Goemon5: The Celtic Ninja Blog
Goemon
Goemons Gruseliges Tagebuch

In dieser Ecke werde ich in unregelmäßigen Abständen (sobald ich eine Eingebung habe und über die Zeit verfüge dieser zu folgen) markante Erlebnisse meines bescheidenen Lebens niederschreiben.

 Die zeitliche Abfolge folgt übrigens den geologischen Regeln: die ältesten Daten befinden sich im liegenden (unten) und da die Geschichten teilweise aufeinander aufbauen, sollten sie von unten nach oben gelesen werden.
Texte von 2006 und 2007 befinden sich hier.

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Donnerstag

1.1.2009

Neujahrsschüsse

Israel macht sich bereit für den Einmarsch in den Gaza-Streifen. Tausende Fußtruppen wurden versammelt, Panzerverbände aufgereiht. Die Operation "Gegossenes Blei" kann beginnen.

Seit einer Woche beschießen israelische Streitkräfte den schmalen Küstenstreifen im Südwesten des Landes mit Raketen. Über dreihundert Menschen wurden wohl schon getötet. Jets, Kreuzer und Mittelstreckenraketen sind rund um die Uhr im Einsatz, um den Bewohnern von Gaza das Fürchten zu lehren. Aus sicherer Entfernung richten sie ihre Waffen gegen das offiziell nicht existierende Land am östlichen Mittelmeer, das ihnen so prüde den Blick auf den Strand verstellt.

Mediales Interesse
Zum Glück schaut die übrige Welt nicht tatenlos zu, sondern berichtet lautstark über die Kriegsgeschehnisse und protestiert gegen den jüngsten Ausbruch von Gewalt. In vielen Städten gehen Menschen auf die Straße und machen ihrem Ärger Luft. So auch in Berlin, wo über eintausend Menschen (hauptsächlich Muslime) im Rahmen einer großen Demonstration aufmarschierten. Zum vierten Mal in Folge liefen sie gestern planlos durch das Zentrum der Hauptstadt, verbreiteten ihre Botschaft von Frieden, Deeskalation und Toleranz. So kann es nicht weiter gehen, sagen sie. Mit dieser geballten Gewalt sollten die armen Palästinenser nicht konfrontiert werden. Schließlich findet seit einer Woche auch die Versorgung mit Hilfsgütern nur noch sporadisch statt. Die Bewohner von Gaza sind eingepfercht in einem viel zu kleinen Stück Land, leiden an einer stark eingeschränkten Versorgung mit Nahrungsmitteln, Medikamenten, Elektrizität und Kochgas. Und jetzt startet Israel auch noch diesen erbarmungslosen Überfall.

Tod den Tyrannen!
Weltweit werden daher israelische und ägyptische Botschaften belagert. Israel soll die Angriffe beenden. Ägypten soll seine Grenzen nach Gaza öffnen, damit die Hilfskonvois wieder fahren können. Ein Waffenstillstandsabkommen soll den Frieden Palästinas erneuern. Mehr verlangen die Demonstranten gar nicht, nur ein bisschen Entgegenkommen…

Was sie dabei nicht erwähnen, sind die vielen hundert Hamas-Mitglieder, die sich in Gaza aufhalten und jeden Tag aufs Neue die Grenzgebiete zu Israel mit Selbstmordanschlägen, Raketen und Mörsergranaten attackieren. Als kurz vor Weihnachten das Waffenstillstandsabkommen auslief, rannten die Hamas pünktlich auf die Minute zu ihren Mörsern und starteten die Bombardierung von Wohnvierteln im Grenzbereich. Die militanten palästinischen Muslime sprechen bei jedem politischen Treffen von Frieden und Gemeinschaftsbildung, aber es vergeht keine Stunde in der die Hamas nicht irgendwo in Israel Menschen angreifen und Häuser zerstören. Jeden Tag fliegen etwa 50 Granaten und Raketen aus Gaza hinaus und keine der zerstörerischen Kriegsgeräte ist auf militärische Ziele gerichtet. Kein Wunder, dass dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert irgendwann der Geduldsfaden reißt.

Friede beruht auf Gegenseitigkeit
Erst letzte Woche wurde wieder für wenige Stunden der Grenzübergang nach Gaza geöffnet, um Hilfslieferungen in den offiziell nicht existierenden Kleinstaat zu bringen. Zeitgleich feuerten radikale Muslime aus allen Rohren auf ihre Nachbarn und viele Israelis formulierten eine realiv simple Kernaussage, die den Konflikt gut umschreibt: "Warum sind diese Hilfsaktionen immer so einseitig?" Während aus dem Osten Medikamente und andere Versorgungsgüter nach Gaza hineinrollen, schleppen Hamas-Helfer aus dem Westen Kistenweise Waffenlieferungen heran. Natürlich sperrt sich Ägypten gegen eine Grenzöffnung. Wenn über geheime Tunnelsysteme bereits dermaßen viel Kriegsgerät in den Küstenstreifen verbracht wird, wieviel größer würde dann erst der Waffenschmuggel, wenn die Demarkation zum Land der Pharaonen wegfiele?!

Wer Sturm säht …
Da wird auch der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad nicht dagegen halten können. Nicht nur weil der Iran als erbitterter Feind Israels bekannt ist, sondern auch weil der Ruf nach Frieden aus dem Munde von Kriegstreibern wenig Gehör findet. Jedenfalls nicht mehr. Seit der Islam sich mit seinen radikalen Splittergruppen weltweit Feinde gemacht hat, glaubt niemand mehr recht an die gönnerhafte, umsichtige Natur der Iraner.

Nein, die Hamas haben den Bogen deutlich überspannt. Das dürfte allen halbwegs politisch interessierten klar sein. Und wenn an der nun gestarteten Militäroffensive Israels etwas überraschend ist, so ist es der relativ späte Zeitpunkt des Gegenangriffs. Die Palästinenser haben sich freiwillig nach Gaza begeben, sich dort verbarrikadiert, obwohl sie wussten, dass ihre Versorgung dort nur durch Hilfsgüter aufrecht erhalten werden kann. Anschließend hat die Hamas die Macht an sich gerissen und wirft nun täglich mit vollen Händen Steine aus ihrem kleinen Glashaus.

Um sich die tatsächliche Idiotie dieses Verhaltens zu vergegenwärtigen denke man einfach an eine Gruppe Raufbolde, die sich mitten im Winter bei -18°C in Opas Gewächshaus einschließt, um dann mit Paps Luftgewehr sämtliche Scheiben zu zerschießen und auf jeden anzulegen, der sich mit heißem Kakao oder warmen Decken nähert.
Mag sein, dass der Konflikt auf religiösen und polithistorischen Debatten basiert, aber aus europäischer Distanz betrachtet sieht diese Pseudo-Wehrhaftigkeit einfach nur blöd aus.

Einen Schlussstrich ziehen
Es gibt nur einen Grund, warum die israelische Regierung so lange still gehalten hat. Sie will Gaza gar nicht haben. Mit der Besetzung des Küstenstreifens hat man sich einverstanden erklärt, die Konvois von LKWs wurden kommentarlos durchgewunken. Jahrelang hat man die verbalen und physischen Attacken der Palästinenser geduldet. Selbstgerechte Islamiten riefen öffentlich zum Jihad auf, sprengten sich in Cafes, Schulen, Parks oder Einkaufszentren in die Luft und forderten Gerechtigkeit. Jetzt bekommen sie ihre Gerechtigkeit per Luftpost geliefert und zufrieden sind sie dennoch nicht.

Niemand mag mich!
Inzwischen wird selbst Ägypten offen angefeindet, weil es sich angeblich den Terror gegen Gaza stärken würde. Jenes Touristenland lehnt jedoch weiterhin jegliche Intervention ab, denn Verantwortung übernehmen für ein Heer radikaler Palästinenser, das will man auch dort nicht. Niemand will Gaza haben, nicht einmal geschenkt! Israel hätte schon vor Jahren dort einmarschieren können, aber man hatte stets Angst, man müsse sich hinterher um all die Menschen kümmern. Da war es chon wesentlich bequemer den kleinen Terroristen ihren Sandkasten mit Meerblick zu überlassen. Doch irgendwann wird die Bereinigung der Folgen heiliger Kriege zu aufwändig und ehe man noch ewig über nicht eingehaltene Friedensversprechen debattiert, fällt Israel doch lieber in sein eigenes Land ein und radiert die Gefechtsstellungen der Besetzer aus.

Gewalt erzeugt Gegengewalt
"Wir wollen einen grundlegenden Wandel der Sicherheitslage im Süden Israels erreichen", sagte Vize-Verteidigungsminister Matan Vilnai. Hierzu sei eben ein entschlossenes Eingreifen notwendig und ich glaube nicht, dass die Entscheidung zum Gegenschlag eine leicht war. Sonst hätte man nicht so lange damit gewartet. Friedensgespräche mit Hamas-Führern sind wie Veganer-Kongrese mit Metzgern: es mangelt an ehrlichem Interesse und damit auch an Realisierbarkeit.

Als Pazifist kann ich die Großoffensive Israels nicht gut heißen, aber wer dagegen schimpft und die Gräuel vernachlässigt die von der Hamas begangen wurden, ist ein realitätsfremder Heuchler. Krieg ist unter normalen Voraussetzungen keine echte Option, das lässt sich nicht von der Schippe heben. Aber es geht hier längst nicht mehr darum, wer mit dem Unfug angefangen hat. Die Hamas liefern einfach keinerlei Gründe oder auch nur Lösungsansätze für eine Gewaltfreie Beilegung des nationalen Zerwürfnisses.

Bill Jones verwendet mit ihren Two Brothers (Two Year Winter) ein anderes Gleichnis, trifft aber die gleiche Grundnote; der Zwist zwischen Palästina und Israel ist kindisch, unreif und zeugt von argumentativer Ermattung. Hoffentlich behält Ms. Jones Recht: "One day in the future this won't mean a thing."

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