Goemon5: The Celtic Ninja Blog
Goemon
Goemons Gruseliges Tagebuch

In dieser Ecke werde ich in unregelmäßigen Abständen (sobald ich eine Eingebung habe und über die Zeit verfüge dieser zu folgen) markante Erlebnisse meines bescheidenen Lebens niederschreiben.

 Die zeitliche Abfolge folgt übrigens den geologischen Regeln: die ältesten Daten befinden sich im liegenden (unten) und da die Geschichten teilweise aufeinander aufbauen, sollten sie von unten nach oben gelesen werden.
Texte von 2006 und 2007 befinden sich hier.

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Samstag

3.1.2009

Türkenfischerei

Gestern wagte ein Walhai die Reise ins Ägäische Meer. Dass sich ein Walhai überhaupt ins Mittelmeer verirrt, ist schon verdammt selten, aber ein Abstecher in dessen östlichste Ausläufer setzt dem wirklich die Krone auf. Doch wer versteht schon die Gedankengänge der Touristen?! Vermutlich wollte der sanfte Riese einfach mal raus aus der depressiven Weite des Ozeans um die synthetischen Köstlichkeiten der Mittelmeeranrainer zu probieren und aus diversen Zoohandlungen heraus gespülte exotische Algenvarianten zu verkosten. Wie gemeinhin bekannt ist, fressen Walhaie ausschließlich Plankton und Kleinstlebewesen, die sie über Auswüchse ihres Knorpelkiefers aus dem Wasser filtern. Das macht sie trotz ihrer Größe zu den ungefährlichsten Haien überhaupt und damit auch zu potenziellen Ökotouristen.

Hai Ahoi!
Zum Unglück des Weltreisenden steht die östliche Ägäis unter türkischer Kontrolle und die sind nicht eben für ihre Gastfreundschaft bekannt. Die Fischer Turan Özen und Ethem Kus entdeckten den Koloss und betrachteten ihn mit großem Interesse. Und was machen Türken, wenn sie etwas nicht verstehen? Genau, sie knüppeln mit dem Hammer drauf.

In jedem anderen Land gibt es unabhängiges Bildungsfernsehen, welches aufmerksamen Zuschauern die zerbrechliche Vielfalt ihrer Umwelt vermittelt. Nicht so im osmanischen Reich, wo noch immer per Gesetz die öffentliche Aussprache der kurdischen Sprache verboten ist, obwohl mehr als zehn Prozent der Bevölkerung Kurden sind. Da muss man schon mal Abstriche in der Bildungspolitik machen. Doch die grenzenlose Idiotie türkischer Staatsführung soll hier ausnahmsweise nicht Thema des Tages sein. Es geht ja nur um zwei desorientierte, unbelesene Fischer, die aufgrund ihres stumpfsinnigen Egoismus den Entschluss fassten, einen vom Aussterben bedrohten Walhai zu fangen, weil er zufällig gerade vorbei schwamm als man eigentlich schon dabei war, das Ökosystem Mittelmeer auf traditionelle Weise zu stören.

Fisch sein essbar, musse töten!
Özen und Kus führten daher einen über vierstündigen Kampf gegen den Hai. Als sie ihn schließlich getötet hatten, schleppten sie den Riesenfang in den Hafen und ließen das mehr als zwei Tonnen schwere Ungetüm mit einem Bagger an Land hieven. Warum sie den unter Artenschutz stehenden Walhai überhaupt fangen wollten, ist weiterhin unklar, gerade da das Fleisch von Haien ziemlich ungenießbar ist. Es dürften daher nur Feinschmecker Interesse an dem Fang bekunden. Ich will den beiden brunstdummen Fischern gar keine Vorwürfe machen. Sie sind ja nur Türken und wussten es nicht besser.

Aber ich wäre doch sehr dafür, der osmanischen Bildungspolitik internationalen Druck aufzuerlegen. Was nutzen uns die besten Artenschutzabkommen, wenn sie von mittelalterlichen Regierungssystemen derart prüde bombardiert werden?!

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