Goemon5: The Celtic Ninja Blog
Goemon
Goemons Gruseliges Tagebuch

In dieser Ecke werde ich in unregelmäßigen Abständen (sobald ich eine Eingebung habe und über die Zeit verfüge dieser zu folgen) markante Erlebnisse meines bescheidenen Lebens niederschreiben.

 Die zeitliche Abfolge folgt übrigens den geologischen Regeln: die ältesten Daten befinden sich im liegenden (unten) und da die Geschichten teilweise aufeinander aufbauen, sollten sie von unten nach oben gelesen werden.
Texte von 2006 und 2007 befinden sich hier.

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Sonntag

4.10.2009

Kälte und Schmerz

Meine treulosen Laborkollegen haben mich im Stich gelassen. Eigentlich hätte dies das interessanteste Wochenende meines ersten Calgary-Jahres werden sollen. Nachdem ich einen Monat lang geklonte Häuser und langweilige Straßen sehen musste, stand für gestern früh ein Ausflug zum Dino Provincial Park (DPP) an. Auch wenn man in Alberta nicht eigenständig Fossilien sammeln darf und der DPP unter UNESCO-Schutz steht, wäre ein Geländeausflug mit Fossis, Bergen und Wildwuchs ganz willkommen gewesen. Aber anscheinend wollte man mich nicht dabei haben.

Zum Zwecke der gemeinsamen Anreise im privaten PKW wollten wir uns am Samstag um sechs Uhr am Bahnhof treffen. Tja, ich war da, nur die anderen nicht. Also wanderte ich eineinhalb Stunden lang den Bahnsteig auf und ab, beobachtete die Obdachlosen bei ihrer Morgengymnastik und versuchte die Morgenkälte (die inzwischen gefährlich nah am Nullpunkt der berüchtigten Celsius-Skala angelangt ist) im seichten Nieselregen abzuschütteln. Hat nix genützt, es kam einfach keiner. Gut, es kamen schon Leute vorbei, aber keiner von denen wollte mich zum DPP fahren, auch nicht nach Bestechung durch Lebkuchen.

Also habe ich den Vormittag herumtelefoniert um herauszufinden wer genau beschlossen hatte mich zurückzulassen, erreichte aber nur einen genervt klingenden Anrufbeantworter. Und so sitze ich nun ganz allein in meinem Studienzimmer und unterdrücke seit gut zwei Stunden den Drang meinen Zimmernachbarn zu erwürgen, der mich gegen drei Uhr (ja, nachts!) weckte indem er seine müßigen Ballkünste vor meinem Fenster austestete. Da ich nachts freilich schlafen wollte, hab' ich's bei einer Rüge verbleiben lassen. Im Laufe des Vormittags wollte ich ihn dann erwürgen, aus dem Fenster stürzen und es wie einen Unfall aussehen lassen. Geht aber nicht, weil unsere Fenster sich nur einen Spalt weit öffnen lassen. Da passt der knollige Araber garantiert nicht durch. Und einmal erwürgt will ich ihn bestimmt nicht hier behalten.

So schmolle ich also vor mich hin und schaue dem Schnee zu, der sich in großen flockigen Massen gen Boden senkt. Eben bekam ich noch einen Bonusanruf von meinem treulosen Fahrerteam. Angeblich habe man ganze vierzig Minuten am Bahnhof auf mich gewartet. Im Auto. In einer Parklücke! Auf die Idee, mich in den perfiden Parcklückenplan einzuweihen, kam freilich keiner dieser Labortrottel. Ganz zu schweigen von dem Geistesblitz mal auf dem Bahnsteig nachzusehen! Da habe ich schon mal vier Personen denen ich in Zukunft nicht mehr trauen kann. Aber vielleicht kann ich einem meiner neuen Exfreunde den doofen Araber ins Postfach legen. Ich müsste ihn nur zuvor erwürgen, nicht dass die das auch vergeigen …

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