Goemon5: The Celtic Ninja Blog
Goemon
Goemons Gruseliges Tagebuch

In dieser Ecke werde ich in unregelmäßigen Abständen (sobald ich eine Eingebung habe und über die Zeit verfüge dieser zu folgen) markante Erlebnisse meines bescheidenen Lebens niederschreiben.

 Die zeitliche Abfolge folgt übrigens den geologischen Regeln: die ältesten Daten befinden sich im liegenden (unten) und da die Geschichten teilweise aufeinander aufbauen, sollten sie von unten nach oben gelesen werden.
Texte von 2006 und 2007 befinden sich hier.

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Freitag

19.2.2010

Fare the well Jo

Es gibt Tage an denen dem menschlichen Durchschnittsgemüt wie auch der persönlichen Eigenmentalität kein positiver Zukunftsgedanke abzuringen ist, beziehungsweise spirituelle Zustände denen auch bei positiver Grundeinstellung kein Lächeln entspringen will. Anders ausgedrückt: manchmal schmeckt auch Honigkuchen wie Toastbrot. Bayern, Aktienanalysten und Bundestagsabgeordnete mögen jetzt verstört die Stirn runzeln und mit dem Finger der Endgeisterung auf mich weisen, da ihnen die positive Alternative zu jenem spirituellen Völlegefühl nicht bekannt ist; aber der überwiegende Rest meiner Leserschaft vermag meine innere Verzweiflung zu erahnen, die mich zeitgleich mit dem Scheiden unseres Sustainibility Coordinators Jo ergriff. Aber um den vollen Umfang meiner Herbstgefühle anzudeuten, muss ich etwas weiter ausholen. Einer Person wie Jo ist das nur angemessen.

Für einen Umweltaktivisten wie mich war die Umsiedlung von Deutschland nach Calgary mit gewaltigen gesellschaftlichen Umbrüchen verbunden. Gerade in den Bereichen Energie und Abfallmanagement glich meine Reise nach Calgary im vergangenen September einer Tour in die Vergangenheit unserer Zivilisation, einem temporären Versatz von etwa zwanzig Jahren. Plötzlich gibt es wieder Bierdosen, Mannshohe Mülltüten, einen Überschwang an großmotorigen Geländewagen, einen martialischen Mangel an Bio-Tonnen, kein Plastik-Recycling und viele weitere Unannehmlichkeiten die Kelly sei Dank in Deutschland wie auch in anderen Regionen der europäischen Union nicht mehr existent sind. (Petra Karin Kelly war übrigens Mitbegründerin der zukunftsträchtigen Partei "Die Grünen", ihr Pappnasen!)

Politisch und mental resultierte meine Reise nach Nordamerika also in einer Mischung aus Enttäuschung und Frustration. Und jene Person die meiner inneren Verwirrung mit tröstendem Wort abhalf war Jo. Es war Jo die mich mit davon abhielt resigniert den nächsten besten Restmüllbehälter umzutreten oder über vorbeiwuselnde Studenten stülpen. Calgary bleibt weiterhin diejenige kanadische Region mit der am schlechtesten entwickelten Infrastruktur respektive Mülltrennung und Energieversorgung. Aber Jo überzeugte mich davon, dass positive Veränderungen Zeit bräuchten und sorgfältige Planung sowie politische Ausdauer langfristig zu besseren Zukunftsaussichten führen würden. Immerhin hat Jo nur rund zwei Jahre an der University of Calgary das Amt des Sustainibility Coordinator inne gehabt, und dennoch gewaltige Programme zum Laufen gebracht. Es ist vor allem Jo zu verdanken, dass es an dieser Uni inzwischen Behältnisse für Papier, Flaschen (SPD-Politiker passen allerdings nicht rein, sorry!), Dosen und Biomüll gibt. Jo gab dem Thema Nachhaltigkeit ein Gesicht, sammelte einflussreiche Kräfte auf dem UofC-Campus, diskutierte lang und ausdauernd mit Politikern und Kommissionen.

Inzwischen gibt es an der UofC ein echtes Umweltbewusstsein. Nachhaltigkeit wurde Teil des Gesamtplans dieser Universität und das zugehörige Büro operiert mit diversen Gruppen auf dem gesamten Campus und in beinahe jeder Subgruppe universitärer Organisation. Zu jenen Kräften gehören die UofC Eco-Champions (die den grünen Gedanken in jede Fakultät und jedes Gebäude tragen), Team NRG (die eine ähnliche Mission in allen Apartment-Gebäuden der UofC verfolgen) und der Eco-Club (der auch "gewöhnliche" Studenten in die Öko-Gesellschaft einbindet). Als Eco-Champ und NRG-Mitglied bin ich Teil jener Macht die nur das Gute will und hoffentlich auch schafft. [So ein dämlicher Reim! Aber ich konnte einfach nicht widerstehen ...] Ferner verhalf Jo mir zu meiner Position als freiwilligem Helfer bei "Green Calgary", wo ich meinen verbleibenden Frust in gemeinnütziger ökologischer Arbeit abreagieren kann.

Jo ist demnach ein wichtiger Ankerpunkt für jegliche Programme mit dem Nachhaltigkeitsstempel auf diesem Campus und darüber hinaus. Sie ist ferner der Grund für meine persönliche Integration in die kanadische Gesellschaft und es schmerzt mich sie nun scheiden zu sehen. Aber ihre Familie braucht Jos Kraft und Motivation nun daheim im britischen Insel-Königreich, und jenem Ruf muss sie folgen. Uns Kanadiern bleibt daher nur, sie gehen zu lassen. Sei die Zukunft auch ungewiss, so weiß ich doch, dass sich unsere Wege eines Tages erneut kreuzen werden und wir werden von positiven Ereignissen berichten können. "Denn auf jeden Fall, sieht man sich immer zweimal." (Peter Maffay, Pass Auf!)

In diesem Sinne: Fare thee well Jo!

Fare Thee Well Jo


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