Günther Jauch mitzumachen. Einzige Bedingung wäre, dass ich ein SKL-Los kaufe. Die seien computerotimiert und daher sehr begehrt. [Darum müsst ihr auch herumtelefonieren, um sie los zu kriegen! Im Hintergrund hört man übrigens 20 weitere Verkäufer.] Ich entscheide mich für meine bewährte Taktik des Ja-Sagens, gebe ihr falsche Kontodaten und bedanke mich für den Anruf.


Zwei Stunden später erfolgt ein Kontrollanruf, die Kontaktperson zwingt mich durch ihre Pseudo-Freundlichkeit ihr die tatsächlichen Angaben durchzugeben. Mittlerweile habe ich in Foren gestöbert und kam zu dem Schluss, dass diese Kreaturen erst nachgeben wenn du bereits ein Los gekauft hast. Der erste Betrag soll in zwei Wochen abgebucht werden. Mir wird am Schluss noch schnell erklärt, dass ich mich mit den Datenschutzrichtlinien der SKL einverstanden erklärt habe und in Kürze ein Anruf der Firma Dingsbums erfolge, um meine Telefonkosten möglichst zu verringern. Klick. Tuut-Tuut-Tuut.
[Hä, Datenschutzrichtlinien, Telefonkosten, was hab' ich denn jetzt schon wieder verpasst?]

Und tatsächlich, zehn Minuten darauf der nächste Anruf. "Aber nich' mit Leo!" (Jürgi möge mir diese Imitation verzeihen.)
"Guten Tag, mein Name ist Trallala, ich rufe im Auftrag der Firma Dingsbums an. Wir würden gern ihre Telefonkosten um bis zu 70% reduzieren. Sie haben ja derzeit einen Vertrag mit der deutschen Telekom, bekommen sie denn von der Telekom irgendwelche Vergünstigungen fürs Telefonieren?"
"Konnichiwa." [Mein Japanisch ist sehr kratzig, aber an die Begrüßungsformel erinnere ich mich sofort.]
"Äh," (Frau Trallala ist offensichtlich verunsichert, ihr Japanisch scheint noch schlechter zu sein als meines.)" wenn ihre monatliche Telefonrechnung höher als sechs Euro ist können sie mit einem Wechsel des Anbieters bis zu 70% sparen."
"Anata wa donata desu ka?”
(Stille, jetzt hab' ich sie aus dem Konzept gebracht.)
"Gomi-bako wa, doku desu ka?" (Gute Frage, wo ist eigentlich der Papierkorb? Ich habe doch nur ein 16-m³-Zimmer, eigentlich sollten sich Gegenstände dieser Größe hier nicht verstecken können.)
"Aaa-ha, sie bekommen also Vergünstigungen von der Telekom. (Sie spricht jetzt sehr langsam, ich schätze nach diesem Anruf braucht sie erstmal eine Pause.) Dann hat sich das für sie ja erledigt. Auf Wiederhören."
"Sayonara."

 

=> 15.12.2006

Montag

27.11.2006

Hexerjagd

Woah, ich kann hellsehen! Der bayrische Innenminister Günther Beckstein (CSU) bringt sich mit seiner Argumentfreien Forderung nach einem "Killerspiele-Verbot" endlich wieder an die Spitze der Hass-Liste deutscher Computerspieler. Seit über zehn Jahren werden nun die verschiedensten Theorien zur Beeinflussung junger Menschen durch audiovisuelle Medien geprüft. Aber gerade der Priming-Ansatz, der die Nachahmung gewalttätigen Verhaltens durch den Konsumenten postuliert, ist bisher durch keine wissenschaftliche Beobachtung gesichert.
Ich kann auf diese Panikmache und Schuldzuschieberei gern verzichten. Da ich aber weder Großkonzern noch Christen-Wähler bin, habe ich keinerlei Druckmittel. Bleibt nur ein Ausweg: Schreibt eurem Abgeordneten! Jeder hat doch mehrere E.mail-Adressen. Lasset uns nun täglich mehrere Kopien einer Einheits-Anti-PC-Panikmache-mails an mindestens drei ausgewählte Politiker schreiben, vielleicht hilft das.

 

=> 12.12.2006

Freitag

24.11.2006

Behördenspaß (2)

Das Bundesverwaltungsgericht entschied gestern, dass auch Muslime unter strengen Auflagen (was auch immer das beim Messern von Schafen und Ziegen bedeuten mag) Tiere schächten dürfen.
Da hat sich unsere Rechtsprechung ja wieder fein vorführen lassen. Erst übernimmt man den Schutz der Tiere explizit ins Grundgesetz, dann wird der betäubungsfreie Kehlschnitt erlaubt.
Andererseits ist es erlaubt jungen Ferkeln ohne Betäubung den Schwanz und die Hoden abzuschneiden, Hühner in Käfigen zu halten die kaum so groß sind wie sie selbst, Kühe auf Arthrose- und Gicht-fördernden Gittern zu halten und Schweine in siedendes Wasser zu tauchen. Alles Verarsche! ('tschuldigung) Als ob irgendjemanden im großen Bundestag das Grundgesetzt interessieren würde (von den Grünen mal abgesehen). Diäten, Hartz IV, Steuererhöhung, Lehrer entlassen, Kindergärten einreißen, Alleen planieren, Brücken bauen, die Leutz haben ja so viel zu tun. Klar, dass da ein paar wirtschaftlich weniger interessante Themen wie Naturschutz, Erhalt der Umwelt, Rechte von Tieren, Obdachlosen und anderen sozial Schwächeren schon mal auf der Strecke bleiben.
Zugegeben, der Naturschutz ist in Deutschland fast beispiellos. Aber es ist noch lange nicht ausreichend.
Ich habe in einigen Foren geschrieben, aber rund 70% der Mitschreibenden sind sprachlich sowie wissenstechnisch etwas zurückgeblieben und schimpfen auf alle Verfechter des grünen Lebens mit Pseudoargumenten wie Arbeitslosigkeit und Gerichtskosten. Da es, gerade in Deutschland, viele Muslime gibt die mit Betäubung töten und das Fleisch trotzdem essen, hätte der Ankläger nur temporär finanzielle Verluste zu beklagen gehabt, was eine signifikante Steigerung der Arbeitslosenquote ausschließt. Und die Gerichtskosten hätte man fast komplett verhindern können: Tierschutz steht im Grundgesetz. Klage abgewiesen.
Ethnische Freiheit: wer in Deutschland lebt tut das gefälligst nach unseren Gesetzen. Wenn es ein Muselmann nicht mehr bei uns aushält, weil er seine Frau nicht öffentlich enthaupten darf, kann er auch gerne gehen. Und ich glaube nicht, dass das rassistisch klingt. Aber man muss sich den Gesetzen schon unterwerfen, in die man hineinreist. Auch muss sich eine Religion entwickeln dürfen. Vor fünfhundert Jahren haben die Christen in ganz Europa mit Hexenverbrennungen, Kreuzzügen und der Steinigung rothaariger Jungen für Stimmung gesorgt. Heute sieht man davon ab und ist immer noch gläubiger Christ.

Könnten wir jetzt bitte einen anständigen Artikel 20a ins Grundgesetz drucken? Der alte ist ein Witz. Ein schlechter!
 

=> 27.11.2006

Donnerstag

23.11.2006

Behördenspaß

Leipzig (dpa) - Vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig wird heute ein seit Jahren andauernder Streit um das Schächten von Tieren entschieden. Ein türkischer Metzger aus Hessen will durchsetzen, dass er nach islamischem Ritus ohne Betäubung Tiere ausbluten lassen darf. Das deutsche Tierschutzgesetz untersagt aber eine derartige Form der Tötung. Das Bundesverwaltungsgericht will noch heute ein Urteil fällen. Das Bundesverfassungsgericht hatte 2002 das Schächten für rechtmäßig erklärt, aber strenge Auflagen dafür erteilt, Juden ist es derzeit erlaubt ihre Nutztiere zu schächten. Da mir dieser Begriff nicht sehr geläufig ist, hier ein Auszug von Wikipedia:
"Mittels eines speziellen Messers mit einem einzigen großen Schnitt quer durch die Halsunterseite, in dessen Folge die großen Blutgefäße sowie Luft- und Speiseröhre durchtrennt werden, wird das Tier getötet." [http://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%A4chten]
Die Ziegen, Schafe, Hühner und Schweine werden also mit Draht an den Hinterbeinen gefesselt, an eine Stange gehangen und dort baumeln sie dann quiekend und blökend bis ihnen jemand die Kahle durchschneidet und sie innerhalb einiger Sekunden verbluten (Wenn es richtig gemacht wird). Ist das schlimmer als die übliche Tötungsmethode (Elektroschockbetäubung und anschließendes Abkochen)? Nein, ich denke nicht.

Kann man das besser machen? Klar, Knüppel drauf oder Elektroschock, dann anhängen und Kehlschnitt. Die Bluten doch trotzdem aus! Natürlich nicht so ergiebig wie bei qualvoll rasendem Herzen, aber anscheinend gibt es Muslime die dieser Mehranteil roten Saftes nicht irritiert, denn entgegen jüdischer Praxis verwenden viele Muslime einen Schocker.
Warum also die Debatte. Haben wir nix wichtigeres zu tun? Tierschutz steht im Grundgesetz.
 

=> 24.11.2006

Dienstag

22.11.2006

Details zum Massaker von Emsdetten

Die Medien lassen endlich detaillierte Informationen zum Emsdetter Attentat an die hungrigen Massen heraus. Sebastian B. (bei RTL übrigens "Bastian B" genannt, der Leser ziehe hier selbst seine Schlüsse) wurde 18 Jahre alt, spielte Counter Strike [NEEEEIIN!!] und Gotcha und hatte anscheinend soziale Konflikte mit seinen Mitschülern. Nunalso kaufte er sich im Internet mehrere Gewehre, schrieb einen Abschiedsbrief, ging in die Schule und schoss drauf los. Die Bilanz ist allerdings "besser" als seinerzeit in Erfurt: 37 Verletzte und ein Toter; der Täter beging Handfeuerwaffen-gestützten Suizid. Dass es Verletzte gibt ist tragisch, aber wesentlich besser als wären sie getötet worden.

Wie erwartet stehen sofort engagierte Politiker vor der Kamera und bekunden Erstens ihr Mitleid, Zweitens ihr Bedauern und Drittens ihre Entschlossenheit diese "Killerspiele" aus deutschen Landen zu verbannen. Ich weiß nicht mehr was wir zuerst auswechseln sollten: die graumelierten Egozentriker, die sich aus jeder Misere herausreden und dafür ein siebenstelliges Jahresgehalt kassieren (Money for Nothing, wie der US-Bürger sagt). Oder doch eher das stupende Volk, das sich diese verbale Grütze anstandslos andrehen lässt?

In sämtlichen Foren lese ich Zitate von Parteivorsitzenden, die ihre Verantwortung an Eltern und USK abtreten (ob sich letztere wohl auch so verarscht fühlen wie wir Zocker?); gefolgt von sachlichen Argumentationen empörter Spieler, die relativ eindeutig zeigen, wer hier die größere Denkleistung angestellt hat. Motzen kann jeder! (Und die, die nix anderes können motzen i.d.R. besonders laut.) Aber zu einer sachlichen Auseinandersetzung und kreativen sowie Erfolg-Versprechenden Lösungsvorschlägen gehört schon ein wenig mehr Einsatz. Es liegt mir fern unsere Bundesregierung zu beleidigen. Aber jetzt ist mal Nachdenken gefragt: Der Verbot von Shootern (der übrigens gegen meine Verfassungsmäßigen Rechte verstieße) könnte den Konflikt kurzfristig beilegen. Eine längerfristige Lösung wäre aber eher erstrebenswert und die setzt nun mal voraus, dass ihr euch ernsthaft mit dem Problem konfrontiert.

Die Presse gibt übrigens (erwartungsgemäß) auch ihren Senf dazu (QUOTEN). Sogar sonst seriöse Lokalpresse driftet hierbei schnell in die Schmuddelecke ab. Zur Illustration hier ein Brief den ich unserer Märkischen Oderzeitung schrieb.
>> Werte MOZ-Redaktion,
Ihre Berichterstattung zum Amokläufer aus Emsdetten ist in ihrem Umfang begrüßenswert, aber leider nicht neutral, wie es sich für eine Tageszeitung die nicht auf BILD-Niveau operiert gehört, und in einigen Teilen sogar unsachlich.
Zunächst gehört der Begriff "Killerspiel" nicht hierher; bei Counter Strike handelt es sich um einen Taktik-Shooter und die Spielercommunity würde es begrüßen, wenn Sie sich diesbezüglich des Fachjargons anstelle der Umgangssprache bedienen würden. Das von Ihnen verwandte Wort ist wertend und impliziert bereits eine ablehnende Haltung gegenüber jenem Spiel, das, wie sie richtig erwähnen, bereits seit sieben Jahren einen festen Platz im E-Sport hat.

Was mich aber besonders bestürzt sind die beiden Fotos die Seite zwei der aktuellen Ausgabe prägen: sie stellen eine direkte Verbindung zwischen dem Attentäter und Counter Strike her. Die Bildunterschrift stellt sogar (fälschlicherweise) fest, dass der Täter mit seiner Maskierung eine Spielfigur nachahmen wollte. (Bei der abgebildeten Einheit handelt es sich übrigens um einen Counter-Terroristen, Mitglied einer Anti-Terror-Einheit; und ich wette, auch das war Ihnen nicht bewusst.) [Andernfalls hätte man sicher doch lieber einen Terroristen abgebildet, stärkere Quoten.] Die Berichterstattung durch gängige Fernsehsendungen zeigt selbiges Bild in einem anderen Zusammenhang: Sebastian B. war Gotcha-Spieler. Demzufolge stellt die Kluft eine Tarnkleidung dar, wie sie in diesen Kreisen durchaus sehr gebräuchlich ist und hat NICHTS mit dem Computerspiel zu tun.

Eigentlich reicht die unsachliche Argumentation (wobei NIE echte Argumente auftreten) der involvierten Politiker völlig aus, um den Ruf von Action-Spieler und deren Lieblingsgenre zu ruinieren. Auch ist letzteres gerade noch einzusehen, da sich Politiker schließlich irgendwie aus der Verantwortung reden müssen. Verantwortungslosigkeit der Eltern und mangelnde Kontrolle außer-europäischer Handelswaren waren diesbezüglich schon immer ein sehr beliebtes Thema. In den kommenden Tagen werden also erneut graumelierte Herren und Damen im Businesskostüm verbal auf die PC-Spieler-Gemeinde einhackt und das Verbot sämtlicher Titel fordern die Menschen und Gewalt gleichzeitig zeigen. In dieser Szenerie brauchen wir eigentlich eher eine Zeitung die sachlich und korrekt berichtet. Ich hoffe Sie finden bald zu einer solchen Berichterstattung zurück.

Und auch wenn der folgende Spruch bereits so alt wie das Massaker von Erfurt ist, so ist der darin enthaltene Denkanstoß doch weiterhin (oder: erneut) sehr aktuell.
"98% aller Attentäter verzehrten innerhalb von 24 Stunden vor der Tat Brot. Verbietet Brot!"
Goemon.

PS.: Der korrekte Spieltitel lautet Counter Strike (ohne Bindestrich). [Muhaha, nicht einmal das kriegen die ordentlich hin!]      <<
Ich bin gespannt, ob ich eine Antwort erhalte oder aus dem Kreis der Leser verbannt werde.
 

=> 23.11.2006

Montag

20.11.2006

Das Massaker von Emsdetten (Erfurt 2)

Über meinen E-mail-Server rollt ein Nachrichtenticker und proklamiert "Geiseldrama blutig beendet". Ja, seit ich nicht mehr fernsehe, ist dies die Form in der ich aktuelle Nachrichten empfange. Ein Klick auf die Meldung verrät, dass ein ehemaliger Schüler an seiner Bildungseinrichtung in Emsdetten (NRW, ich hab von dem Ort noch nie gehört) mit Schusswaffen herumgebratzt und sich anschließend selbst erschossen hat.

Valve steh uns bei! Schon wieder so ein Irrer. Aufgrund meiner hellseherischen Fähigkeiten sehe ich folgende Ereignisse für die kommenden Tage voraus: Politiker und Psychologen werden gleichermaßen einstimmig bekräftigen, dass Shooter ein ganz schlimmes Genre darstellt und verboten gehört. Ganz besonders gesellschaftsgefährlich ist natürlich Counter Strike, das ja schließlich schon das Massaker von Erfurt (26.4.2002, Gutenberg-Gymnasium, 17 Tote) auslöste. Bis heute ist immer noch nicht geklärt ob der damalige Täter wirklich Counter Strike gespielt hat, der Titel war nur gerade sehr aktuell in jeglicher Presse und so war der Universalschuldige schnell gefunden. Ich glaube es war Jo Hesse, der einst sagte: "Hätte dieser Amoklauf in den sechziger Jahren statt gefunden, hätte man sicher den schlechten Einfluss der Beatles verantwortlich gemacht." (Aber ich bin mir weder bei Wortlaut noch Urheber des Zitats sicher und möchte mich diesbezüglich jeglicher Verantwortung entziehen.)

Jedenfalls wird jetzt sicher wieder eine Hexenjagd auf Computerspiele stattfinden, die vor Unsachlichkeit und Propaganda nur so strotzt. Die betroffenen Politiker (Bildung, Erziehung, Sport, Jugend?) werden sich in der aufflammenden Hysterie und Verwirrung jeglicher Verantwortung entziehen. "BILD dir meine Meinung!" wird wieder in jeder U-Bahn gelesen und Pro-Gamer wie auch Spieleredakteure werden ihre liebe Müh haben die ganzen Droh- und Beschwerdebriefe besorgter Eltern abzuwehren.

OK, positiv denken: diesmal wird alles anders. Der Mensch ist lernfähig. BILD ist keine literarische Weltmacht.
 

=> 22.11.2006

Donnerstag

2.11.2006

DSL und die Macht der Musik

Ab heute verfüge ich über eine DSL-Leitung, ein Bitteschön-Kennenlern-Angebot von freenet. Bei der Gelegenheit muss ich gleich mal Schleichwerbung projezieren. Nicht für diese Netzanbietertypen, sondern für meinen neuen Arbeitsverbesserer.

Folkmusik umschleicht mich schon seit einigen Jahren, aber dank Internetradio hat mich der durch klassische Saiteninstrumente gestützte Gesang nun völlig gebannt. Mir ist unerklärlich wie ich so lange ohne Folk auskommen konnte. Folglich prangt auf dieser Seite nun ein link auf den besten Radiosender der mir je untergekommen ist, er sei jedem mit Interesse an Gitarren, Violinen oder klangvollen Stimmen wärmstens empfohlen.
 

=> 20.11.2006

Samstag

7.10.2006

Abschiedsabendessen bei Familie Knobloch

Erneut tischt Frau Knobloch gute Kost auf. Und erneut fällt mir auf, dass Kindererziehung im Westen ganz offensichtlich anders abläuft als bei uns daheim. Bisher sind alle Kinder die ich je im ehemals westländisch besetzten Deutschland (das multikulturelle Berlin sei aus dieser Diskussion ausgenommen) sah garstige, egozentrische Menschen mit mangelhaften bis fehlenden Manieren. Mag sein, dass dieses Bild starr oder verfälscht ist, aber die zwei kleinen Knoblochs machen hier keine Ausnahme. Beide versuchen sich fortwährend zu produzieren und sich durch dreiste Sprüche ("Hast du 'nen Knall?" hätte ich meinen Eltern sicher nie entgegen geworfen) und unlautere Aktivitäten (hier sei exemplarisch das Herumspucken von Zuckerperlen mittels eines selbst gebauten Blasrohres im Wohnzimmer [!] genannt, wofür ich den Kurzen für mindestens eine Woche bei Wasser und Brot in sein Zimmer gesperrt hätte) in den Mittelpunkt des Interesses zu rücken.

So ich denn eines Tages geistig resignieren und ein Kind zeugen oder adoptieren sollte, so werde ich den Wurm sicher ohne Gewalt aber mit Autorität erziehen, denn von wem soll der Nachwuchs Respekt und Anstand lernen, wenn nicht von Eltern zu denen sie aufblicken und die sie respektieren können?! In den mir bisher untergekommenen jungen westdeutschen Familien stellen die Erziehungsberechtigten nur allzu oft ein passives Element dar, die geduldet und toleriert werden solange sie der Nahrungs- und Geldbeschaffung dienlich sind.
 

=> 7.10.2006

Freitag

6.10.2006

Letztes Wochenende – ohne Freizeit

Eigentlich Abreisetag für zwei der Praktikanten. Einer der letzteren hatte allerdings die furiose Idee die angefangene Fläche noch fertig zu putzen, was uns locker noch zwei außerplanmäßige Arbeitstage beschert. Da mir aber als Perfektionist ebenso an der Beendigung einmal begonnener Projekte liegt, habe ich keine Einwände vorzubringen und so bleiben wir alle bis zum Sonntag.

 

=> 7.10.2006

Donnerstag

5.10.2006

Zuviel Wein – das haut rein

Das Abendprogramm sieht eine Weinprobe bei einem der Eppelsheimer Weinbauern vor. Insgesamt werden 7 Weine, 2 Schaumweine und ein Federweißer (so eine Art post-Traubenmost) präsentiert. Trotz des hier gereichten deftigen Essens schlägt der Alkohol bei einigen Genießern gut an, eine der Betroffenen wird zum Opfer heftiger Magenunstimmigkeiten und ergießt ihre Verdauungsprojekte oral sowie rektal auf zufällig gewählten Feldabschnitten, was von scharfen Gerüchen und deftigen Filmrissen begleitet wird.

 

=> 6.10.2006

Dienstag

26.9.2006

Der große Tag des Baumstammdrehens

Im oberen Profilbereich liegt ein Baumstamm in Manganerhaltung. Eine Woche lang haben wir den Sand-gepufferten Bloch großzügig mit Gipsbinden umwickelt. Das Objekt hat etwa 2,5 m Länge und misst rund 50 cm in Breite und Tiefe. Markus hat den Stamm "unterhöhlt", was mich aufgrund des geringen Vortriebs von 5 cm (10% der Gesamtbreite!) doch sehr belustigt.

Der Plan ist so einfach wie nutzlos: drei von uns drehen den Gipsblock, drei stützen derweil auf der anderen Seite durch das Halten von insgesamt neun Kehrblechen (Adam-Riese-Anhänger werden zwischen Anzahl der Hände und zu verwendender Kehrbleche eine gewisse Diskrepanz feststellen) den heraus fallenden Sand. Folglich lasten, der Theorie nach, rund 30 cm Sandsäule auf jeder Schaufel. Im praktischen Test verbleiben jedoch zwei Fünftel im Gipssarg, weitere 40% bleiben unbeeindruckt stehen (vielleicht war die "Unterhöhlung" doch noch nicht ausreichend), der Rest fällt heraus. Markus schimpft und flucht wie ein Spatz im ewigen Nahrungskampf und lässt anschließend die Sandreste auf Manganspuren durchsieben, vielleicht sind ja noch ein paar Teile zu retten.
 

=> 5.10.2006

Samstag

23.9.2006

Natur auf hessisch

Etwa einhundert Meter nördlich der Grabung befindet sich eine größere Ansammlung von Bäumen, die unter diesen Umgebungsbedingungen wohlwollend als Forst bezeichnet werden können, sowie ein altes Munitionslager.
Im Verbund betrachtet ergeben diese Landschaftsobjekte ein Naherholungsgebiet ganz besonderer Qualität, insbesondere da der nächste echte Forst etwa 15 km entfernt liegt. Überhaupt werden Baumanpflanzungen in Rheinhessen nur als Autobahnbegleitgrün geduldet. In der Regel kann man von einem Ort aus über die umliegenden Äcker und Plantagen hinweg auf mindestens zwei weitere Siedlungen schauen. Und eben diese Kargheit zieht viele Bewohner der umliegenden Dörfer in das Munitionsdepot Eppelsheim. Letzteres ist sogar als "geschützter Landschaftsbestandteil" ausgewiesen.

Natürlich besteht hier kein Naturschutzgebiet, da es sonst nicht gestattet wäre die Lagerhallen weiterhin als Garagen und Geräteschuppen zu nutzen. Aber immerhin gibt es eine große Wiese (ca. 2 ha) die mehrmals im Jahr gemäht wird (damit sich einige ausgewählte Vogelarten hier richtig wohl fühlen), viele Sandaufschüttungen, die Kaninchen, Mäusen und angeblich auch Dachsen Unterschlupf gewähren, Steinhaufen die allerlei Wirbeltiere und Pflanzen beheimaten, und eine umstehende dichte Hecke, zusammen mit dem angrenzenden Forst steht hier also ein Bollwerk der gebeugten Natur, das sich seit r. Dass Rheinhessen ein solches Refugium besitzt wäre aber nur dann lobenswert, ließe man den immensen Bedarf an quasi-selbstregulierender Natur außer Acht. Die hohen Besucherzahlen sind ein trauriges Abbild einer von Profit und Tradition geprägten Gemeinschaft, die hier fast sämtlichen Baumbestand zu Gunsten von Wohn- oder Landschaftsfläche geopfert hat.

Erst jetzt fällt mir auf, wie selten wir in unseren Brandenburger Forsten spazieren gehen und für wie selbstverständlich ich eine grüne Baumbestandene Landschaft bisher hielt. Hiermit danke ich nachträglich und mit gebührendem Respekt und Höflichkeit dem verstorbenen König Ludwig, der seinerseits die preußischen Kahlschläge wieder aufforsten ließ.

 

=> 26.9.2006

Freitag

22.9.2006

Grillen mit Familie Knobloch

Familie Knobloch kommt abends vorbei und bringt Satai (lecker würzige Fleischspießchen) für den Grill. Wir verzehren diese mit einer herzhaften Erdnusssauce und perfekt durchgezogenem Bismatireis. Dazu gibt es noch Salat und Lamm und Schwein.
Der zubereitenden Köchin, Frau Knobloch, möchte ich an dieser Stelle noch einmal meine tiefste Bewunderung und immerwährenden Dank aussprechen. Da ich diese Zeilen niederschreibe ist das geschmackliche Festival bereits zwölf Stunden her aber das Abendmahl kommt nicht umhin mich weiter zu beschäftigen. Dies wird wohl für viele Jahre der Maßstab aller Gaumengenüsse sein.

 

=> 23.9.2006

Montag

18.9.2006

Die Ruhe nach dem Sturm

Der Vormittag wird durch Schlammbeseitigung geprägt. Zudem hat der Regen tiefe Canyons in die Profile gefräst und Schwemmfächer produziert die jedem Sedimentologen wahrlich traumhaft anmuten, unserem Grabungsleiter aber zutiefst zuwider sind und folgerichtig beseitigt werden.

Die allabendliche Rückfahrt vom Duschen im Kindergarten findet immer öfter in Dunkelheit statt, was besonders die Kaninchen zu obskuren Ideen treibt. Sie sitzen entweder auf dem Feldweg wenn wir heran rollen oder rennen aus dem Acker über den Weg ins nahe gelegene Gebüsch sobald sie uns sehen. Eigentlich sollte der alte VW-Bus gut einen halben Kilometer weit zu hören sein (zumal in dieser Vegetationsarmen Einöde), aber die Langohren setzten immer erst dann zu Sprint an wenn das laut rumpelnde und hell leuchtende Automobil nur noch zehn Meter von ihnen entfernt ist. Wüsste ich nicht um die geringen geistigen Fähigkeiten der Lagomorpha, so müsste ich einen Wettstreit der Eppelsheimer Kaninchenjugend postulieren ("Has'te geseh'n? Ich bin als letzter ‚rübergesprungen!"). In diesem Sinne sind sie sogar nerviger als die Mäuse, welche hier zwar in jeder Nacht unsere Mülltüten zerfressen, aber sich nicht auf den Weg legen.
 

=> 22.9.2006

Sonntag

17.9.2006

Regen ohne Segen

Am späten Nachmittag bricht das angedrohte Unwetter über uns herein. Bis zum Morgen erschüttert heftiger Regen die Zelte und der mitgebrachte Wind treibt die Fluten teilweise auch in die Zelte hinein. Der holozäne Lehm, der hier die gesamte Landschaft bedeckt, wird unter diesem Einfluss sehr klebrig und die entstehenden Schlammpisten machen jeden Gang zu Urinal oder Abort zu einem unwillkommenen Abenteuer.

 

=> 18.9.2006

Samstag

16.9.2006

Rheinhessen – unendliche Öde

Allen Wetterandrohungen zum Trotz entscheide ich mich für eine Wanderung rund um Eppelsheim.

Hier sei ein Eindruck dieses Dorfes eingeschoben, da ich es bei dieser Gelegenheit ebenfalls durchwandere. Eppelsheim ist ein friedliches Winzerdorf mit engen Straßen, die mit beeindruckender Hingabe an jeder Kreuzung benannt und beschildert sind, wobei das Schriftbild in altem verworrenen Deutsch daherkommt. Sämtliche Straßen sind so eng, dass bei Gegenverkehr grundsätzlich gewartet werden muss, wobei die Parkplätze an Hauswänden die Durchfahrt zusätzlich erschweren. Im Dorfzentrum befinden sich Bäcker, Metzger, Getränkemarkt und das Rathaus mit dem sehr informativen Dinotheriummuseum. Die Bewohner sind im Durchschnitt freundlich, einige laden uns auch zum Essen ein, an dieser Stelle sei den Familien Baltruschat, Knobloch und der Bürgermeisterin noch einmal für die warmen Mahlzeiten gedankt.

Rings um die Siedlung liegen einige Felder und ganze Plantagen von Weinreben, aus denen alle halbe Stunde Schüsse krachen. Die hiesigen Winzer befinden sich im steten Krieg gegen Stare und so halten Platzpatronenbestückte Selbstschussanlagen die fressgierigen Vögel auf Abstand.

Nach gut zwei Stunden fällt mir auf, dass das gesamte Umland nur aus Häusern, Transportwegen, Äckern und Reben besteht, kaum lässt sich mal eine Baumreihe blicken, von Baumgruppen oder wilder Hecke ganz zu schweigen. Ganz Rheinland-Pfalz scheint eine Einöde des Weinbaus zu sein dessen optischer Eindruck den geneigten Wanderer nur deprimieren kann und so beschließe ich meinen sofortigen Rückzug aus der rheinischen "Natur". Liebhabern Naturbelassener Landschaftsbilder sei also empfohlen dieses Bundesland zu meiden.

Am Nachmittag beehrt uns Dr. Franzen mit seiner Anwesenheit (er hat vor sechs Jahren dieses Loch ausschachten lassen) und erzählt uns und den anwesenden Eppelsheimern einige Anekdoten seines Wissenschaftlerlebens.

 

=> 17.9.2006

Freitag

15.9.2006

Wochenende!

Gegen Mittag werden Gräben gezogen und Wälle aufgeschüttet, da der Wetterbericht für das Wochenende ein "wechselhaft" voraussieht.

Ich habe zwar frei, beschließe aber, da ich kein Bedürfnis nach Mainz oder Frankfurt verspüre und eine Heimreise das halbe Wochenende kosten würde, vor Ort zu bleiben.
 

=> 16.9.2006

Montag

11.9.2006

Reise zu den Dinotheriensanden

Ich reise für vier Wochen nach Eppelsheim, um als Grabungshelfer einen Teil meines Praktikums zu absolvieren. Die Anfahrt nach Frankfurt (Main) verläuft unspektakulär, meine Weiterfahrt verzögert sich allerdings um einige Minuten, da mein Fahrtziel "Mainz Hbf" auf keinem Fahrplan auszumachen ist. Durch mehrfaches Lesen des Linienplanes und nach genauem Verfolgen der von Mainz ausgehenden Farbspuren gelange ich zu dem Schluss, dass sich eine Fahrt mit der S1 lohnen wird. Die S-Bahn ist äußerlich ähnlich hübsch wie unsere heimischen Regionalzüge, der Innenraum zeigt sich jedoch eher spartanisch und kann auch in der ersten Klasse qualitativ kaum mit Berliner Pendants mithalten. Auch sitzen hier gestalten die ich aus Berliner Ghettos nicht gewohnt bin. So ist die Gesamtatmosphäre nicht direkt unangenehm, aber doch irgendwie surreal und erscheint mir für ein deutsches Nahverkehrsmittel unerhört fremd.

Ich möchte in diesem Beitrag von meinem üblichen satirisch angehauchten Erzählstil abweichen und mich dem Format eines klassischen Reiseberichts zuwenden. Der Leser möge mir dies nachsehen, ich versuche dadurch dem Geschreibsel die Seriosität zu bewahren dem diese Reise gebührt. Auch werde ich Beschreibungen der handelnden Personen außen vor lassen, da es ebenso wenig hierher gehört.

Nach einer halbstündigen Odyssee durchs Mainzer Zentrum (auch in dieser Stadt hält man es nicht für notwendig die mühevoll erdachten Straßennamen gut sichtbar an Kreuzungen kund zu tun) erreiche ich das naturhistorische Museum, ein hübscher Altbau mit Kirchenanschluss (einen christlichen Glaubenstempel und ein naturwissenschaftliches Institut in ein gemeinsames Gebäude zu legen ist schon ein starkes Stück Realsatire und verlangt dem Bauamt ein hohes Maß Ignoranz ab) und modernem ansprechendem Vorplatz. Mit einer zehnminütigen Verspätung trifft auch der Grabungsleiter ein und bittet uns, schon mal vorauszugehen, da er noch etwas Wichtiges im Büro zu erledigen hätte, ein Thema das uns in den Folgewochen noch oft beschäftigen sollte.

Der Stellplatz für das Institutfahrzeugs (ein Mercedes MB100 mit hakeliger Schaltung und fehlenden Kopfstützen) ist ebenso bizarr wie ungewöhnlich: Der Pausenhof einer Mainzer Grundschule. Da der Unterricht scheinbar erst in zehn Minuten beginnt ist der ohnehin enge Hof mit Schülern gefüllt. Eine Durchfahrt wird erst nach heftigem Gestikulieren durch unseren zermürbten Fahrer und zahlreiche beinahe Zusammenstöße möglich. Nur unter Protest räumen uns die Grundschüler eine Schneise durch ihr Territorium.

Die Grabungsstätte selbst präsentiert sich als karges Hügelchen das mit seinen drei grauen Zelten in vegetationsarmer Umgebung (rund herum stehen nur komplett leere Felder, die anscheinend vor kurzem gegüllt wurden) von Ferne an eine arabische Nomadensiedlung gemahnt. Durch den Aushub des Grabungsloches steht die Anlage auf einem flachen Podest und ist linker Hand (ich beschreibe hier aus Sicht der Hauptverkehrsrichtung, dem staubigen Feldweg, da auch ich am häufigsten aus dieser Sicht auf das Lager schaue) von einer prächtigen Sand-Lehm-Kuppe gesäumt, welche an der Ostflanke von einem plastikumspannten Holzkasten geziert wird. Dieser Kasten enthält bei näherer Betrachtung ein Loch im Boden und dient demnach als Sichtschutz bei der Verrichtung kleiner Notdürfte, die im Grabungsalltag anfallen. Leider befindet sich in dessen unmittelbarer Nähe auch das Schlafzelt, wodurch man bei zu starker Flüssigkeitsaufnahme und ungünstigem Wind schon mal kleine olfaktorische Defizite während der Nachtruhe in Kauf nehmen muss (was aber äußerst selten, in meiner Zeit nur einmal vorkam).

Das Häuschen für die größeren Bedürfnisse ist etwas weiter entfernt und nur durch einen Fußmarsch von knapp dreihundert Metern erreichbar, welcher über Feldwege mit tiefen Spurrillen führt und daher gerade nachts und bei Starkregen für Unannehmlichkeiten sorgt.
Besondere Aufmerksamkeit innerhalb des Aborts verdient der Flüssigkeitsspender, der etwaige Besucher gern mit einem Desinfektionsliquid, nicht aber mit Wasser zum Abspülen der Hände versorgt.

Die Nahrungsaufnahme geschieht im zentral gelegenen Küchenzelt, welches mit Bänken, Tischen, Regalen, einem Gasherd und zwei Gasbetriebenen Kühlschränken durchaus solide ausgestattet ist. Aufgrund des straffen Tagesplans gibt es aber nur abends eine warme Mahlzeit.

Das Bauloch an sich ist mit rund zehn Metern Tiefe und einer Grundfläche von 50 m² nicht so sehr überragend aber doch ungewöhnlich und gerade mittels seines Komplexen Geflechts aus Sonnensegeln, improvisierten Treppen und Serpentinen, den quer gespannten Nylonseilen, den auf verschiedenen Ebenen gelegenen planen Grabungsflächen, dem kümmerlichen Grundwassergespeisten Teich und dem vier mal zwei Meter messenden Kalkklotz (ein Algenbioherm, in situ) auf der Sohle leicht von herkömmlichen Fundamentlegungen zu unterscheiden. Die Sonnensegel dienen allerdings nur sekundär als Schutz vor der Sonne, ihre Hauptaufgabe ist das Schützen von Grabungsflächen vor Regen.

Zu den Aufgaben eines Grabungshelfers in Eppelsheim zählen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) das Herumschaufeln von Sandmassen, Abkratzen und Fegen von Vertikalprofilen, Einmessen von Fund- und Orientierungspunkten via Tachymeter und Nivelliergerät, Aufschütten von Wällen zum Schutze gegen destruktive Regenmassen, Eingipsen von dahinbröselnden Großfunden und vor allem das Putzen von Horizontalprofilen unter besonderer Beachtung der darin liegenden Fossilien und Tongebilde. Darüber hinaus die Bewachung der Anlage an Wochenenden sowie die Informierung und Führung der dann anstrandenden Besuchergruppen.

Unser Leiter ist ein gelernter Grabungstechniker aus Bayern. Ich will hier ausnahmsweise nicht über die bayrische Sprachverfehlung lästern, zumal die folgenden Zitate für sich sprechen: "Na endlich einer, der wo mal klein schreibt."
Oder: "Hol ma' die Schaufeln die wo mer gestern hatten."

 

=> 15.9.2006

Samstag

9.9.2006

Ein Abend in Holz

Jochen Malmsheimer spricht heute live im BKA, einer der besseren Spelunken/Kleintheater Berlins. Diesem großartigen Mann verdanke ich einen großen Teil meiner eigenen Begabung. Seine unglaubliche Eloquenz könnte Abgeordneten konkurrieren und seine detaillierten humoristischen Beschreibungen gepaart mit den massiven Übertreibungen machen Jochen Malmsheimer für mich persönlich zum besten Vertreter intelligenter Comedy weltweit (Na, vielleicht abgesehen von Bill Cosby, aber der Vergleich hinkt auch etwas). Es gibt keinen zweiten der mit Worten derart gut umgehen kann, zwölfzeilige Schachtelsätze konstruirt, auswendig und ausdrucksstark vorträgt und dabei scheinbar nicht einmal Luft holt.

Es verwundert mich immer wieder, warum gerade diesem Künstler keine immanente Fersehpräsenz vergönnt ist. Der Mann sollte eigentlich in Hallen sprechen und nicht im kleinen, obschon netten und atmosphärischen BKA.

 

=> 11.9.2006

Freitag

25.8.2006

Abschlussexkursion "Naturgemäße Waldwirtschaft"

Morgens präsentiert mir Jens den wohl einzigen "echten" Aufschluss von Schellerhauer Granit, der so schnell vergrust, dass er hier als Sandersatz abgebaut wurde (das Ost-Erzgebirge besteht fast ausschließlich aus Metamorphiten und einigen Plutoniten & Vulkaniten). Natürlich wandern einige Handstücke in Zeitungspapier in meinen Rucksack.

Ein Forstmann führt uns durch das Naturschutzgebiet Hofehübel, hier stehen Tannen von über einhundert Jahren Alter. Damit sind die Forste im Ost-Erzgebiete in keiner Weise mit den Kulturlandschaften Brandenburgs zu vergleichen und verdienen fast schon die Bezeichnung "Wald". Jedenfalls zeigt sich die Natur im Pöbeltal von ihrer besten Seite, allein diese Bilder waren die Reise wert.

Beim nächsten Öffnen meines Rucksacks erkenne ich, dass der Granitgrus wohl etwas feucht war. Er hat die Zeitungsverpackung verlassen und sich im gesamten Innenraum ausgebreitet. Diese Sauerei kann ich momentan aber nicht beseitigen, also stopfe ich die greifbaren Überreste in eine Probentüte und hoffe auf eine einheitliche Sedimentation des Restgruses.

Den Abschluss bilden ein großes Eisbecheressen und ein Abschied voller Wehmut (schon wieder 5,10 Euro für die Busfahrt). Melanie erklärt mir noch schnell, dass es den Berlinern obliegt ein Nachtreffen zu organisieren, weil Berlin doch so schön zentral gelegen und supi erreichbar sei. Da ich derjenige mit dem längsten Anfahrtsweg nach Schellerhau bin, kann ich diese Argumentation nicht ganz nachvollziehen. Da der Busfahrer aber gern seine Weiterreise gen Dresden antreten möchte, fehlt mir die Zeit um nach einer möglichen humoristischen Intention zu fragen.

Insgesamt hinterlässt das Naturschutzpraktikum Schellerhau einen sehr runden Eindruck, mit netter Gesellschaft, interessanter Arbeit und auch geologisch interessanten Exkursionsteilen. Wer also Uhus, Bergwiesen, Streuobstwiesen, Steinrücken und Apfelsaft zumindest nicht negativ gegenüber steht, dem sei dies Praktikum wärmstens empfohlen!

Im Hauptbahnhof Dresden angekommen stelle ich meine Reisetasche auf den Menschenverlassen Bahnsteig und suche nach den Sonderaushängen, die auf den Fahrplänen angepriesen werden und über Verspätungen und Gleisänderungen informieren sollen. Als ich diese nicht finde und zu meinem Gepäck zurückkehre, stehen dort zwei grün uniformierte Beamte mit vier Sternen auf der Schulter. Der eine fragt mich ob das meine Tasche sei und als ich bejahe fordert er meinen Personalausweis.
"Von der allgemeinen Sicherheitslage in Deutschland hamse noch nischt gehert?!"
Ich versichere ihm, dass ich auf mein Gepäck schon aufpassen könne, gerade da ich einer von insgesamt fünf Personen auf diesem Bahnsteig bin.
"Aber da waren hundert Leute am gegenüberlijenden Bahnsteig die sich Sorgen gemacht ham."
[Ach so, der gute Mann hält mich für einen Terroristen. Ja wenn das so ist…]
Wir werden von einer Durchsage der Bahnhofssprecherin unterbrochen: "Der Besitzer des Gepäckstückes auf Gleis siebzehn möchte sich bitte bei seinem Gepäck einfinden." [Schon passiert. Danke!]
Der Beamte bestellt derweil eine Personenüberprüfung über sein Handy, bittet seinen Gesprächspartner anschließend die BAS über das Auffinden des Besitzers zu informieren und reicht mir meinen Ausweis. Nach einer knappen Ermahnung verabschieden sich die Uniformträger und entschwinden im Dunkel der Treppe. Ja, so leicht wird man zum Staatsfeind. Wisset, Terrorvolk, dass unsere Polizisten wachsam sind und stets ein Auge auf unbeobachtete Gepäckstücke haben.
 

=> 5.9.2006

Donnerstag

24.8.2006

Arbeitseinsatz im Forst Altenberg

Im Forst bauen wir einen Zaun ab und basteln aus den Gittern Drahthosen als Verbissschutz für die Weißtannen. Die Pfähle gewinnt Andreas durch das Fällen von Fichten. Somit wird der Forst gleich doppelt gepflegt: Lichtung des Baumbestandes und Schälschutz helfen den Tannen beim Weiterwachstum.
Nebenbei werden Pilze gesammelt (mindestens 6 kg, ungelogen!), ich harze meine Hose ein (Mama soll ja auch was von meinem Praktikum haben) und lasse mir zu krönenden Abschluss einen Granitblock auf den Fuß fallen. Als Stunden später mein Körper-interner Drogenhaushalt den Dienst quittiert kann ich mich nur noch sehr gemächlich fortbewegen, bis auf die Schwellung ist aber alles in Ordnung.

Das erste Abendessen besteht aus einer leckeren Pilzpfanne, die bei fast allen Konsumenten ein erstes Sättigungsgefühl herbeiführt.
Das zweite Mahl nehmen wir in gewohnter Tradition im Schellereck zu uns, für mich wiederholt sich der Schrecken einer beinahe Geschmacks-freien Tiefkühlgemüseplatte. Die Verabschiedung fällt in Angedenk unserer hiesigen Erlebnisse nicht besonders schwer und Jens verspricht erneut dieses "Restaurant" nie wieder aufzusuchen.

Anschließend noch einmal Lagerfeuer. An zugespitzten Stöcken werden Würste und Grillkäse ins Feuer gehalten, meine Erkenntnis des Tages: Grillkäse wird am Spieß nicht komplett gar, was die geschmacklichen Werte aber kaum mindert. Und auch Markus hat dazu gelernt: Wenn man einen Stock am Körper höher hält als im Feuer, so folgt die aufgepflanzte Wurst gerne einmal der Schwerkraft und gesellt sich zu Asche und Holz.

Nebenbemerkung: Immo kann singen. So banal sich diese Aussage auch anhört, aber der Mann singt einfach super! Melanie steht dem in nichts nach: eine geschulte Stimme mit unvergleichlichem Klang. Auch mir wird ein gewisses Gesangstalent nachgesagt, als Andreas mir aber von Duetten erzählt die ich wohl mit Melanie gesungen hätte (ohne dass ich den Text der besagten Lieder kennen würde) kommen mir Zweifel und meine anfängliche Euphorie verfliegt.
 

=> 25.8.2006

Mittwoch

23.8.2006

Botanischer Garten Schellerhau

Am Vormittag liefere ich mir mit Martin und Stephan eine Schubkarrenrallye durch den Botanischen Garten, wir transportieren den lebenswichtigen Boden-Mulch-Mix für die Neupflanzungen im Ostteil. Als ich zwei Tafeln Schokolade für unsere Teepause hole, erwische ich Markus wieder einmal beim Herumstehen. Obwohl mich dieser Mangel an Arbeitsmoral eigentlich nicht schocken sollte, versuche ich ihn zur Niederlage seines Streikes zu bewegen. Ich erfahre, dass Jens wohl zu schnell fertig geworden ist und sich nun neue Arbeit ausdenken muss.

Nachmittags schichten wir nur noch den Kompost um, da der Leiter des Botanischen Gartens vergaß, uns Ersatzaufgaben zu stellen. Auf der Wiese ist derweil Party, Jens hat weitere Teile zur Mahd frei gegeben.

Abends wird ein Lagerfeuer entfacht. Immo, ein pensionierter Umweltschützer, klärt mich über die Zusammenhänge von Konsum und Gesellschaftszerfall auf: jeder Mensch hat Bedürfnisse (zum Leben einigermaßen unmittelbar notwendig) und Begierden (quasi die Boni, immer mehr und immer besser, Luxusgüter). Demnach ist es durchaus gerechtfertigt Bedürfnisse zu erfüllen, aber jede Befriedigung von Begierden stellt einen Überkonsum dar. Letzterer wird auf Kosten der Bedürfnisse finanziert, demzufolge kauft man lieber die billig importierten Waren als die "teuren" Einheimischen, damit Geld für den Luxus bleibt. Wenn man aber auf Luxus verzichtet und statt dessen mehr von den einheimischen Produkten kauft, stärkt man somit die eigene Wirtschaft und schont die Ressourcen der restlichen Welt.
Wenn ihr also das nächste Mal euer Gehalt umsetzt achtet mal darauf was ihr so einkauft. Brauche ich den Billigzucker, für den in Südamerika ganze Urwälder gerodet werden? Wie hoch war wohl der Stundenlohn der asiatischen Kinder die diese Jacke zusammengenäht haben? Gereicht der Erlös einer mittelamerikanischen Schokoladenplantage den dortigen Arbeitern zum Überleben oder iniziiere ich mit dem Kauf weitere Regenwaldverluste? Und muss ich nächstes Jahr wirklich wieder nach Mallorca fliegen oder kann ich stattdessen mein Auto auf Biodiesel umrüsten lassen?

Fehlerhafter Konsum mit all seinen negativen Folgen beginnt beim Konsumenten! Und wenn wir uns umstellen und uns weigern diesen Unfug weiter zu unterstützen, nur dann wird sich das Weltbild verändern.
Immos Buchtip zu diesem Thema ist übrigens Peter Kafkas "Gegen den Untergang" (ein Weltwirtschaftskrimi in drei Bänden). Um eine Neuauflage wird noch gekämpft.

 

=> 24.8.2006

Dienstag

22.8.2006

Arbeitseinsatz Weißeritzwiesen (2)

Heute findet eine arge Gruppenspaltung statt: nach einer umfassenden Führung durch den Botanischen Garten verbleibt ein Teil dort, andere mähen weiterhin auf den Nasswiesen. Letztere sind gewohnt morastig und auch heute droht einiges an Gummistiefeln mitsamt darin steckender Personen verloren zu gehen.

Gegen Mittag erwartet uns ein ungewohntes Bild: die Qualität des Essens ist zwar nach wie vor nur mit ausreichend zu bewerten, aber der Bediendrachen ist heute ausnehmend freundlich. Hat sie etwa gestern gehört wie wir über sie lästerten, sobald sie den Raum verließ? Dass ausgerechnet Stephan eine Cola bekommt die fünf Zentiliter mehr fasst als unsere Trinkgefäße und auf seinem Tisch erstaunlich frische Blumen stehen, führt zu weit mehr als nur einer Vermutung wessen Charme hier zu einer Wandlung des Serviervorganges führte.

Abends findet die zweite Geocashing-Runde statt. Alternativprogramm ist diesmal ein Besuch bei Dietrich Papsch, der eine fast-autonome regenerative Energieanlage betreibt. Beheizung über Sonnenkollektoren und Holzpellets, Stromerzeugung via Photovoltaik und der Betrieb des Kleinwagens mittels Salatöl sind durchaus beeindruckend. Hier steht ein Musterbeispiel an Energienutzung!

 

=> 23.8.2006

Montag

21.8.2006

Arbeitseinsatz Weißeritzwiesen

Heute werden Wiesen gemäht. Hurra ich kann Sensen! Das ist schon was anderes als diese plumpen elektromechanischen Rasenmäher. Beim Wetzen der Klinge schneide ich mir auch prompt in den Daumen, eine stete Erinnerung an meinen ersten richtigen Sensengebrauch. Heute stößt noch Andres zu uns, der Förster, Jäger, Naturschützer und wohl noch einiges mehr in sich vereint.

Das warme Mittagessen im Schellereck scheint die Bedienung heute besonders zu strapazieren. Jens ist so dreist, die Gruppe zur Bestellung eines Kaffees zu ermuntern. Als nicht jeder sofort einen gängigen, leicht niederschreibbaren Wunsch zu äußern vermag entlädt sich die Bediendrachin: "Nu beiln se sich mal, ich hab net so viel Zeit!" Kundenfreundlichkeit wird hier so klein geschrieben, dass es ein leichtes sein sollte an einem Tag die gesamte Wochenbelegschaft zu vergraulen.

Den Rest des Tages verbringen wir mit dem Zusammenharken und Herunterziehen der gemähten Wiesenhalme. Gerade auf den Nasswiesen bleibt da schon mal der eine oder andere Stiefel stecken, mit vereinten Kräften können aber alle Schuhwerke wieder geborgen werden.

Am Abend erklärt uns (Phan)Thomas warum wir die Wiesen eigentlich mähen und warum auch diese Pflanzenvergesellschaftungen, die mit der natürlichen Flora eigentlich nicht mehr viel zu tun haben geschützt werden müssen. Die meisten inversiven Arten haben nämlich ohnehin kaum noch Refugien und sind somit auf unsere Wiesenmahd angewiesen. Dennoch geben wir die Hoffnung nicht auf, dass diese Pflänzchen irgendwann wieder in ihre Heimat zurückkehren können.
 

=> 22.8.2006

Sonntag

20.8.2006

Naturkundliche Wanderung um Altenberg

Nach einer Busfahrt gen Zinnwald erwartet uns Peter, der sich an jedem größeren Steinhaufen in der Flechtenbestimmung übt, das Georgenfelder Hochmoor präsentiert und uns auf der Rückwanderung nach Schellerhau die Pflanzengesellschaften des Kahleberggebiets erklärt.

Thema des Abends ist das Geocashing (Man versteckt irgendwelchen Kram, gibt im Internet bekannt wo der Müll liegt und andere ziehen los, um es zu finden). Martin, Mélanie und Sabrina sind derart begeistert, dass sie mit Cora und Ordrun in die Tschechei fahren und so eine Kiste suchen.
Wir Hinterbliebenen versuchen uns mittels diverser Ballsportarten zu unterhalten, was in Ermangelung von Korb und Netz nicht so recht gelingen will. Glücklicherweise erscheint bald Jens, der uns mit einer Geschichte seines Jeeps erheitert, welcher zwar noch leuchtet, aber nicht mehr anspringt. Nachdem wir das Fahrzeug erfolglos durch halb Schellerhau geschoben haben, holt Jens einen Freund vom Ortsrand der den Motor mittels Starterkabel anlässt. Super Plan, warum haben wir uns eigentlich eine Stunde lang mit dem Ding abgemüht?!

Zurück im Mayenhof entdeckt Mareike, dass das Klavier nun mit einem Verlängerungskabel verbunden ist, folgerichtig ist nunmehr täglich Orgel- und Piano-Klang zu vernehmen. Melanie erkundet zudem die DVD-Sammlung des Hauses. Der Tag endet mit dem Fluch der Karibik, begleitet durch Bounty, Othello und dem guten erzgebirgschen Apfelsaft.

 

=> 21.8.2006

Samstag

19.8.2006

Anreise nach Schellerhau

Da der EC mit nur vierzig Minuten Verspätung in Dresden eintrifft bleibt mir noch eine gute halbe Stunde, um den prächtigen Hauptbahnhof zu erkunden, bevor mein Bus nach Schellerhau fährt. Dabei entdecke ich weitere Gestalten die mit ähnlich viel Gepäck auf denselben Bus warten wie ich. Einer meiner zukünftigen Mitarbeiter stellt sich als Markus vor und fragt ob ich auch zum Arbeitseinsatz fahren würde. Mein Versuch, ihn von meinen Erholungsabsichten nahe der tschechischen Grenze in einem Ort dessen Name ich nie zuvor gehört habe zu überzeugen, gelingt nur teilweise, für einen einwöchigen Urlaub im Nirgendwo ist mein Gepäck wohl doch zu groß geraten.
Während der Busfahrt fällt mir auch wieder ein warum ich Sachsen so mag: der Akzent ist einfach urkomisch.

Am botanischen Garten Schellerhau angekommen empfängt uns Jens, seines Zeichens Exkursionsleiter, und bietet sich gleichzeitig an meine Tasche zur Unterkunft zu tragen. Den Transport meiner Gummistiefel, Geländestiefel, unzähliger Kleidungsstücke für warme, kalte und nasse Tage sowie meines Hammers (insgesamt um die 25 kg) gewähre ich ihm natürlich gerne.
Der Mayenhof ist eine gemütlich rustikale, Jugendherbergs-ähnliche Einrichtung in der wir eine gesamte Etage belegen (knapp dreißig Betten für zwölf Personen). Das Erdgeschoss beinhaltet zwei geräumige Speisezimmer, eine gemütliche Wohnecke, eine gut sortierte Küche und einen Konferenzraum mit oppulentem 5.1-Sound, Heerscharen elektronischer Medienwiedergabegeräte und einem elektronischen Klavier (dessen Kabel aber nicht bis zur Steckdose reicht).

Die ausladende Begrüßungszeremonie wird spontan mit einem Imbiss verbunden, was sich als strategischer Nachteil herausstellt, als jeder aufgefordert wird sich vorzustellen (verbale Kommunikation wird bei ungeschulten Personen durch die massive Aufnahme von Nahrungsmitteln in den Kaubereich erheblich gehemmt).
  Jens wird von der Grünen Liga Osterzgebirge finanziert und koordiniert die Arbeitseinsätze. Jetzt lässt er auch die Katze aus dem Sack und erzählt, dass es hier hauptsächlich um unsere Mitarbeit bei der Heumahd geht. Hab ich's doch gewusst: er will nur unsere Körper.
  Mélanie kommt aus Frankreich und ist damit eine der wenigen Franzosen die ihre Kenntnisse der deutschen Sprache öffentlich zugeben, Respekt!
  Martin ist aus der Slowakei angereist und wird nie müde gehobenes Deutschverständnis und einen sehr anstrengenden Humor zu präsentieren. Sein mangelndes Sicherheitsbewusstsein zwingt mich in den folgenden Tagen des öfteren in Deckung zu gehen.
  Markus studiert irgendwelchen Natur-Biologie-Kram in Eberswalde und hat scheinbar Mühe beim Kauen den Mund geschlossen zu halten, die Geräuschkulisse die seine Futterzerkleinerung beim Essen begleitet ist mir jedenfalls unangenehm.
  Stephan ist ein eher still-fröhlicher Gesell und studiert Forstwirtschaft. Sein Interesse an der Geologie sichert ihm prompt zwei Bonus-Sympathie-Punkte.
  Sabrina und Mareike studieren gemeinsam mit Markus. Sabrina kann wohl Gitarre nicht aber Klavier spielen, Mareike ist die einzige Klavier-kundige unter uns und damit wohl von dessen unzureichender Verkabelung am schwersten enttäuscht.
  Ordrun und Cora stecken bereits im Berufsleben und haben sich extra für die Erhaltung der Bergwiesen Zeit genommen. Ordrun bringt auch gleich noch ihr Kleinkind mit (anderthalb Jahre, oder so), um den Nachwuchs zur Umweltpflege zu erziehen.
  Melanie trifft erst am Abend ein, sie studiert Naturschutz und pendelt zigeunerartig zwischen mindestens vier Wohnorten. Dass sie jede zweite Pflanze beim Nachnamen nennen kann, lässt sie mir irgendwie unheimlich erscheinen.

Bei der Einstiegsexkursion versucht Jens mir ein graues Gekröse mit Feldspäten als Granit zu verkaufen. Auch nach längerer Bearbeitung mit dem Hammer will keines der Handstücke irgendwelche Mineralparagenesen, geschweige denn Strukturen zeigen. Ich bleibe skeptisch.

Das warme Abendessen im Schellereck (Name bewusst geändert) wirft erste Komplikationen auf, da wir die Kellnerin zwingen müssen sich mit dem Begriff "Vegetarier" auseinanderzusetzen. Aber auch die Qualität des Essens bleibt weit hinter den Erwartungen eines jeden Nahrungs-Begeisterten zurück. Jens erklärt uns, dass man früher wohl in einem anderen Etablissement eingekehrt wäre, welches aber derzeit geschlossen hätte.

Den Tagesabschluss bildet ein Diavortrag mit grandiosen Bildern der schönsten Osterzgebirgslandschaften.

 

=> 20.8.2006

Donnerstag

27.7.2006

Naturschutzpraktikum Schellerhau

Neuer Aushang am schwarzen Brett der allgemeinen Geologie: die Grüne Liga Osterzgebirge e.V. lädt zum Naturschutzpraktikum in Schellerhau. Schau an, eine Einladung zum Arbeiten. Was soll's ich brauch eh noch vier Wochen Praktikum. Zwar gibt es keine finazielle Entschädigung und ich muss auf eigene Kosten anreisen, aber immerhin ist die Unterbringung kostenfrei und mit drei täglichen Mahlzeiten verbunden.
Wann ist Anmeldeschluss? Heute!? Ja denn mal los. Mail. Rückmail: ich bin akzeptiert, super!

Wo liegt eigentlich dieses Schellerhau? Laut Atlas an der tschechischen Grenze, südlichstes Sachsen. Tolle Wurst, also zwei Stunden Bahn und eineinhalb Stunden Busfahrt. Na, da seh ich wenigstens mal was von der Welt.

 

=> 19.8.2006

Montag

3.7.2006

Bruno is back

Der von Hobbyschützen gerichtete Braunbär macht tot mehr Ärger als lebendig. Italien verklagt Deutschland vor dem EU-Gerichtshof und fällt damit die einzig korrekte Entscheidung seit dem Beginn dieses Debakels. Geschützte, bedrohte Tiere abzuschießen kann keine zeitgemäße Lösung sein. Wenn wir schon mit so schlechtem Beispiel vorangehen und auch noch von Italienern zur Ordnung gerufen werden, dann können wir vom Rest der Welt schon gar nicht erwarten sich dem Artenschwund gegenüber korrekt zu verhalten.

Ich denke, der Fehler unserer Bundesregierung lag wohl darin, Bayern in dieser Sache volle Entscheidungsfreiheit zu überlassen. Hoffen wir mal, dass so etwas nie wieder passiert.

 

Seitenanfang           => 8.7.2006

Tagebuch


Ich wähle keine Spiele-Killer

FolkAlley