In dieser Ecke werde ich in unregelmäßigen Abständen (sobald ich eine Eingebung habe und über die Zeit verfüge dieser zu folgen) markante Erlebnisse meines bescheidenen Lebens niederschreiben.
Die zeitliche Abfolge folgt übrigens
den geologischen Regeln: die ältesten Daten befinden sich im liegenden
(unten) und da die Geschichten teilweise aufeinander aufbauen, sollten
sie von unten nach oben gelesen werden.
Texte von 2006 und 2007 befinden sich hier.
Montag
6.10.2008 |
Richtig zählen zahlt sich ausDass zählen kein einfaches Geschäft ist, wissen nicht nur gescheiterte Banker und Broker. Auch der Bochumer Mathematikprofessor Lothar Gerritzen hat einen Missstand im Zahlenwerk festgestellt. Jener strebt seit einiger Zeit gar eine Revolutionierung des deutschen Zahlensystems an, da ihm unser über fünfhundert Jahre altes System etwas überholungsbedürftig erscheint. Das liegt an zweistelligen Zahlen wie sechsundsiebzig oder dreiundzwanzig. Bei einer 328 spricht man die Zahlen in der Reihenfolge 3-8-2, obwohl man sie 3-2-8 notiert. Dieser Zahlendreher plagt mich bereits seit der zweiten Klasse, zwingt er mich doch, die letzte Ziffer als vorletzte niederzuschreiben und umgekehrt. Um so erfreulicher, nun per zufälliger Mitteilung zu erfahren, dass sich bereits ein Akademiker nebst seiner Forschungsgruppe "Zwanzigeins" des didaktischen Passus annimmt.Die Engländer haben es da erheblich einfacher: 24 heißt twentyfour (zwanzigvier) oder 98 ninetyeight (neunzigacht). Da kommt mein analytischer Geist viel besser mit als bei achtundneunzig, was mich längst dazu veranlasste, Zahlen grundsätzlich Ziffernweise wiederzugeben oder gleich englisch zu benennen. Denn Logik ist wichtig, wenn man eine gewisse Effizienz anstrebt. Gut, Spanier und Italiener sind trotz ordentlicher Sprechweise ausgesprochen ineffizient, aber das hat andere Gründe. Japaner sitzen da wiederum auf ganz anderen Problemen. 98 heißt ihnen zwar kyu-ju-hachi (neun-zehn-acht), aber die Niederbringung der entsprechenden Zeichen kann dennoch ein wenig aufhalten. Die dortigen Zeichensätze sind eben doch komplizierter als unsere hübschen arabischen Ziffern, von denen die allermeisten mit nur einem Strich dahingekritzelt werden können. Ohnehin stelle ich mir den schriftlichen Sprachverkehr äußerst schwierig vor in einer Nation, die anstelle von 26 Buchstaben lieber Schriftzeichen für Silben (Katakana und Hiragana) und Einzelwörter (Kanji) verwendet. Bei über 49.000 Kanji müssen da wirklich enorme Computertastaturen her! Obwohl man ja eigentlich nur den Ziffernblock braucht, wenn man sich die entsprechenden ASCII-Codes merken kann. Sicher gibt es andere Nationen, die hier ein weit größeres Logik-Loch
zu füllen haben. Den Vogel abgeschossen hat diesbezüglich Nachbarland
Frankreich. Die setzen viele Zahlwörter aus den ersten zwanzig Zahlen zusammen.
98 heißt dort quatre-vignt-dix-huit (vier-zwanzig-zehn-acht). Das System
mag den Franzosen einen kleinen Vorsprung in der Sparte Kopfrechnen geben, da
man an der Kasse seine Rechnung immer dreifach zerlegen muss, ehe man dem Cent-Betrug
auf die Schliche kommt, aber effektiv ist das nicht! Ich kenne jetzt auch keine
direkten Anwendungsbeispiele, da Zahlungsbeträge zwischen 50 und 100 dort
eher gemieden werden. Das kann für Taxifahrer freilich zu gesteigerten
Gewinnspannen führen, denn ehe dieser das Wechselgeld zu drei-zwanzig-wurzel-zwölf
ausgerechnet hat, gibt der Kunde doch lieber ein fettes Trinkgeld. Als ich damals
französisch in der Schule lernen durfte und des illustren Ziffern-Chaos
gewahr wurde entschied ich, dass diese Sprache meiner Aufmerksamkeit nicht würdig
sei. Zu besagtem Zeitpunkt war ich bereits derangiert durch tausende unregelmäßige
Verben und viele weitere Ausnahmeregelungen die, ihrem reziprok verheißenden
Titel zum Trotz, in ihrer Fülle eher die Regel denn eine Ausnahme darstellen.
Ich stellte fortan das Studium jener unsäglichen Sprache ein. Dumm nur,
dass ich sie noch zwei weitere Jahre belegen musste, was zu unangenehmen Ziffern
bei den quartalsmäßigen Leistungsüberprüfungen führte.
Aber davon berichte ich an anderer Stelle. Letztendlich halte ich die Reformierung unseres Zahlensystems für sehr erstrebenswert. Sie muss ja nicht so radikal erfolgen wie jene, die unsere Besteuerung oder Rechtschreibung betreffen. Doch dieses Mal sind Akademiker am Umsturz beteiligt, was mich zuversichtlich stimmt. |

